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Medizintechnik und Vernetzung Philips und Klinikum Stuttgart schließen strategische Partnerschaft

Statt Kunde-Lieferant-Beziehung wollen der Gesundheitskonzern und die Klinikgruppe gemeinsam Innovationen integrieren – insbesondere digitale Lösungen.
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Es waren bereits Techniker von Philips gemeinsam mit den Klinik-Verantwortlichen auf der Baustelle, um das Design der Behandlungsräume abzustimmen. Quelle: Imago
Katharinenhospital Stuttgart

Es waren bereits Techniker von Philips gemeinsam mit den Klinik-Verantwortlichen auf der Baustelle, um das Design der Behandlungsräume abzustimmen.

(Foto: Imago)

Berlin „Sich nur auf neue Gerätschaft zu fokussieren, verändert gar nichts“: Das sagt ausgerechnet ein Mann, der mit neuen Gerätschaften sein Geld verdient. Aber einfach nur noch Lieferant von Medizintechnik zu sein, das ist nicht die Zukunft, zeigt sich Philips-CEO Frans van Houten im Gespräch mit Handelsblatt Inside überzeugt: „Wer etwas ändern will, muss nicht Maschinen austauschen, sondern das Verständnis der Beteiligten für sich gewinnen.“

Deshalb hat Philips jetzt mit dem Klinikum Stuttgart eine strategische Partnerschaft abgeschlossen, wie Handelsblatt Inside erfuhr. Der Vertrag umfasst die Ersatz- und Neubeschaffung von Medizintechnik, aber auch die gemeinsame Entwicklung neuer Prozessabläufe und vernetzter technologischer Lösungen.

Ein an den Marktpreis gekoppelter Preisbildungsmechanismus soll Flexibilität gewährleisten. Außerdem haben sich die Vertragspartner auf eine erfolgsabhängige Vergütung für Philips vereinbart. Zehn Jahre läuft der Vertrag, es gibt eine Option für weitere fünf Jahre. Einen Zwang zur Exklusivität besteht dabei nicht, das Klinikum Stuttgart darf vielmehr auch Technik anderer Hersteller einkaufen.

Das Klinikum Stuttgart steckt in einer Umstrukturierung. So wird etwa das zur Gruppe gehörende Katharinenhospital für 750 Millionen Euro neu gebaut. Am Mittwoch waren bereits Techniker von Philips gemeinsam mit den Klinik-Verantwortlichen auf der Baustelle, um das Design der Behandlungsräume abzustimmen.

Durch die Partnerschaft mit Philips will sich das Klinikum insbesondere auch in die Lage versetzen, das Potenzial der anfallenden Gesundheitsdaten zu heben, wie Vorstandsvorsitzender Jan Steffen Jürgensen gegenüber Handelsblatt Inside ankündigte: „Sich im Tagesgeschäft um eine sinnvolle Sammlung und Nutzung zu kümmern, ist eine große Herausforderung. Philips wird uns dabei unterstützen, diese Chancen zu nutzen.“

Philips-DACH-Chef Vullinghs, Philips-CEO van Houten, Stuttgarts Klinikchef Jürgensen, Philips-Abteilungsleiter Borwieck (v.l.)
Neue Partner

Philips-DACH-Chef Vullinghs, Philips-CEO van Houten, Stuttgarts Klinikchef Jürgensen, Philips-Abteilungsleiter Borwieck (v.l.)

Die Zusammenarbeit schließt auch die bestehenden Einheiten ein. So ist geplant, dass neben der Medizintechnik von Philips auch deren digitale Lösungen wie ein digitales Aufnahmemanagement, Tools für visuelle Datenaufbereitung oder Raum-Detektoren zur Messung der Strahlenbelastung integriert werden.

Speicherung und Verarbeitung von Daten würden standardisiert, die Belegschaft wisse so viel besser damit umzugehen, kündigte Philips-Chef van Houten an: „Davon profitiert die gesamte Gesundheitsversorgung in Kliniken – und darüber hinaus auch die Forschungsaktivitäten in Krankenhäusern, in denen viel Potenzial liegt, die aber häufig an der Daten-Komplexität scheitern.“ Das ganze Verwaltungssystem würde von aufwendigen Einzelvergaben entlastet, sagte Alexander Hewer, Kaufmännischer Vorstand des Klinikums Stuttgart.

An der Umsetzung der Projekte ist auch ein Start-up beteiligt, das seinen Sitz im Health Innovation Port (HIP) auf dem Philips Campus in Hamburg hat. „Viele Start-ups haben zwar kluge Ideen, scheitern aber bei der Implementierung am komplexen Gesundheitsmarkt“, sagte Peter Vullinghs, Philips- Geschäftsführer für den deutschsprachigen Raum. Langjährige Partnerschaften mit Kliniken bedeuteten für Gründer, dass sie je nach Reife eingebunden werden könnten, auch wenn sie noch kein marktreifes Produkt anböten.

Trendige Partnerschaften

Strategische Partnerschaften zwischen Klinikgruppen und Krankenhäusern werden zunehmend zum Trend. Doch ein Allheilmittel seien diese längst nicht, kritisiert Andreas Tecklenburg, Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover: „Ich finde es falsch, es so wie jetzt in Stuttgart zu machen und ein Konzept einfach über alle Abteilungen zu stülpen.“ Partnerschaften müsse man gezielter vereinbaren, je nachdem, welche Abteilung welche Erfordernisse habe.

„Das Vorgehen wie in Stuttgart klingt für mich sehr danach, als ob man so möglichst leicht die Investitionsprobleme, die viele Krankenhäuser haben, lösen wolle. Was als innovativ verkauft wird, hat meist eher finanzielle Gründe“, so Tecklenburg. Stuttgarts Klinik-Manager Jürgensen widerspricht: Innovationen und Finanzierung seien kein Widerspruch, sondern bedingten sich gegenseitig.

Philips setzt auf derartige Partnerschaften große Hoffnungen, insbesondere die Sparte „Connected Care“ soll profitieren. Doch ausgerechnet bei „Connected Care“ kamen zuletzt Probleme auf, 78 Millionen Euro mussten in diesem Jahr abgeschrieben werden.

Auch insgesamt läuft es aktuell nicht besonders bei Philips. Der Handelsstreit zwischen den USA und China setzt dem niederländischen Unternehmen zu. Am Donnerstag hatte man seine Renditeziele für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Doch CEO van Houten ist überzeugt, dass die schlechten Nachrichten nicht zum Dauerzustand werden – auch durch strategische Partnerschaften wie die mit dem Klinikum Stuttgart.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus unserem neuen Newsletter „Handelsblatt Inside Digital Health“. Zweimal in der Woche analysieren wir dort die neuesten Entwicklungen im Bereich digitale Gesundheit.
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