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Mega-Übernahme Wie Bayer-Vorstand Liam Condon das schlechte Image von Monsanto abschütteln will

Der Agrarvorstand will Bayer aus dem Dauerfeuer der Kritik manövrieren. Von den Aktionären fordert das Vorstandsmitglied Geduld – bis spätestens 2021.
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Das schlechte Image von Monsanto droht sich auf Bayer zu übertragen. Quelle: dpa
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Das schlechte Image von Monsanto droht sich auf Bayer zu übertragen.

(Foto: dpa)

DortmundSelbstzweifel ist für Liam Condon ein Fremdwort. Als er am Montag bei der Wirtschaftskonferenz „On the Record“ der TU Dortmund auf der Bühne sitzt, verteidigt der Bayer-Vorstand die Übernahme von Monsanto mit allen Mitteln. Klar habe der von Bayer geschluckte US-Saatgutkonzern besonders in Deutschland ein „schlicht und ergreifend schlechtes Image“. Aber langfristig habe man mit der Übernahme alles richtiggemacht.

Trotzdem räumt Condon ein, dass Bayer das Dauerfeuer der Öffentlichkeit abfedern muss, in der die Leverkusener wegen der Übernahme des umstrittenen Konzerns stehen. Monsanto lastet der Ruf an, Bauern mit Knebelverträgen auszubeuten und gesundheitsgefährliche Produkte wie Glyphosat herzustellen. Und dieses Bild droht sich in der Debatte auch auf Bayer zu übertragen.

So sieht sich der Leverkusener Konzern nicht nur der öffentlichen Kritik ausgesetzt, auch die Aktionäre stellen ihr Investment infrage. Im August war die Aktie nach einem Gerichtsurteil in Kalifornien abgestürzt, Bayer verlor bis zu 15 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung.

Einem krebskranken Platzwart eines Schulbezirks waren 289 Millionen Dollar an Schadenersatz von Monsanto zugesprochen worden, weil seine Erkrankung auf das Glyphosat-Mittel „Roundup“ von Monsanto rückführbar sein könne. Auch wenn die Summe mittlerweile auf 78 Millionen Dollar gemindert wurde, ist die Lage weiter kritisch. Bayer ist in Berufung gegangen.

Am Dienstag veröffentlicht der Konzern seine Zahlen für das dritte Quartal. Die Aktie droht erneut zu Ungunsten des Konzerns zu reagieren. Die Investoren fürchten weiter gigantische Forderungen aus weiteren Glyphosat-Verfahren – immerhin sind rund 9300 ähnliche Klagen anhängig.

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„Kein anderes Unternehmen kann die Menschen mehr gegen sich aufbringen als Monsanto“, sagt Mark Connelly, Analyst beim US-Kapitalmarktdienstleister CLSA.

Condons Last

Liam Condon spielt für die Monsanto-Übernahme und dessen Folgen eine entscheidende Rolle. Der Chef der Bayer-Agrosparte ist hauptverantwortlich für die Integration von Monsanto in den Bayer-Konzern. Und so muss er nicht nur seine Fähigkeiten als oberster Integrationsmanager unter Beweis stellen müssen, sondern auch als Kommunikator, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.

Für diese Aufgabe erscheint der gebürtige Ire und studierte Marketingexperte bestens gerüstet. Condon gilt als Verkaufstalent, das wird auch bei der Veranstaltung in Dortmund deutlich. In fast perfektem deutsch – allein das anglikanische Aussprechen des „R“ lässt Rückschluss auf seine Herkunft zu – hat er immer wieder Beispiele parat, die die Ungefährlichkeit von Glyphosat suggerieren sollen.

Zu einem Müsliriegel, in dem kürzlich Glyphosat gefunden worden sei, sagt er: „Da müssen Sie täglich 50 Kilogramm von essen, damit das gefährlich ist.“ Condon spricht neben Deutsch und Englisch außerdem Irisch, Deutsch, Französisch und Japanisch. 2016 rückte er in den Bayer-Vorstand auf und wurde zum wichtigsten Mitstreiter von Firmenchef Werner Baumann im Kampf um Monsanto.

„Wir müssen es hinbekommen, dass wir unsere wissenschaftlichen Fakten besser mit emotionalen Botschaften verbinden“, sagt Condon. Denn obwohl sein Konzern das rein wissenschaftlich gar nicht nötig habe, sei die Debatte nun mal so von Gefühlen getrieben.

Bayer will die gemeinsamen Geschäfte mit Monsanto künftig strikt nach seinen eigenen ethischen Standards führen. Dazu sollen neben Kundenorientierung auch Transparenz, Integrität, Dialogbereitschaft und gesellschaftliche Verantwortung zählen – alles Werte, für die Monsanto in der Vergangenheit nicht bekannt war.

Viele Jahre igelte sich Monsanto ein, äußerte sich gar nicht, was auch mit der Vergangenheit des Unternehmens zu tun hat. Vorgängerfirmen von Monsanto stellten das im Vietnamkrieg eingesetzte Entlaubungsmittel Agent Orange oder das später verbotene Insektenvernichtungsmittel DDT her. Bizarre Verschwörungstheorien kamen auf: Mal heißt es, Monsanto habe den Söldnerkonzern Blackwater gekauft.

Dann soll plötzlich nicht der Zikavirus, sondern Monsanto für die Babyerkrankung Mikrozephalie verantwortlich sein. Vor änderte der Konzern seit einigen Jahren seinen Kurs und öffnete sich zögerlich. Journalisten durften sich die Versuchslabors ansehen, mit Mitarbeitern reden. Monsantos miserablem Ruf hat das aber nicht allzu viel Auftrieb gegeben. Und deshalb hat Bayer den Markennamen Monsanto bereits einkassiert.

„Wir nehmen in Kauf, das die Übernahme erst mal problematisch ist und wir das als Konzern nach außen erklären müssen“, sagte Condon. Er fordert Zeit von seinen Aktionären. Spätestens 2021 seien die Rechtsstreitigkeiten in den USA durchgestanden und dann werde die Übernahme für Bayer zweifelsohne zu einem großen Erfolg. Denn „das operative Geschäft ist kerngesund, die Langfristperspektiven sind absolut solide“.

Analysten dämpfen derweil diese Erwartungen, die Glyphosatprozesse würden Bayer in jedem Fall viel Geld kosten. Alistair Cambell von der Berenberg Bank schätzt die Risiken auf bis zu 3,8 Milliarden Dollar. Für Condon ist das kein Grund zur Sorge: „Wir sind in industrieüblichem Umfang versichert und haben Rückstellungen für die Verteidigungskosten gebildet.“

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