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Mega-Yachten liegen im Trend und versprechen deutschen Werften gute Geschäfte Fregatte mit Golfabschlagplatz

Unter den richtig reichen Erdenbürgern findet derzeit ein teurer Wettbewerb statt: Wer hat die längste, die schönste, die ausgefallenste Yacht? Kein Wunder, dass die Nachfrage steigt. Thyssen-Krupp Marine Systems gehört zu den Gewinnern im Yachtsegment.
  • Thomas Wiede

KIEL. Es gibt Kunden, die sind wirklich nicht einfach: Einer, so wird in der Szene kolportiert, war gar nicht mit der Größe des begehbaren Kleiderschranks auf seiner über siebzig Meter langen Yacht einverstanden. Die Schiffbauer entschlossen sich daher zu einem klaren Schnitt und sägten den schwimmenden Palast einfach entzwei, um ihn um ein paar Meter zu verlängern. Da passte dann auch der Kleiderschrank.

Anekdoten über die Spleens der megareichen Yachteigner gibt es in der kleinen Szene zu zuhauf. Doch die wenigen Firmen, die sich auf das spezielle Geschäft einlassen, müssen sich einer strikten Schweigepflicht unterwerfen: Die Kunden sind bei Einblicken in ihr Privatleben äußerst heikel. Wer in der Zeitung etwas über das Wurzelholz seiner Eignerkabine lesen kann, storniert meist umgehend seinen Auftrag und meldet sich mit seinen Millionen Euro teueren Yacht-Träumen direkt beim Konkurrenten.

Viele gibt es sowieso nicht: Als Spitzenreiter auf dem rund 1,3 Mrd. Euro schweren weltweiten Markt für Luxusyachten von über 100 Metern Länge gilt die deutsche Lürssen-Werft. Ihr folgt direkt Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS). Der Spezialist für das absolute Premiumsegment im Sportbootbau ist die Hamburger Werft Blohm & Voss. TKMS-Chef Klaus Borgschulte sieht in den Mega-Yachten ein interessantes Geschäftsfeld, das er ausbauen will: „Wir wollen die Marktführerschaft“, sagt er bei einem Pressegespräch in Kiel. Denn die Nachfrage steigt. TKMS hat im Yachtsegment nach eigenem Bekunden bis 2012 Aufträge im Wert von einer Milliarde Euro gesammelt.

Unter den richtig reichen Erdenbürgern findet derzeit ein teurer Wettbewerb statt: Wer hat die längste, die schönste, die ausgefallenste Yacht? Zu den öffentlich bekannten Kontrahenten zählen die US-Milliardäre Paul Allen und Larry Ellison, der russische Oligarch Roman Abramowitsch sowie der Saudi Nasser Al-Rashid.

Die Wettbewerber verfügen meist schon über eine Flotte von Luxusdampfern. Das Rennen um die längste Yacht der Welt sprengt aber alle bekannten Dimensionen: Wenn vor zwanzig Jahren ein Schiff mit 60 Metern Länge noch Aufsehen erregte, hat es im Vergleich zu den aktuellen Projekten fast nur noch Beiboot-Charakter. Für TKMS beginnt das mittlere Segment beim Yachtbau erst bei 70 Metern. „Der Trend läuft auf Schiffe von bis zu 180 Metern Länge zu“, sagt Borgschulte.

Ob nun Lürssen oder TKMS: Beiden kommt in dem Segment ihr Know-how aus dem Marineschiffbau zu Gute, denn die Yachten haben inzwischen die Größe kleiner Fregatten erreicht und werden mit vergleichbarer Technologie angetrieben und gesteuert.

Dabei gilt: Der Kunde ist Kaiser. Hubschrauber-Plattformen, Mini-U-Boot, Basketballfeld oder ein Tonstudio – die Werften bauen alles in die Yachten, was der Eigner will, solange das Schiff noch schwimmt. Die früher bekannte Berechnungsgröße für den Kaufpreis – ein Bootsmeter für eine Millionen Dollar – ist damit auch passé.

Mit den Mega-Yachten lässt sich aber nicht nur bei Bau und Design Geld verdienen. Die Kunden verlangen später umfassende Betreuung und Wartung. Jährliche Kosten von mehreren Millionen Euro sind keine Seltenheit. Und wenn die Werften zusätzlich einen versenkbaren Golfabschlagsplatz ins Teak-Deck schnitzen sollen, kommt es auf eine Millionen Euro mehr auch nicht an. Wem das alles auf Dauer zu teuer ist, der kann auch chartern. Die 60 Meter lange Titan ist zum Beispiel für einen Wochenpreis von 320 000 Euro zu haben und hat Platz für 20 Gäste. Da könnte man dann auch teilen.

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