„Meistgehasster Mann Amerikas“ Martin Shkreli pflegt das Bad-Boy-Image

Martin Shkreli wurde in den USA zum Hassobjekt, weil seine Firma ein Medikament gegen Immunschwäche um das 55-fache verteuerte. Vor Gericht steht er nun wegen Betrugsvorwürfen. Sein Verhalten zeugt nicht von Reue.
Vor dem US-Kongress sollte der Pharma-Bad-Boy Rede und Antwort stehen: Er schwieg. Kurz vor seinem Termin bezeichnete Martin Shkreli zudem die Abgeordneten als „Schwachköpfe“. Quelle: Reuters
Martin Shkreli

Vor dem US-Kongress sollte der Pharma-Bad-Boy Rede und Antwort stehen: Er schwieg. Kurz vor seinem Termin bezeichnete Martin Shkreli zudem die Abgeordneten als „Schwachköpfe“.

(Foto: Reuters)

New YorkBlauer Blazer, weiße Hose und ein Lächeln für die Kameras: Beim Prozess in New York gibt sich der derzeit wohl unbeliebteste Unternehmer Amerikas cool. Dabei ist Pharma-Bad-Boy Martin Shkreli, der durch drastische Preiserhöhungen bei einem lebensrettenden Medikament Berühmtheit erlangt hat, in dieser Woche im Dauerstress.

Mittwoch: Anhörung im Bezirksgericht Brooklyn, wo sich der 32-Jährige wegen Betrugsvorwürfen einfinden muss. Donnerstag: Kreuzverhör in Washington, dort soll er dem US-Kongress Rede und Antwort zu seinen umstrittenen Pharma-Geschäften stehen.

Shkreli wurde in den USA zum Hassobjekt, nachdem seine Firma Turing Pharmaceuticals das Entzündungs-Medikament Daraprim - das unter anderem Aids-Patienten helfen soll - kaufte und den Preis im September schlagartig von 13,5 auf 750 Dollar pro Pille anhob.

Die Geschäftspraxis, sich erst die Rechte für marktdominierende Medikamente zu sichern und dann kräftig die Preise zu erhöhen, ist in der Pharmabranche zwar weder neu noch unüblich. Doch das Ausmaß und die kritisierte Dreistigkeit sorgten dafür, dass Shkreli vielen jetzt als Inbegriff der hässlichen Fratze des Raubtierkapitalismus gilt.

Der Volkszorn ist riesig. Die BBC bezeichnete Shkreli als den „meistgehassten Mann Amerikas“, die „Washington Post“ als „Staatsfeind Nummer 1“. Ex-Außenministerin Hillary Clinton, die gern bald US-Präsidentin werden würde, drohte ihm im Wahlkampf sogar persönlich: „Wenn Sie amerikanische Familien auspressen und die Kosten ohne Grund in die Höhe treiben, werde ich Sie zur Verantwortung ziehen.“

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Mitte Dezember wurde Shkreli festgenommen - allerdings nicht wegen Halsabschneiderei im Pharma-Business. Ihn holte vielmehr der Umgang mit Geldern seiner früheren Firmen ein. Die Vorwürfe der Ermittlungsbehörden: Shkreli soll Millionen abgezweigt haben, um Verluste bei seinen Hedgefonds auszugleichen.

Die Anschuldigungen betreffen seinen früheren Job als Chef der Pharmafirma Retrophin. Geld von Anlegern, das seine Fonds in den Sand setzten, habe er sowohl mit neuen Investorengeldern als auch mit Mitteln von Retrophin ersetzt, heißt es in der Anklage. „Shkreli hat mehrere Komplotte betrieben, mit denen er Investoren in ein Netz aus Lügen und Betrug eingewoben hat“, sagte Staatsanwalt Robert Capers.

Shkreli bezeichnet Kongress-Abgeordnete als „Schwachköpfe“
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