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Mercedes-Hersteller Daimler erwartet Gewinn im laufenden Jahr – Källenius nennt Fusionsgerüchte „völlig verfehlt“

Trotz eines hohen Verlusts im zweiten Quartal rechnet der Autobauer Daimler im Gesamtjahr mit schwarzen Zahlen. Im Pkw-Geschäft ziehen die Verkäufe an.
23.07.2020 Update: 23.07.2020 - 13:05 Uhr 1 Kommentar
Der 51-Jährige blickt positiv nach vorne. Quelle: Reuters
Ola Källenius

Der 51-Jährige blickt positiv nach vorne.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der Coronaschock trifft Daimler hart. Im zweiten Quartal verbuchte der Autobauer unterm Strich einen Verlust von 1,9 Milliarden Euro. Der Umsatz des Mercedes-Herstellers brach um 29 Prozent auf 30,2 Milliarden Euro ein.

Insbesondere das Geschäft mit dem Verkauf von Bussen und schweren Lastwagen lief schlecht. Der Absatz von Daimler Trucks hat sich von 135.000 auf 61.000 Einheiten mehr als halbiert. Nicht ganz so schlimm waren die Erschütterungen in der Auto- und Van-Sparte. Hier gingen die Verkäufe aber mit einem Minus von 30 Prozent ebenfalls deutlich zurück.

„Wir befinden uns nicht in einer Notsituation und wir haben fest vor, zu verhindern, dass es jemals dazu kommt“, sagte Daimler-Chef Ola Källenius. Zwar musste sein Konzern ein herausforderndes Quartal in Folge der „beispiellosen Covid-19-Pandemie“ durchstehen. Aber Källenius hält Daimler nach wie vor für stark genug, um unabhängig durch die Krise zu kommen. Die Annahmen von manchen Analysten, wonach für Daimler womöglich die Zeit gekommen sei, um über eine Fusion mit Konkurrenten wie BMW oder Volvo und Geely nachzudenken, seien „völlig verfehlt“, konstatierte Källenius.

Der 51-Jährige blickt positiv nach vorne. Denn die drastischen Sparmaßnahmen seines Konzerns zeigen bereits Wirkung. Mit Produktionsunterbrechungen und Kurzarbeit stemmte sich Daimler der niedrigeren Nachfrage in den vergangenen Monaten entgegen. Zudem wurden die Investitionen gedrosselt, die Modellpalette gestrafft und der Abbau von 20.000 der weltweit 300.000 Stellen hat begonnen.

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    Die Folge: Die Nettoliquidität konnte mit 9,5 Milliarden Euro auf einem hohen Niveau stabilisiert werden. Der Free Cashflow im Industriegeschäft war positiv. Besser noch: Für das Gesamtjahr 2020 rechnet Daimler sowohl beim Cashflow als auch beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) „mit positiven Werten“. Bisher hatte Daimler immer nur davon gesprochen, dass das Konzern-Ebit unter dem Vorjahr liegen werde, aber nicht, ob es positiv oder negativ sein wird.

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    Nun ist klar: Daimler kalkuliert in diesem Jahr trotz aller Widrigkeiten mit einem Gewinn. Konkret rechnet Finanzchef Harald Wilhelm mit einem „niedrigen einstelligen Milliardenbetrag“ beim Betriebsergebnis. Und das obwohl sich die Belastungen durch Sondereffekte von einer Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten auf gut zwei Milliarden Euro im Gesamtjahr verdoppeln könnte.

    Der Grund für die neue Zuversicht: „Wir sehen jetzt erste Anzeichen einer Absatzerholung – insbesondere bei Mercedes-Benz Pkw, wo wir eine starke Nachfrage nach unseren Spitzenmodellen und unseren elektrifizierten Fahrzeugen verzeichnen“, erklärte Daimler-Chef Källenius. An der Börse kamen die Aussagen des Managers gut an. Die Daimler-Aktie legte am Donnerstag zwischenzeitlich um mehr als sechs Prozent zu. Vor allem China gibt den Anlegern und dem Stuttgarter Dax-Konzern Anlass zur Hoffnung.

    Im weltgrößten Automarkt verzeichnete Mercedes bereits im zweiten Quartal einen Zuwachs von fast 22 Prozent. Im Halbjahr setzte die Marke mit dem Stern 346.000 Pkws ab – ein kleines Plus von 0,4 Prozent. In anderen wichtigen Märkten wie Europa und den USA war der Absatz dagegen noch stark im Minus. Doch offenbar sieht Daimler auch hier Indikationen für eine Erholung.

    Källenius schraubt an den Kosten

    Schwieriger ist die Lage dagegen im Truck-Geschäft. Die Sparte fuhr im zweiten Quartal einen Betriebsverlust von 756 Millionen Euro ein. Der Absatz im ersten Halbjahr liegt um satte 38 Prozent unter dem Vorjahr. Doch auch hier gibt es Lichtblicke. „Erfreulicherweise entwickelt sich der Auftragseingang jetzt in fast allen Kernregionen positiv“, konstatiert Daimler.

    Tatsächlich verzeichnete Daimler Trucks in den ersten sechs Monaten Neubestellungen für rund 143.000 Einheiten. Das ist zwar auch ein deutlicher Rückgang von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings entwickelte sich der Auftragseingang damit um zehn Prozentpunkte besser als der Absatz. Seit Juni sieht Truck-Chef Martin Daum zudem einen „deutlichen Anstieg“ bei den Bestellungen, insbesondere in Nordamerika, dem wichtigsten Markt der Einheit.

    Dennoch liegt bei Daimler weiterhin vieles im Argen. Der Konzern kämpft seit Jahren mit strukturellen Schwächen, die in der Coronakrise besonders deutlich zum Vorschein kommen, etwa eine branchenweit unüblich hohe Fertigungstiefe. „Mit Blick auf die Zukunft sind wir fest entschlossen, die Kostenbasis unseres Unternehmens weiter zu verbessern“, sagte Konzernchef Källenius.

    Die Gewinnschwelle soll deutlich sinken. Die Sparmaßnahmen müssten dafür intensiviert und bis 2025 ausgeweitet werden. Aktuell laufen Gespräche zwischen Daimler-Vorstand und dem Betriebsrat, um die konkrete Ausgestaltung des geplanten Personalabbaus.

    „Wir sind dabei, unser unser Personal signifikant abzubauen“, sagte Truckchef Daum. „Das ist in Deutschland bekanntlich schwierig und ist meines Erachtens auch ein erheblicher Wettbewerbsnachteil des Standortes, dass uns hier die Flexibilität nach unten fehlt“, klagte der Manager.

    In anderen Ländern käme sein Konzern bei den Kosten deutlich schneller wieder in die Spur. In Deutschland hat Daum neben Abfindungsangeboten auch alternative Modelle im Blick, um die Personalkosten zu senken. „Wir denken an weitere Arbeitszeitverkürzungen, auch über die 35 Stunden hinaus“, erklärte der Leiter des weltgrößten Nutzfahrzeugherstellers.

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    Zugleich kürzt Daimler seine Produktionskapazitäten massiv. In den USA und in Mexiko wollen die Schwaben künftig nur noch renditeträchtige Geländewagen (SUV) bauen und keine Limousinen mehr. Die Folge: Die Fertigung der C-Klasse in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama wird eingestellt. Im mexikanischen Gemeinschaftswerk von Daimler mit Nissan in Aguascalientes wird zudem künftig nur noch der GLB vom Band rollen, die Produktion der A-Klasse-Limousine wird abgezogen.

    Das Kleinwagenwerk im französischen Hambach will Daimler verkaufen. Darüber hinaus erwägt der Konzern, sich noch von einer weiteren Auslandsfabrik zu trennen. Als möglicher Kandidat gilt das Montagewerk im brasilianischen Iracemápolis mit 600 Mitarbeitern.

    Wie stark Daimler am Ende die Kapazitäten kürzt, wollte Konzernchef Källenius nicht detailliert beziffern. Er verfolge das Prinzip, Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Diese Entwicklung sei dynamisch. „Eines steht fest: Im Rahmen der Transformation wird sich der Footprint eines jeden Autoherstellers verändern“, sagte Källenius.

    Der Vater von drei Söhnen will Mercedes wieder verstärkt auf Luxusautos fokussieren. Sein Credo lautet: Marge vor Menge. Eine weitere Expansion in untere Segmente wie Kompaktfahrzeuge, wie sie noch sein Vorgänger Dieter Zetsche vollzog, lehnt Källenius ab. Unter der Führung des Skandinaviers besinnt sich Daimler zurück auf sein Kerngeschäft. Randeinheiten wie Your Now, die gemeinsame Mobilitätseinheit mit BMW, werden dagegen zurechtgestutzt.

    Nachdem Daimler und BMW ihre Aktivitäten beim Carsharing in Nordamerika bereits eingestellt haben, wollen die Autobauer nun das Geschäftskundengeschäft von Moovel verkaufen. Konkret beabsichtigt Mobimeo, eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bahn, die Mobilitätsplattformen von Moovel für Kommunen und Verkehrsverbünde zu übernehmen.

    „Das Endkundengeschäft der moovel Group GmbH verbleibt bei Your now“, erklärte ein Daimler-Sprecher. Sowohl Mobimeo als auch Moovel bieten intuitiv bedienbare Smartphone-Apps an, über die unterschiedliche Mobilitätsangebote verglichen, Routen geplant und Tickets gekauft werden können.

    Mehr: Daimler will zwei Milliarden beim Personal sparen – Wie der Konzern wieder auf Kurs kommen soll

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    • Die rote Aktie

      Wer eine kauft, nun bei 41 Euro pro Stück, der kauft gleichzeitig rd.125 Euro des Schuldenpakets von
      Daimler, das im Konzerngeschäftsbericht und dort in der Konzernbilanz ultimo 2019 ( auf Seite 226)
      für fast jeden Blinden ablesbar ist. Es betragen die Schulden des Konzerns 240 Mrd.Euro!

      Er kauft auch Hoffnung mit, die das Handelsblatt mit "Anzeichen einer Absatzerholung" bezeichnet.
      "Und im PKW Geschäft ziehen sogar die Verkäufe wieder an."

      Die wohl 3 jährlich zugesagte Pensionsaufstockung eines Teils der Leitenden wurde sogar im Juli 2020
      ausgesetzt, man wird Zahlungen angeblich im August 2020 nachholen.

      Schön, dass die Nettoliquidität mit 9,5 Milliarden Euro auf einem hohen Niveau stabilisiert werden konnte.
      Was Källenius für sich behält, dass er -wie oben erwähnt- 240 Mrd.Euro Konzernschulden in seiner
      Konzernrechnung stehen hat und dass die Nettoliquidität weder zu Tilgungsraten noch gar zu Zinszahlungen
      ausreicht begreift auch der, der nicht Finanzwirtschaft in Schweden oder in St.Gallen studiert hat.

      Auch ein von Daimler "kalkulierter" Gewinn für das Jahr 2020 ist "heiße Luft" für die Aktionäre und ist fast
      zum Greifen nahe als Fehlkalkulation zu bezeichnen Wer die eine Milliarde Euro Zinslast im Konzern kratzt
      im Jahr 2020, der kann doch nicht jubilieren, wenn er z.B. bei 20.000 Personalabbau 1,5-2,0Mrd.Euro
      "Kosten" spart. Da lachen im wahrsten Sinne die Hühner.

      Und wenn Källenius (noch) keine Mitarbeiterzahl nennen will,die über den "Köder" Vorruhestand von
      der Gehaltsliste entfernt werden, damit er ( "an den Kosen schrauben kann") so ist das begründet.

      Denn von den 30.000 MA sind nicht so viel ohne Grundrechnenarten-Kenntnisse, dass sie sich von den
      Mini-Angeboten des Personalchefs Porth ins "Elend finanzieller Nöte" locken lassen.

      Für Porth scheint weiterhin der Bibelspruch zu passen: " Ob tausend fallen an deiner
      Seite, so wird es doch dich nicht treffen." (Psalm 91, 5-7) Aber dadurch ist dem Konzern längst
      nicht gedient.
      KH

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