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Mercedes-Hersteller Daimler macht 2,2 Milliarden Euro Gewinn – und hebt die Prognose an

Ergebnis und Cashflow von Daimler steigen im dritten Quartal kräftig. Nun hebt der Autobauer erstmals seit Ende 2017 seine Prognose an – und hakt Covid-19 weitgehend ab.
23.10.2020 Update: 23.10.2020 - 09:33 Uhr 3 Kommentare
Der Premium-Autobauer kann sich in der Coronakrise behaupten. Quelle: obs
Daimler

Der Premium-Autobauer kann sich in der Coronakrise behaupten.

(Foto: obs)

München Die Aktionäre von Daimler sind leidgeplagt. Um all die Gewinnwarnungen der vergangenen Jahre abzuzählen, brauchen sie schon die Finger beider Hände. An die letzte positive Nachricht – eine Anhebung der Ergebnisprognose – mag sich manch einer gar nicht mehr erinnern. Weihnachten 2017 ist schließlich lange her. Und doch hat es der Autobauer nicht gänzlich verlernt, positiv zu überraschen.

Bereits vergangene Woche verzückte Daimler seine Anleger mit einem vorläufigen Betriebsergebnis, das weit besser ausfiel als von Analysten erwartet. Nun legt der Mercedes-Hersteller mit der Vorlage der gesamten Bilanz für das dritte Quartal nach – und erhöht die Prognose. Der Dax-Konzern sieht eine weitere Normalisierung des Geschäfts in wichtigen Märkten und rechnet insbesondere mit „keinen neuerlichen Rückschlägen infolge der Covid-19-Pandemie“.

Die Folge: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde 2020 „auf dem Niveau des Vorjahres liegen“. Bisher hatte Daimler seinen Investoren stets ein Ebit in Aussicht gestellt, dass unter den niedrigen 4,3 Milliarden Euro liegen wird, die der Konzern im Jahr 2019 erzielte. Die angehobene Prognose gab Daimler am Freitag Auftrieb. Die Aktien gewannen im frühen Handel bis zu 2,5 Prozent.

Ausschlaggebend für den nun verkündeten Gewinnsprung ist ein starkes drittes Quartal. Zwischen Juli und September erwirtschaftete Daimler trotz eines nach wie vor rückläufigen Umsatzes unter dem Strich ein Konzernergebnis von fast 2,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von fast einem Fünftel im Vergleich zum Vorjahr. Nach einem deutlichen Verlust im ersten Halbjahr schreibt der Autobauer nach neun Geschäftsmonaten wieder schwarze Zahlen.

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    Mit 420 Millionen Euro fällt der Gewinn unter dem Strich zwar schmal aus – darin enthalten sind aber auch viele Einmalkosten, allein für Restrukturierungen wendete Daimler fast 1,3 Milliarden Euro auf. Zum Vergleich: Der um diese Effekte bereinigte Betriebsgewinn liegt bei 3,5 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite im dritten Quartal liegt bei beachtlichen 7,6 Prozent.

    Rasante Erholung in China

    Wirklich punkten kann Daimler aber mit einem soliden Free Cashflow von 5,1 Milliarden Euro im Industriegeschäft. Das sind die Mittel, die ein Unternehmen aus dem operativen Geschäft generiert, abzüglich der notwendigen Sachinvestitionen (Capex). Im ersten Halbjahr war der freie Mittelzufluss noch negativ.

    Ausschlaggebend für die positive Entwicklung bei dieser wichtigen Kennzahl war, dass Daimler seine Bestände bei seinen Händlern im dritten Quartal laut Analystenschätzungen um etwa 50.000 Fahrzeuge reduzieren konnte. In der Folge verringerte sich einerseits das Working Capital merklich, andererseits schoss die Nettoliquidität im Industriegeschäft von 9,5 auf 13,1 Milliarden Euro in die Höhe.

    Daimler wusste in den vergangenen Monaten vor allem die rasante Erholung des chinesischen Automarktes für sich zu nutzen. Allein im dritten Quartal lieferte Mercedes 224.000 Pkws in Fernost an Kunden aus – das entspricht einem Zuwachs von mehr als 23 Prozent. Die Dividende aus dem Joint Venture mit dem Pekinger Staatskonzern BAIC beträgt dementsprechend 1,2 Milliarden Euro, was mehr als einem Drittel des gesamten Betriebsgewinns von Daimler im dritten Quartal entspricht.

    „Die deutschen Autobauer profitieren von der Begeisterung der Chinesen für Premiumautos“, erklärt Willy Lu Wang von Berylls Strategy Advisors. Der Branchenexperte ist sicher: „Dank ihres hohen Qualitätsanspruchs werden die deutschen Automarken weiter gute Geschäfte in China machen können. Lokale Billigheimer-Marken geraten dagegen zunehmend ins Straucheln.“

    Gleichwohl steigt auch die Abhängigkeit von China für die heimischen Autobauer enorm an. Schon bisher war das Reich der Mitte der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt für deutsche Edellimousinen. Allein Mercedes verkauft mittlerweile fast 37 Prozent seiner Pkws in Fernost – das ist ein anteilsmäßiger Anstieg bei den Neuwagenverkäufen von mehr als sieben Prozentpunkten im Vergleich zu 2019. Die Marke mit dem Stern selbst sieht darin kein Problem. Im Gegenteil.

    Transformation von Daimler soll weitergehen

    Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm hebt zugleich aber die eigenen Anstrengungen bei Kostenkontrolle und Cash-Management hervor. „Mit diesem Schwung sind wir auf dem richtigen Weg, um unser Geschäft wetterfester zu machen“, konstatierte Wilhelm. Gleichzeitig betonte der oberste Hüter über das Zahlenwerk in Stuttgart, dass es weiterer Anstrengungen bedarf. „Die Transformation von Daimler ist allerdings ein Langstreckenrennen. Wir halten das Tempo weiter hoch – fokussiert und mit hoher Disziplin.“

    Beim Abfindungsprogramm gehe die Zahl der Beschäftigten in Richtung 2000, erklärte Finanzchef Wilhelm. „Ich will das nicht überbetonen, aber es geht in die richtige Richtung“, sagte Wilhelm. Dies sei auch an den steigenden Ausgaben für Restrukturierung abzulesen, die im dritten Quartal auf knapp 300 Millionen Euro kletterten. Die Zahl der Beschäftigten weltweit war Ende September mit 291.770 rund 7000 niedriger als vor Jahresfrist.

    Auch wenn viele Kennzahlen von Daimler im dritten Quartal besser ausfielen als erwartet, steht der Autobauer nach wie vor stark unter Druck. Auf Neunmonatssicht liegt der Absatz von Autos, Kleintransportern, Lastwagen und Bussen um ein Fünftel unter dem Vorjahr. Auch der Umsatz ist mit 108 Milliarden Euro weiter rückläufig. Das Minus zum Vorjahr beträgt 14 Prozent. Zudem hat sich der Betriebsgewinn halbiert.

    Erstmals seit dem Covid-19-Shutdown im Frühjahr traut sich Daimler aber nun wieder zu, eine konkrete Prognose für die weitere Geschäftsentwicklung in seinen drei Sparten abzugeben. Demnach dürfte die Pkw-Einheit Mercedes eine bereinigte Umsatzrendite von bis zu 5,5 Prozent erzielen, die Truck-Division eine bereinigte Marge von maximal zwei Prozent und die Finanzsparte Daimler Mobility eine bereinigte Eigenkapitalrendite zwischen neun und zehn Prozent.

    Alles in allem, gar nicht schlecht für einen Konzern, der sich inmitten der größten Krise seit hundert Jahren befindet.

    Mehr: Nach Milliardenverlust für Daimler und BMW: Kartendienst Here verspricht erstmals Gewinne

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    3 Kommentare zu "Mercedes-Hersteller: Daimler macht 2,2 Milliarden Euro Gewinn – und hebt die Prognose an "

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    • Daimler im Aufwind

      Mal sehen, welches Medium nach Bekanntgabe der Zahlen des 3.Quartals die
      Leser aufklärt, in welchen Kennziffern folgende "Beteiligungserträge" ihren
      Niederschlag gefunden haben bzw. ob vom Finanzchef dies erläutert wurde.

      Frage 1: In welcher Kennziffer sind die 2,5 Mrd.Euro enthalten, die Daimler am
      22.Januar 2020 von der Daimler Nederland B.V. in Form einer
      Ausschüttung erhalten hat und selbst dokumentierte:
      (siehe Geschäftsbericht der Daimler AG 2019, auf Seite 28 im dortigen
      sogenannten "Nachtragsbericht"?

      Frage 2: Wo ist die im 3.Quartal wohl vereinnahmte, aber lt. Erklärung sogar gebuchte
      Dividende aus dem China Joint Venture in Höhe von 1,2 Mrd.Euro enthalten?
      In welcher Kennzahl oder wo sichtbar und erläutert im 3.Quartalsbericht?

      Erfreulich allemal: Lt.Konzernbilanz zum 30.9.2020 hat der Konzern seine dort
      dokumentierten Lang-und mittfristigen Schulden von 31.12.2019
      zum 30.9.2020 um 7,6 Mrd.Euro reduziert.
      Anstatt ultimo 2019 mit 239,6 MrdEuro stehen nun 232,0 Mrd.Euro
      auf Seite 30 der Konzernbilanz zu Buch. ("Brutto-Schulden")

      Da diese "Brutto-Schulden" im Ernstfalle ja nicht 1:1 gegen Cash aus der Aktiva
      zu realisieren sind, bleibt auch ein Schuldensaldo (netto) + (brutto)übrig, über den berichtet, nicht geschwiegen werden sollte.

      Ein Erfolg des Vorstands gleichwohl, rd. 50.000 Bestandsfahrzeuge abgebaut bwz.
      verkauft zu haben, was sicher wesentlich neben dem "China-Aufwand" zum Anstieg
      des Daimler Konzern EBITS beigetragen hat. Abbau des "working-Capitals" wird
      das genannt aber wie anzumerken ist, nicht unbedingt das,was DIE WELT
      anmerkte: "Daimler hakt die Krise ab" um Tage später diese Aussage doch deutlich
      zu revidieren. Was wird man morgen, Samstag 24.10.2020 in den Medien lesen
      können?


    • Zum Thema Kurzarbeitergeld

      Konzerne wie Daimler und dessen Zulieferer sind seit Jahrzenten die Schaffer von hochwertigen und gut bezahlten Arbeitsplätzen. Sie sind tragende Säulen des Wohlstandssystems auch durch ihr Aufkommen von Lohn- und Körperschaftssteuern sowie Sozialbeiträgen.
      Vielleicht sind es ein paar zehntel Prozent jener Abgaben der vergangenen Jahre, die das Unternehmen Daimler als Entlastung über Kurzarbeitergeld zurückerhält, um Kündigungen zu minimieren. Diese Ausnahme hat doch ihren rechten Platz.

      Es wäre präpotent und anmaßend, wenn Unternehmen nur noch als verdingte Knechte eines ausufernden Sozialstaates betrachtet werden.

    • Eigentlich unglaublich. In dem Fall sollte Daimler verpflichtet werden das Kurzarbeitergeld zurückzuzahlen.

      Die Kosten die für Daimler bei der Kurzarbeit angefallen sind und von denen das Unternehmen jetzt so provitieren konnte aber welche vom Staat getragen werden sind jetzt verallgemeinert und alle Steuerzahler müssen sie tragen.

      Und zu allem Hohn der Allgemeinheit bekommen die ohnehin überbezahlten Leute vermutlich noch einen Bonus weil durch den Gewinn das Gesamtjahr gut gelaufen ist.

      Obwohl ich auch in der Autoindustrie arbeite ist der blanke Hohn für alle die vielleicht viel härter arbeiten, weniger verdienen und kaum Hilfen bekommen.

      Man muss sich nicht wundern wenn so viele leute auf die Straße gehen und über das ganze System ärgern.

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