Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mercedes-Hersteller Daimler macht nach Milliardenverlust wieder Gewinn – doch Källenius hat einige Probleme

Nach Milliardenverlusten hat der Autobauer im vergangenen Quartal wieder Absatz und Umsatz gesteigert. Vom eigenen Anspruch ist Daimler dennoch weit entfernt.
24.10.2019 Update: 24.10.2019 - 09:46 Uhr Kommentieren
Der Daimler-CEO forciert Sparprogramme in den einzelnen Divisionen. Quelle: dpa
Ola Källenius

Der Daimler-CEO forciert Sparprogramme in den einzelnen Divisionen.

(Foto: dpa)

Stuttgart Massenrückrufe, Strafzahlungen, rote Zahlen: Daimler hat seine Aktionäre in den vergangenen Monaten mit vielen negativen Nachrichten geschockt. Kaum im Amt musste Vorstandschef Ola Källenius im Sommer gleich zweimal die Prognose kassieren.

Seitdem steht der 1,95 Meter große Schwede unter Druck. Für das zweite Halbjahr versprach Källenius eine „spürbare Verbesserung“ des Geschäfts. Nun kann der Manager zumindest eine kleine Trendwende verkünden. Nach Milliardenverlusten ist Daimler im dritten Quartal wieder in der Spur.

Der Stuttgarter Dax-Konzern erzielte im Zeitraum von Juli bis September einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 2,7 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch unterm Strich verdiente der Auto- und Lastwagenhersteller mit 1,8 Milliarden Euro etwas mehr. Der Umsatz legte um acht Prozent auf 43,3 Milliarden Euro zu. War die Ebit-Marge im ersten Halbjahr auf 1,5 Prozent abgestürzt, beträgt sie nach neun Monaten immerhin 3,1 Prozent. Die Richtung bei Daimler stimmt wieder.

Die Zahlen fürs dritte Quartal kommen bei den Anlegern gut an. Zum Handelsstart notiert das Papier der Stuttgarter am Donnerstagmorgen 4,4 Prozent im Plus.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Starke Absatzzahlen bei Cars und Vans haben unsere finanzielle Performance im dritten Quartal unterstützt“, kommentierte Daimler-Chef Källenius die Geschäftszahlen. „Um die Transformation in den nächsten Jahren zu meistern, müssen wir die Anstrengungen allerdings noch erheblich steigern: Wir müssen unsere Kosten deutlich reduzieren und den Cashflow konsequent stärken“.

    Tatsächlich liegt bei Daimler noch vieles im Argen. Vom eigenen Anspruch („Das Beste oder nichts“) sind die Schwaben noch immer weit entfernt. Nach einem Dreivierteljahr hat sich der Gewinn im Vergleich zu 2018 mehr als halbiert.

    Schlimmer noch: Der Free Cashflow ist negativ, beträgt minus 522 Millionen Euro. Daimler hat bis Ende September de facto kein Geld verdient. Källenius will nun drastisch gegensteuern und forciert daher Sparprogramme in den einzelnen Divisionen.

    Die Effizienzkataloge mit Namen wie „Move“ für Mercedes, „Boost“ für Vans, „Go4four“ für Daimler Trucks, „Fit4Tomorrow“ für Daimler Mobility und „Move ParentCo“ für die Daimler AG als Dachgesellschaft sollen den Mittelabfluss massiv reduzieren.

    Details dazu will Källenius aber erst auf einem Kapitalmarkttag am 14. November in London vorstellen. Dann soll der öffentliche Kassensturz erfolgen. Parallel will Källenius vor Analysten und Investoren eine langfristige Zukunftsvision für Daimler aufspannen und die leidgeplagten Anleger davon überzeugen, dass Daimler als Erfinder des Automobils auch Vorreiter bei der Mobilität von morgen sein kann.

    Modelpalette wird ausgedünnt

    Einzelne Sparmaßnahmen lassen sich trotz der Geheimtuerei bereits absehen. So wird gerade die Modellpalette ausgesiebt. Verlustbringer wie der Pritschenwagen X-Klasse erhalten keinen Nachfolger. Ebenfalls auf der Streichliste: diverse Coupés und Cabrios. Beim Antriebsstrang rund um Motoren und Getriebe soll die Komplexität um 30 Prozent sinken.

    In den Werken von Daimler herrscht daher Unruhe. Dabei will der Konzern anders als viele andere Autohersteller und Zulieferer die Branchentransformation ohne betriebsbedingte Kündigungen bewältigen. Die deutschen Beschäftigten erhalten einen Kündigungsschutz bis Ende 2029. Damit Konzernchef Källenius diese generösen Zusagen einhalten kann, muss Daimler allerdings wachsen.

    Hoffnung bereitet ihm und Anlegern dabei die besseren Verkaufszahlen bei der Autosparte Mercedes. Die Marke mit dem Stern wuchs im Juli, August und September jeweils zweistellig und drehte damit den zuvor rückläufigen Absatz nach neun Monaten ins Plus. Nach drei Quartalen hat Mercedes 1,72 Millionen Fahrzeuge abgesetzt, ein Zuwachs von 0,6 Prozent. Während der Weltautomarkt schrumpft, kann Mercedes zulegen.

    Die Produktionsprobleme infolge von Zulieferengpässen bei renditeträchtigen Modellen wie dem Stadtgeländewagen GLE entspannen sich zusehends und verleihen Daimler zusätzlich Rückenwind. Sorgen bereitet dagegen weiterhin die Kleinwagenmarke Smart. Daimler verkaufte binnen neun Monaten nicht einmal 88.000 Einheiten des Winzlings. Das entspricht einem Rückgang von fast neun Prozent.

    Einen Rückschlag muss Daimler zudem bei seinen Trucks hinnehmen, der zweitgrößten Sparte nach dem Pkw-Geschäft. Der weltgrößte Lastwagenhersteller muss seine Prognose anpassen. Für das Gesamtjahr 2019 rechnet Daimler Trucks nur noch mit einer Umsatzrendite von sechs bis acht Prozent. Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm betonte zudem, man sehe die Rendite „eher am unteren Ende der Bandbreite“. Zum Vergleich: Bisher hatte die Daimler Trucks eine Marge von bis zu neun Prozent in Aussicht gestellt.

    Der Grund für die Korrektur: Im dritten Quartal hat sich die wirtschaftliche Entwicklung in wichtigen Märkten wie Europa und Nordamerika „schneller als erwartet eingetrübt“, erläutert Daimler. Der Abschwung schlägt direkt auf die Kennzahlen durch und wird sich wohl insbesondere im vierten Quartal bemerkbar machen. Im dritten Quartal sind die Auftragseingänge bereits von 129.000 auf 92.000 Einheiten eingebrochen. Das entspricht einem Minus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Und es könnte noch schlimmer werden. Denn für 2020 rechnen etwa die Analysten von Evercore ISI mit noch mehr Gegenwind für die Trucksparte. Der Grund: In den USA steuert der Superzyklus für Lastwagen auf sein Ende zu, ein Markteinbruch von 25 bis 30 Prozent droht.

    Abgasaffäre ist für Daimler noch nicht ausgestanden

    Daimler steuert bereits gegen, wie Cheffinanzer Wilhelm erläutert. In den USA und Mexiko komme es zu Anpassungen, die auch Personalabbau beinhalten. „Erste Maßnahmen sind bereits in der Umsetzung“, erklärte Wilhelm. Der Manager schloss aber Werksschließungen aus.

    „Das ist keine Marktkrise, von der wir reden“, betonte Wilhelm. Man erlebe vielmehr eine Abschwächung, bei der es zu einer „Normalisierung“ des Marktes auf immer noch hohem Niveau komme.

    Raue Zeiten könnten Daimler dagegen noch in der Pkw-Sparte bevorstehen – trotz Absatzplus. Denn Mercedes droht die strengen Umwelt- und Verbrauchsvorgaben der EU zu verfehlen. Schafft es Daimler nicht zügig, seine CO2-Flottenwerte zu reduzieren, riskiert der Konzern hohe Strafzahlungen. Und auch der Dieselskandal ist längst nicht ausgestanden.

    Zwar schloss Daimler jüngst ein Verfahren ab. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart verdonnerte Daimler dazu, eine Geldbuße von 870 Millionen Euro zu zahlen. Ausgestanden ist die Abgasaffäre für Daimler mit dieser Strafe aber längst nicht.

    Der Konzern muss in den kommenden Wochen abermals Hunderttausende Diesel-Fahrzeuge in die Werkstätten beordern. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) moniert, Daimler habe unter anderem beim Transporter-Bestseller Sprinter unzulässige Abschalteinrichtungen verbaut.

    Insgesamt summiert sich die Anzahl der Fahrzeuge, die Daimler im Dieselskandal zurückrufen muss, mittlerweile auf mehr als eine Million Pkw und Vans. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wirft Daimler Trickserei, Vernebelungsaktionen und eine „Salamitaktik“ vor. Der Konzern müsse endlich „reinen Tisch“ machen, fordert der Politiker. Derzeit sei aber das Gegenteil der Fall. Zudem steht noch eine Entscheidung der amerikanischen Justiz aus.

    Daimler warnt daher seine Aktionäre explizit vor weiteren finanziellen Folgen. „Da rechtliche Verfahren mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind, ist es möglich, dass sich die für sie gebildeten Rückstellungen im Rahmen von abschließenden Verfahrensentscheidungen teilweise als unzureichend erweisen.“

    Mehr: Daimler zeigt sich Justiz und Klägern gegenüber wenig kooperativ. Unterstützung dafür bekommt der Konzern ausgerechnet vom Bundesverkehrsministerium.

    Startseite
    Mehr zu: Mercedes-Hersteller - Daimler macht nach Milliardenverlust wieder Gewinn – doch Källenius hat einige Probleme
    0 Kommentare zu "Mercedes-Hersteller: Daimler macht nach Milliardenverlust wieder Gewinn – doch Källenius hat einige Probleme"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%