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Mercedes-Hersteller Investoren drängen Daimler zum Sparen

Daimler muss die Kosten massiv senken. Der Konzern prüft nun, einzelne Modellvarianten auszusieben. Betriebsratschef Brecht warnt vor rauen Zeiten.
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Daimler-Investoren drängen Mercedes-Hersteller zum Sparen Quelle: Daimler AG
Daimler AG

Aus Sicht des Kapitalmarkts braucht Daimler einen Neuanfang. Der Plan des Vorstands, das Konglomerat in drei rechtlich selbstständige Einheiten unter dem Dach der Daimler AG neu zu gliedern, geht vielen nicht weit genug.

(Foto: Daimler AG)

StuttgartKeine Frage: Dieter Zetsche hat Daimler gerettet. Unter seiner Führung katapultierte sich der Mercedes-Hersteller zurück an die Spitze. Zetsche öffnete Daimler und brachte den Schwaben Selbstironie bei. Doch zuletzt hat der Ingenieur mit dem markanten Schnauzbart manches schleifen lassen.

Daimler stolpert ins Elektrozeitalter, die Kosten weiten sich ungebremst aus, und die Dieselaffäre kratzt am Image. Nach 13 Jahren an der Daimler-Spitze wird Zetsche an diesem Mittwoch in der Carl Benz Arena in Stuttgart eine letzte, zwiespältige Bilanz vorlegen.

Sicher ist: Auf das beste Jahr der Unternehmensgeschichte folgt der erste deutliche Gewinneinbruch seit den Verlusten im Jahr 2009. Daimler, das Sternen-Imperium mit mehr als 160 Milliarden Euro Umsatz, ist plötzlich angreifbar geworden. Zwar stehen die Stuttgarter dank des guten Absatzes auf den ersten Blick weiterhin „solide da“, räumt Bert Flossbach ein.

„So wie bei einer in die Jahre gekommenen Autobahnbrücke, über die täglich Zehntausende Pkws und Lkws fahren, zerbröselt aber das Fundament allmählich von innen“, attestiert der Gründer und Chef des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch.

Wer einen tiefergehenden Blick auf den Auto- und Lkw-Hersteller wagt, stoße unweigerlich auf Verfallserscheinungen. „Es braucht jetzt jemanden, der proaktiv gegensteuert, bevor die Schäden offen zu Tage treten“, fordert Flossbach im Gespräch mit dem Handelsblatt. Und er mahnt Zetsche und seinen designierten Nachfolger, Entwicklungschef Ola Källenius, zur Eile: „Es geht jetzt darum, ob Daimler in zehn Jahren noch Bestand hat.“

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Er verlangt von dem Management, dass es stärker auf die Kosten achtet. Zuletzt hatte der Daimler-Chef vor fünf Jahren ein Sparprogramm aufgelegt, das längst abgearbeitet ist. Seitdem scheut sich Zetsche, das Wort „Sparprogramm“ in den Mund zu nehmen. Zu wenig passt dies wohl zu dem rasanten Wachstum in vergangenen Jahren.

Das Fondshaus von Flossbach hält etwa 1,8 Prozent der Anteile an Daimler und zählt damit zu den größeren Aktionären. Die Kölner sind mit ihrer Kritik an Daimler nicht allein. Auch andere Investoren artikulieren öffentlich, was sie vom Management am Mittwoch bei der Vorlage der Geschäftszahlen erwarten: klare Sparziele.

Aktionäre stellen Sparziele auf, Vorstand ist irritiert

„Daimler muss noch mehr Anstrengungen unternehmen, um effizienter zu werden“, fordert Michael Muders. Der Autoexperte von Union Investment ist überzeugt: „Man muss sich über die Fertigungstiefe des Konzerns unterhalten, die ist eigentlich zu groß.“

Stefan Bauknecht von der Fondsgesellschaft DWS mahnt: „Kostenkontrolle muss nun Priorität haben. Daimler hat mehr Speck angesetzt als andere.“ Der Sparzwang dürfte auch Aktionäre wie die Fondstochter der Deutschen Bank selbst treffen. „Wir gehen davon aus, dass die Dividende gekürzt wird.“

In der Daimler-Zentrale in Stuttgart-Untertürkheim sind Vorstand und Arbeitnehmervertreter ob der Anwürfe aus dem Kapitalmarkt irritiert und alarmiert zugleich. Einerseits hält man die Kritik für überzogen. Solange die beiden größten Aktionäre, der Staatsfonds von Kuwait und Li Shufu, der Eigentümer des chinesischen Autobauers Geely, nicht aufbegehren, sehen die Schwaben keinen Anlass, nervös zu werden.

Andererseits wird hinter den Kulissen längst versucht, überall die Kosten zu drücken. Um die Komplexität zu verringern, wird laut Konzernkreisen geprüft, Varianten von Motoren auszusortieren. „Der Mitteleinsatz ist zu hoch. Wir müssen die Varianz reduzieren“, sagt ein Manager. Mit BMW und anderen lotet man Partnerschaften aus, um die immensen Investitionen für autonomes Fahren und E-Mobilität stemmen zu können.

Selbst Betriebsratschef Michael Brecht sieht die Entwicklung mit Sorge. „Wenn bei steigenden Stückzahlen die Ergebnisse schlechter werden, müssen wir die Effizienz erhöhen, keine Frage“, erklärt der oberste Vertreter der mehr als 300.000 Beschäftigten von Daimler im Handelsblatt-Interview. Er hält beispielsweise die bestehende Fahrzeugpalette von 40 Modellen für überzogen. „Da gibt es Handlungsbedarf.“

Anders als VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sucht Brecht eher selten das Licht der Öffentlichkeit, ist deshalb aber nicht minder einflussreich. Ohne Brecht geht bei Daimler nichts, sein Wort hat Gewicht. Und er zieht bereits eine rote Linie: „Alle Dinge, die man optimieren kann, ohne dass es gegen das Personal läuft, werden von uns unterstützt.“ Im Umkehrschluss heißt das: Sobald der Daimler-Vorstand erwägt, Stellen zu streichen, wird Brecht Widerstand leisten.

Daimler-Aktien brachen 2018 um 35 Prozent ein

Der Druck auf Daimler, die Kosten zu senken, ist groß. Im vergangenen Jahr brach der Aktienkurs des Konzerns um mehr als 35 Prozent ein. Seit Anfang Januar hat sich das Papier zwar etwas erholt. Dennoch büßte Daimler seit Ende 2017 unter dem Strich mehr als 19 Milliarden Euro an Börsenwert ein. An Kritikpunkten mangelt es nicht.

So beschäftigt Mercedes bei einem ähnlichen Pkw-Absatz wie BMW fast 25.000 Mitarbeiter mehr als der Münchener Rivale. Die Folge: Das Verhältnis von Arbeitskosten zu Umsatz bei Daimler ist laut Berechnungen von Evercore ISI mit 13,5 Prozent erkennbar höher als jenes von BMW mit 12,3 Prozent. Betriebsratschef Brecht hält dagegen: „BMW baut beispielsweise keine eigenen Getriebe, wir schon.“ Betrachte man die Wertschöpfung in Summe sehe die Rechnung anders aus.

Doch auch andernorts wird gemäkelt, etwa bei der Pensionskasse. Hier klafft eine Lücke von fünf Milliarden Euro, rechnet Investor Flossbach vor: „Die Barwerte für die Pensionen bei Daimler betragen 31,4 Milliarden Euro. Lediglich 26,6 Milliarden Euro davon sind finanziert.“ Bisher war das kein großes Problem.

Doch nun kämen schwere Zeiten auf den Konzern zu. „Verdient Daimler weniger, geht ein riesiges Loch auf“, fürchtet Flossbach. Das Geld, das der Konzern an die Pensionäre zahle, fehle für die Zukunftsinvestitionen.

„Bleibt der Autobauer auf seinem aktuellen Kurs, verkommt er zu einem Pensionsversicherungsverein“, rügt Flossbach. In der Mercedesstraße hält man die Pensionsaltlast dagegen weitgehend für ein Problem der Vergangenheit. Schließlich hat der Konzern in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, die Verpflichtungen solider zu finanzieren. Tatsächlich überführte Daimler allein 2017 drei Milliarden Euro in die Pensionskasse.

Aus Sicht des Kapitalmarkts braucht Daimler einen Neuanfang. Der Plan des Vorstands, das Konglomerat in drei rechtlich selbstständige Einheiten (Pkw, Lkw, Mobilitätsdienste) unter dem Dach der Daimler AG neu zu gliedern, geht vielen nicht weit genug. Sie wollen die Trucksparte abspalten.

„Daimler hat riesiges Potenzial, wenn die einzelnen Sparten nur freier agieren könnten“, erklärt Flossbach. DWS und Union Investment plädieren für einen Teilbörsengang. „Für alles andere hätten wir wenig Verständnis“, so Fondsmanager Muders. Unklar ist dabei, was genau der künftige Daimler-Chef will. Der Schwede Källenius folgt im Mai auf Langzeitchef Zetsche.

Erst dann will der 1,95 Meter große Blondschopf seine „Programmrede“ halten. Beruhigend auf Anleger einwirken könnte in der Übergangsphase der Finanzchef. Doch Bodo Uebber scheidet selbst aus, wer auf ihn folgt, ist bislang offen. Noch so eine Baustelle in Stuttgart.

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