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Mercedes-Hersteller Investoren lehnen Rückkehr von Zetsche als Aufsichtsratschef ab

Wichtige Investoren geben dem Ex-Daimler-Chef die Schuld für neue Verluste. Seine Rückkehr als Oberkontrolleur wird damit immer unwahrscheinlicher.
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Der ehemalige Daimler-Chef steht bei Investoren in der Kritik. Quelle: dpa
Zetsche nach dem Abgang

Der ehemalige Daimler-Chef steht bei Investoren in der Kritik.

(Foto: dpa)

München Als Dieter Zetsche im Herbst 2018 mächtig Ungemach von Börsianern drohte, manövrierte sich der Langzeitherrscher von Daimler gewieft aus der Schusslinie. Noch bevor es die ersten Anteilseigner wagten, den Schnauzbart wegen immer mieserer Zahlen öffentlich anzuzählen, verkündete er seine Erbfolge.

Nach 13 Jahren an der Spitze des Autokonglomerats sollte sein Kronprinz, Entwicklungschef Ola Källenius, die Leitung des Mercedes-Herstellers übernehmen. Zetsche selbst erklärte, 2021 in den Aufsichtsrat wechseln zu wollen, um Manfred Bischoff als Kontrollratschef abzulösen.

Der erste Teil von Zetsches Masterplan ging auf: Sein Wunschnachfolger Källenius wurde Ende Mai zum Vorstandsvorsitzenden von Daimler gekürt, die Aktionäre waren durch den personellen Neustart trotz mehrerer Ergebniskorrekturen besänftigt.

Doch gegen den zweiten Teil seines Plans regt sich nun massiver Widerstand. Das Ziel, in eineinhalb Jahren ein Kontrollratsmandat in Stuttgart zu übernehmen, gerät für den einstigen Ausnahmemanager zunehmend außer Reichweite. Wichtige Investoren begehren auf.

„Eine Rückkehr von Dieter Zetsche in den Aufsichtsrat ist für uns vollkommen ausgeschlossen. Das darf nicht stattfinden“, sagte Michael Muders, Fondsmanager bei Union Investment, dem Handelsblatt.

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), hält fest: „Vor dem Hintergrund der Nachrichten in den vergangenen drei Wochen ist es für uns nahezu unvorstellbar, dass Herr Zetsche 2021 in den Aufsichtsrat wechselt, geschweige denn, dessen Vorsitz übernimmt.“ Und ein großer Anteilseigner, der lieber anonym bleiben möchte, formuliert zu Zetsches Drang in das Kontrollgremium knapp, aber eindeutig: „no way“.

Auslöser der deutlichen Worte ist die zweite Gewinnwarnung von Daimler innerhalb eines Monats. Vergangenen Freitag haben die Schwaben abermals ihre Jahresziele kassiert und vorläufige Geschäftsergebnisse für das zweite Quartal publiziert. Demnach schreibt Daimler sogar einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro.

Die Folge: 2019 fällt das Betriebsergebnis deutlich niedriger aus als im Vorjahr. Vor allem die Autosparte Mercedes liegt weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Die Marke mit dem Stern wird dieses Jahr lediglich eine Umsatzrendite von bestenfalls fünf Prozent erzielen. Zum Vergleich: Die langfristige Zielmarge liegt mit zehn Prozent doppelt so hoch.

Geradezu desaströs ist die Geschäftsentwicklung in der Transporterdivision. Daimler passt die Ergebniserwartungen bei den Vans zum dritten Mal in diesem Jahr an. Prognostizierte der Konzern noch im Februar eine Umsatzrendite von fünf bis sieben Prozent, gehen die Stuttgarter nun von einer negativen Marge von bis zu minus 17 Prozent aus.

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Daimler nennt eine ganze Palette an Gründen für die schlechte Performance des Dax-Konzerns: Dieselaffäre, fehlerhafte Airbags, schwächelnder Absatz sowie vergeigte Produktionshochläufe. Das Pick-up-Modell X-Klasse steht wegen mangelnden Verkaufserfolgs sogar gänzlich zur Disposition, heißt es in Konzernkreisen.

„Die Details der Gewinnwarnung sind verheerend“, konstatiert Fondsmanager Muders. Er sei sprachlos. „In diesem Konzern schlummern Risiken, die ich nicht für möglich gehalten hätte.“ „Die Lage wird immer toxischer für die Stuttgarter“, assistiert Aktionärsschützer Tüngler. Er stelle sich automatisch die Frage, was „noch alles an Grausamkeiten auf den Tisch kommt“. Beide sind sich einig, wer der Schuldige für die Misere ist: Dieter Zetsche.

Der Mann, der Daimler nach dem Chrysler-Debakel einst gerettet hatte, sei der „Hauptverantwortliche“ für die aktuelle Situation, sagt Muders. Schließlich sei es Zetsche gewesen, der den Aktionären mehrfach versichert habe, dass bei Daimler anders als bei Volkswagen keinerlei Schummelsoftware eingesetzt werde. DSW-Experte Tüngler stößt es „höchst bitter auf“, dass der Ex-Daimler-Chef die Aufarbeitung der Probleme, die sich in seiner Amtszeit angehäuft hätten, seinem Nachfolger überlässt.

Insbesondere die negativen Sondereffekte im Zusammenhang mit dem Abgasskandal erschüttern das Vertrauen in Daimler. Wieder wird Geld zur Beseitigung der Causa zurückgelegt, dieses Mal schaufeln die Schwaben 1,6 Milliarden beiseite.

Das nährt den Verdacht, dass neben Volkswagen auch Daimler mit dreckigen Tricks bei der Abgasnachbehandlung operierte. Der Konzern bestreitet das zwar vehement, das Kraftfahrt-Bundesamt hat seine Untersuchungen aber zuletzt auf weitere Sternenmodelle ausgeweitet. Erneut droht den Schwaben der Rückruf von Hunderttausenden Fahrzeugen. Darüber hinaus ermitteln Staatsanwälte, die US-Justiz und Umweltbehörden. Daimler muss mit Bußgeldern und kostspieligen Vergleichen rechnen.

Für die Aktionäre ist nach vier Gewinnwarnungen binnen 13 Monaten klar: Daimler darf jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen. Die Trucksparte müsse schleunigst an die Börse, das angekündigte Sparprogramm alsbald verkündet werden. Radikale Kostenkürzungen seien vonnöten.

Die Schonfrist für das neue Führungsteam um Ola Källenius und seinen Finanzchef Harald Wilhelm ist nach nicht einmal zwei Monaten im Amt vorbei. Es brauche jetzt eine klare Ausrichtung nach vorn. Alle weiteren schlechten Nachrichten werde man dem amtierenden Management ankreiden.

Fondsmanager wie Muders sehen die Kredibilität des neuen Daimler-Chefs bereits schwinden: „Herr Källenius ist nicht erst seit gestern Teil des Vorstands.“ Tatsächlich ist der Schwede seit 2015 Teil des Topmanagements – und damit auch in die Risikobewertung involviert.

Mehr: Der neue Daimler-Chef Ola Källenius schockiert die Aktionäre: Der Autobauer korrigiert nach Rückstellungen und Aufwendungen im Dieselskandal die Prognose.

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1 Kommentar zu "Mercedes-Hersteller: Investoren lehnen Rückkehr von Zetsche als Aufsichtsratschef ab"

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  • Zetsche hat sich im Angesicht der kommenden Probleme gerade noch seinen Abschied vergolden lassen,es wäre kaum vermittelbar, ihn später noch als AR zu berufen!
    Dass Källenius nun alle denkbaren Risiken bilanziert,ist seine Verantwortung, um eine bereinigte Eröffnungsbilanz vorzuweisen.
    Dessen ungeachtet erwarte nicht nur ich von dem Erfinder des Automobils antizipatorischer technologische Entwicklungen der Antriebstechnik, die ich mit dem Hype pro E-Autos als nicht gegeben ansehen kann.
    Ohne auf Alternativen en detail einzugehen, gibt es neben der drastischen Emissionsreduzierung der bewährten Motoren auch andere Brennstoffe, die dazu dienen und nicht eine komplette Industrie und Workforce in Frage stellen.
    Hier hat der neue Daimler-CEO ein weites Feld, auf dem er sich herausragende Anerkennung erwerben kann.Good luck.
    Mit freundlichen Grüßen
    Heinz-W.Raderschatt

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