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Mercedes-Hersteller Lieferengpässe, Dieselskandal, Konkurrenzdruck – Daimler schwächelt in allen Sparten

Das Auto- und Lkw-Konglomerat verbrennt im ersten Quartal zwei Milliarden Euro. Alle Divisionen bereiten Probleme. Nur der Ausblick lässt hoffen.
Update: 26.04.2019 - 10:14 Uhr Kommentieren
Der Daimler-Chef präsentiert die Zahlen des schwäbischen Premiumriesens im ersten Quartal. Die fallen enttäuschend aus. Quelle: AFP
Dieter Zetsche

Der Daimler-Chef präsentiert die Zahlen des schwäbischen Premiumriesens im ersten Quartal. Die fallen enttäuschend aus.

(Foto: AFP)

Frankfurt Mit der Rendite des eigenen Konzerns kann und will sich Daimler-Chef Dieter Zetsche „nicht zufrieden geben“. 2018 war bereits enttäuschend, der Start in 2019 ist es erst recht: Das Betriebsergebnis des Stuttgarter Dax-Konzerns ist bei einem nahezu konstanten Umsatz von 39,7 Milliarden Euro im ersten Quartal auf 2,8 Milliarden Euro eingebrochen. Das ist ein Minus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Schwaben kämpfen in allen Divisionen operativ mit enormen Problemen. Insbesondere die Kernsparte und einstige Ertragsperle Mercedes-Benz Cars schwächelt erheblich. Hier ist die Marge von Januar bis März von neun auf kaum mehr als sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr abgestürzt. Das Betriebsergebnis beim Geschäft mit schweren Trucks ist um zehn Prozent abgesackt. In den Sparten Vans und Busse schreibt Daimler sogar Verluste.

„Wir sind fast an einem Punkt, wo ein Massenhersteller wie VW eine höhere Rendite einfährt als Daimler. Das kann nicht sein“, rügt Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. Schlimmer noch: Daimler hat im ersten Quartal Geld de facto kein Geld verdient, sondern liquide Mittel verbrannt. Der Free Cash Flow liegt mit mehr als zwei Milliarden Euro im Minus.

Nur ein Sondereffekt bewahrt Daimler vor einem noch schlechteren Ergebnis. Die Zusammenlegung der Carsharing- und Mobilitätsdienste mit dem Konkurrenten BMW brachte Daimler einen positiven Beitrag von 718 Millionen Euro ein. Ohne diesen Effekt wäre auch das Ergebnis in der Finanzsparte Financial Services rückläufig und die Marge des Gesamtkonzerns stünde lediglich bei 5,2 Prozent.

Die Gründe für die operative Schwäche der Marke mit dem Stern sind mannigfaltig. Der Konzern selbst verweist etwa auf „Lieferengpässe“, „eingeschränkte Fahrzeugverfügbarkeit“, die „Anpassung von Produktionskapazitäten“, Aufwendungen im Dieselskandal und den generell hohen „Wettbewerb“ in den Weltmärkten.

Ob in Europa, Asien oder Nordamerika: Allerorten brechen bei Mercedes die Verkaufszahlen ein. Die Stuttgarter setzten von Anfang Januar bis Ende März nur noch 561.000 Autos ab. Das ist ein Rückgang von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Probleme mit neuen Modellen in mehreren Werken

Sicher ist: Der Konzern kämpft in mehreren Werken mit Problemen bei neuen Modellen. Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit streicht der Konzern gar die avisierte Produktion seiner X-Klasse in Argentinien. Ganz so schlimm ist es in anderen Werken nicht, aber auch der Anlauf des GLE im amerikanischen Werk in Tuscaloosa verläuft holprig. Neue Zulieferer müssen geschult werden, das Ganze ist aufwendiger als gedacht. Tempo ist nun wichtig. Der SUV ist schließlich ein Renditegarant, von dem viel für Daimler abhängt.

Im mexikanischen Gemeinschaftswerk mit Nissan in Aguascalientes rollt die neue A-Klasse Limousine vom Band. Wegen Qualitätsmängeln müssen aber Tausende Fahrzeuge nachbessert werden. Zwischen den Partnern habe es viele „Eifersüchteleien“ gegeben, verlautete es in Konzernkreisen. Und auch der Start des neuen Sprinter-Kastenwagens im amerikanischen Charleston ist deutlich unter Plan.

Schon vor Wochen richtete Daimler daher intern eine Task-Force ein, um die Probleme rasch zu lösen. Konzernchef Zetsche sowie Markus Schäfer, Mercedes-Bereichsvorstand für Produktion, und Wilko Stark, Einkaufschef der Pkw-Sparte, schalteten sich ein, heißt es in Unternehmenskreisen. Offenbar allmählich mit Erfolg. Denn Daimler rechnet insbesondere in der zweiten Jahreshälfte mit deutlich besseren Geschäften.

„Nun gilt es, mit aller Kraft auf unsere Jahresziele hinzuarbeiten“, betont Daimler-Chef Zetsche. Der 65-Jährige hatte bereits im Februar „Gegenmaßnahmen“ zu den schwachen Ergebnissen angekündigt, ein Sparprogramm ist in Ausarbeitung. Details nannte der Konzern bei Vorlage der Quartalszahlen nicht. Die Analyse über Maßnahmen zur Effizienzsteigerung sei noch nicht abgeschlossen. Laut „Manager Magazin“ könnten bei dem Konzern mittelfristig aber knapp 10.000 von insgesamt fast 300.000 Stellen abgebaut werden.

„Für Anleger heißt es jetzt: Augen zu und durch. Das Wichtigste ist, dass der Ausblick weitgehend beibehalten wurde“, findet Analyst Pieper. Dennoch müssen Aktionäre auch bei der Prognose einen Rückschlag verkraften. Daimler musste seine Jahresziele in der Van-Sparte deutlich nach unten korrigieren. Statt einer avisierten Rendite vor Zinsen und Steuern von fünf bis sieben Prozent wie noch im Februar verlautbart, rechnen die Stuttgarter jetzt nur noch mit einer Marge zwischen null und zwei Prozent.

Immerhin: Bei den Bussen sei die aktuelle Verlustsituation nur temporär, erklärte Daimler-Finanzchef Bodo Uebber. Für gut 700 Busse hätte im ersten Quartal noch keine Zertifizierung vorgelegen, die Nachfrage sei aber gut, so dass er in den nächsten Quartalen mit guten Verkäufen rechnet. Dennoch betonte Uebber: „Das erreichen unsere Ziele ist sehr anspruchsvoll und kein Selbstläufer“. Der Kapitalmarkt reagierte darauf missmutig und schickte die Daimler-Aktien zwischenzeitlich um einen halben Prozentpunkt ins Minus.

Aktie von Daimler legt seit Jahresbeginn zu

Insgesamt legte die Aktie von Daimler seit Jahresanfang aber deutlich zu. Der Grund: Ende Mai geht Daimler-Chef Zetsche nach 13 Jahren als CEO in Rente und übergibt an seinen Ziehsohn, den bisherigen Entwicklungsvorstand Ola Källenius. An der Börse und im Unternehmen wird mit dem Wechsel ein Neustart erwartet. Doch der gebürtige Schwede Källenius steht vor immensen Herausforderungen.

„Daimler ist nach wie vor ein sehr konservativ geprägtes, sehr hierarchisch organisiertes und vor allem schwäbisches Unternehmen. Diskutieren ist möglich, aber man sieht es auch gerne, wenn den Anweisungen von oben gefolgt wird“, sagt Stefan Randak, Autoexperte bei der Managementberatung Atreus.

Aus diesem Fahrwasser müsse Källenius ausbrechen, sagt Randak, der selbst fast zwei Jahrzehnte bei Daimler in Führungspositionen gearbeitet hat. Die Widerstände dürften allerdings groß sein. Und der Blondschopf kann sich wohl nur in einem engen Rahmen bewegen.

So ist Källenius etwa bei der Sparrunde der größte Kostenhebel weitgehend versperrt. Die Tarifbeschäftigten in Deutschland sind bis 2020 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Und mit dem avisierten Umbau des Konzerns vom Industriekonglomerat zur Holding mit drei rechtlich selbstständigen Einheiten (Pkw, Trucks, Mobilitätsdienste), wird die Jobgarantie bis 2029 ausgeweitet. „Das zeigt: Ohne den Betriebsrat geht bei Daimler nichts“, resümiert Randak.

Einige Investoren machen Druck und hoffen das Källenius bei den ganz dicken Brettern ansetzt, etwa der Fertigungstiefe. So stellt Daimler viele Guss- und Schmiedeteile sowie seine Getriebe noch selbst her. Die Folge: Mercedes beschäftigt bei einem ähnlichen Pkw-Absatz wie BMW fast 25.000 Mitarbeiter mehr als der Münchener Rivale. Das Verhältnis von Arbeitskosten zu Umsatz bei Daimler ist laut Berechnungen von Evercore ISI dadurch mit 13,5 Prozent erkennbar höher als jenes von BMW mit 12,3 Prozent.

Intern meinen nicht wenige Manager, dass an einer Reduzierung der Fertigungstiefe früher oder später kein Weg vorbeiführt. „Anders kriegen wir die Kosten nicht in den Griff“, sagt eine Führungskraft. Durch die immensen Aufwendungen für Elektromobilität, autonomes Fahren und Mobilitätsdienste gerät schon jetzt die Zielrendite in der Pkw-Sparte von mehr als acht Prozent bis 2021 außer Reichweite.

An den Börsen keimt aber zunehmend Hoffnung auf, dass Daimler seine Probleme in den Griff bekommt. „Ein Hauch des Neuen ist bereits erkennbar“, sagt Metzer-Analyst Pieper. Die Kooperation mit BMW und die Partnerschaft mit Geely beim Smart seien beispielsweise weitgehend und wichtig. „Das wäre früher kaum denkbar gewesen“, so Pieper. Und ab 2020 werde der ganze Autosektor wieder anders gesehen werden. Dann kämen neue Technologien auf den Markt und damit Hoffnung auf Wachstum – auch bei Daimler.

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