Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mercedes-Hersteller So will Daimler die Trendwende schaffen

Nach zwei Gewinnwarnungen laufen die Geschäfte des Mercedes-Herstellers allmählich wieder besser. Aber auch die Liste an nötigen Sparmaßnahmen wächst.
Kommentieren
Mit dem EQC hat Mercedes mittlerweile seinen ersten reinen Strom-SUV im Angebot. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Elektro-SUV EQC von Daimler

Mit dem EQC hat Mercedes mittlerweile seinen ersten reinen Strom-SUV im Angebot.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

München Läuft im weltumspannenden Riesenreich von Daimler irgendwo etwas schief, schicken die Konzerngranden in Stuttgart die Kavallerie los. „Wenn wir etwas können, dann Task-Forces“, erzählt ein Manager des Mercedes-Herstellers stolz: „Wir sind Weltmeister in der Krisenbewältigung“.

Die Spezialtruppen des Autokonglomerats werden von den fähigsten Köpfen unter den 300.000 Mitarbeitern des Dax-Konzerns angeführt und beseitigen in der Regel jedes noch so große Problem – schnell, nachhaltig und ohne öffentliches Aufsehen.

In den USA kämpften zuletzt gleich mehrere Kriseneinheiten über Monate hinweg gegen Schwierigkeiten beim Hochlauf der Produktion von wichtigen Modellen wie der nächsten Generation des renditeträchtigen Geländewagens GLE oder dem neuen Transporter-Bestseller Sprinter an. Dennoch kamen sie kaum noch voran.

Einer der Gründe: Viele Spezialisten schafften es gar nicht oder nur mit Verspätung an die Front. Die USA verweigerten ihnen zunächst die nötigen Visa, verlautet es aus Konzernkreisen: „Das hat uns limitiert“.

Fehlende oder verzögert ausgestellte Arbeitserlaubnisse mögen, gemessen an den vielen anderen Baustellen bei Daimler, nur ein kleines Problem darstellen. Aber das Beispiel zeigt exemplarisch, an wie vielen Stellen es bei den Schwaben im vergangenen Dreivierteljahr gehakt hat. Daimler lehnte einen Kommentar zu internen Vorgängen ab.

Mittlerweile sind die Visa-Sorgen ohnehin kein Thema mehr. Dafür setzen dem Autobauer die Zollkriege von US-Präsident Donald Trump, der bevorstehende Brexit, immer aufwendigere Fahrzeugzertifizierungen sowie Altlasten im Dieselskandal zu.

„Talsohle durchschritten“

Das neue Führungsteam um Vorstandschef Ola Källenius und Finanzvorstand Harald Wilhelm musste im Juli die zweite Gewinnwarnung binnen weniger Wochen ausgeben. 4,2 Milliarden Euro an Sondereffekten lasten auf der Bilanz. Die Aktie dümpelt nunmehr auf einem Fünfjahrestief.

Doch während die Investoren Daimler zunehmend das Vertrauen entziehen, dürfte das Unternehmen im Tagesgeschäft das Schlimmste hinter sich haben, heißt es unisono in Konzernkreisen. „Wenn nichts völlig Unerwartetes passiert, müssten wir jetzt wieder zulegen können“, konstatiert eine Führungskraft: „Wir haben die Talsohle durchschritten“.

Die ersten klaren Anzeichen dafür gibt es bereits: Im Juli erzielte Daimler mit seiner Autosparte Mercedes das erste Absatzplus in diesem Jahr. Fast 190 000 Fahrzeuge verkaufte die Marke zum Auftakt ins dritte Quartal. Das ist ein Zuwachs von beinahe 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Über die ersten sieben Monate hinweg betrachtet steht beim Absatz zwar nach wie vor ein Minus von 2,4 Prozent, aber es wird kleiner. Der Trend ist positiv.

Grafik

Mercedes untermauert damit seine Stellung als stärkste Automobilmarke der Welt. Eine Nachfrageschwäche, so heißt es selbstbewusst aus dem Führungskader, habe es nie gegeben. Die Sogwirkung des Sterns sei ungebrochen. Aber ausliefern konnten die Schwaben ausgerechnet einige ihrer begehrtesten Modelle wochenlang nur eingeschränkt. Das minderte den Absatz. Gerade im Segment der sportlichen Geländewagen (SUV) gebe es jetzt aber eine „verbesserte Fahrzeugverfügbarkeit“, verkündet der Konzern.

Intern heißt es, die massiven Zuliefererprobleme, die es im amerikanischen Mammutwerk in Tuscaloosa beim Produktionshochlauf der neuen Version des GLE gab, seien weitgehend gelöst. Bewahrheitet sich dieser Befund, dürften noch in diesem Jahr drei überarbeitete Derivate des Modells in Alabama vom Band rollen: GLE Coupé, GLS und GLS Maybach sollen für zusätzliche Wachstumsimpulse sorgen.

Kampfansage an Tesla

Daimler-Chef Källenius erwartet daher eine „spürbare Verbesserung“ des Geschäfts im zweiten Halbjahr. Der Schwede will zudem bei Elektroautos endlich zu dem kalifornischen Elektroauto-Pionier Tesla aufschließen. Mit dem EQC hat Mercedes zwar mittlerweile seinen ersten reinen Strom-SUV im Angebot. Das Modell wurde aber noch notdürftig auf die gleiche Fahrzeugarchitektur mit den Verbrennern gezwängt.

Auf der deutschen Pkw-Leitmesse IAA in Frankfurt im September dürfte Daimler nun einen Ausblick auf seine echte Elektroplattform „EVA 2“ geben, die einzig und allein für Elektroautos konzipiert wurde und völlig neue Design- und Innenraumgestaltungen ermöglicht. Um die Formensprache von morgen greifbar zu machen, wird Mercedes wohl das Konzeptfahrzeug für die Luxuslimousine EQS auf der Messe vorstellen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Das künftige Elektro-Flaggschiff der Mercedes-Flotte soll Anfang des kommenden Jahrzehnts in die Produktion gehen und mit einer Reichweite von 500 bis 700 Kilometern die Tesla-Modelle technologisch in den Schatten stellen.

Die Stuttgarter wollen bis 2022 mehr als zehn reine Stromer auf den Markt bringen. Weil die Entwicklung und der Ausbau dieser Elektroflotte aber einen zweistelligen Milliardenbetrag bindet, muss der Konzern andernorts massiv sparen.

Modelle stehen auf dem Prüfstand
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Mercedes-Hersteller - So will Daimler die Trendwende schaffen

0 Kommentare zu "Mercedes-Hersteller: So will Daimler die Trendwende schaffen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote