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Mercedes-Hersteller Stellenabbau im Daimler-Management – Autobauer will 1,4 Milliarden Euro sparen

Der Stuttgarter Autobauer kassiert seine mittelfristigen Renditeziele und plant Stellenstreichungen. Die Personalkosten sollen bis 2022 drastisch sinken.
Update: 14.11.2019 - 17:23 Uhr 1 Kommentar
Der Daimler-Chef kündigt einen Stellenabbau im Management und den indirekten Bereichen an. Quelle: dpa
Ola Källenius

Der Daimler-Chef kündigt einen Stellenabbau im Management und den indirekten Bereichen an.

(Foto: dpa)

Stuttgart Gut gelaunt tritt Daimler-Chef Ola Källenius am Donnerstag um 10 Uhr in weißem Hemd und mit gescheiteltem Haar vor die Investorengilde. Im Londoner Luxushotel Corinthia erklärt der Manager mithilfe einer 51-seitigen Präsentation den Kapitalmarktexperten, wie er den Autobauer nach mehreren Gewinnwarnungen in diesem Jahr aus der Krise führen will.

Auf Folie 5 macht er dabei anhand einer einzigen Zahl deutlich, in welch misslicher Lage sich der Dax-Konzern aktuell befindet. 138 Gramm. So viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) werden die Pkws und Vans von Mercedes aller Voraussicht nach 2019 im Flottenschnitt ausstoßen. Während alle Welt über Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung spricht, steigen bei der Marke mit dem Stern die CO2-Werte kontinuierlich an – allein seit 2015 sind 13 Gramm hinzugekommen.

Das ist nicht nur für das Klima problematisch, sondern auch für die Gewinne von Daimler. Denn ab dem nächsten Jahr gelten strenge Verbrauchsvorgaben in der EU. Mercedes muss seinen durchschnittlichen Flottenausstoß bis 2021 auf 105 Gramm CO2 pro Kilometer drücken, andernfalls riskiert der Konzern hohe Strafzahlungen.

Källenius bleibt nichts anderes übrig: Daimler muss grüner werden. Der Konzern ist genötigt, seine Flotte im Eiltempo zu elektrifizieren, um die EU-Ziele noch zu schaffen. Doch das hat seinen Preis.

Wie das Handelsblatt am Mittwoch bereits vorab berichtete, kassiert der Konzern seine mittelfristigen Renditeziele. Statt einer avisierten Marge von acht bis zehn Prozent bis 2021 in der Kernsparte Mercedes Cars und Vans schafft die Division lediglich eine Rendite von vier Prozent bis 2020 und sechs Prozent bis 2022. Und auch diese Ziele stehen unter Vorbehalt: Sollten die USA etwa neue Autozölle verhängen, wären sie nicht erfüllbar.

„Wir sind nicht zufrieden damit, aber wir haben jetzt fair und offen erklärt, was wir in den nächsten drei Jahren machen können“, sagte Källenius zu den Profitabilitätsaussichten des Konzerns. Um einer noch gravierenderen Margenerosion entgegenzuwirken, plant der Manager einen Stellenabbau.

„Die Kostenbelastungen zur Erreichung der CO2-Ziele erfordern umfassende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in allen Bereichen unseres Unternehmens. Dazu gehört auch die Verschlankung unserer Prozesse und Strukturen“, erklärte Källenius: „Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen wir jetzt handeln und unsere Finanzkraft signifikant steigern.“

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Insgesamt will Daimler seine Personalkosten bis 2022 um mehr als 1,4 Milliarden Euro reduzieren. Davon entfallen eine Milliarde Euro auf Mercedes, 100 Millionen Euro auf Vans und 300 Millionen Euro auf Daimler-Trucks.

Källenius will allein zehn Prozent der Führungsstellen bei Daimler streichen, dazu schwebt ihm eine Personalreduktion in indirekten Bereichen wie der Verwaltung vor. Die neu geschaffene Holding, in der rund 6000 Beschäftigte tätig sein werden, dürfte gestrafft werden: „Sollen wir an den 6000 festhalten? Nach meiner Ansicht nicht“, erklärte Källenius den Investoren.

Daimler ist nach Jahren der Absatz-, Umsatz- und Gewinnrekorde in schweres Fahrwasser geraten. In den ersten neun Geschäftsmonaten hat sich der Gewinn des Konzerns mehr als halbiert, und die Verkäufe stagnieren. Unter dem Strich haben die Stuttgarter nach drei Quartalen de facto kein Geld verdient, der Free Cashflow ist mit 522 Millionen Euro im Minus.

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Für Källenius, der Ende Mai die Nachfolge von Daimler-Langzeitchef Dieter Zetsche antrat, ist das ein unhaltbarer Zustand. Er will den Free Cashflow drastisch erhöhen. Konkret strebt der Manager eine stabile Nettoliquidität von mehr als zehn Milliarden Euro an.

Dazu werde Daimler „in allen Bereichen die Investitionen und Ausgaben priorisieren, um eine stringentere Kapitalallokation vorzunehmen“, erklärte der Konzern. Zudem sollen die Materialkosten sinken, die allein im Pkw- und Van-Bereich rund 45 Milliarden Euro im Jahr ausmachen.

Fraglich ist noch, inwieweit sich Källenius an die vergleichsweise hohe Fertigungstiefe des Konzerns wagt und Zulieferer stärker in die Entwicklung einbezieht. „Wir haben durchaus unseren Ingenieursstolz“, sagte Källenius. „Aber in manchen Fällen könnte etwas, das sie haben, das weniger komplex ist und weniger kostet, denselben Zweck erfüllen.“

Betriebsratschef Michael Brecht wettert gegen derlei Erwägungen und die Sparpläne: „Wir werden nicht zulassen, dass die Beschäftigten für juristische Streitigkeiten oder Qualitätsprobleme von Zulieferern bluten müssen.“ Er betonte zwar, dass die Autoindustrie insgesamt schwere Zeiten durchmache, denen sich auch Daimler stellen müsse. Das Management dürfe aber „nicht an der Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens sparen“, so Brecht.

Der stellvertretende Betriebsratschef von Daimler, Ergün Lümali, wurde noch deutlicher: „Wir diskutieren mit der Unternehmensleitung sicher nicht über Köpfe“, erklärte der Arbeitnehmervertreter: „Wenn das Unternehmen schon an die Personalkosten ran will, dann nur mit einem sinnvollen Maßnahmenpaket. Unser Weg muss sein, an erster Stelle Prozesse und Fremdvergaben auf den Prüfstand zu stellen“, sagte Lümali.

Die Möglichkeiten von Källenius, Stellen abzubauen, sind ohnehin begrenzt. Die mehr als 170.000 Beschäftigten an den deutschen Standorten sind bis 2029 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Um die Personalkosten zu senken, wird Källenius daher auf freiwillige Maßnahmen wie Altersteilzeit oder Vorruhestand zurückgreifen müssen.

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Strategisch will Källenius Mercedes als „Pionier für nachhaltigen modernen Luxus“ positionieren. Der Fokus liege dabei auf „der Weiterentwicklung höhermargiger Fahrzeuge“. Soll heißen: Das lukrative Geschäft mit der G-Klasse, der Sportwagentochter AMG sowie der Luxusmarke Maybach soll ausgebaut werden. Daimler-Trucks, die zweitgrößte Division der Schwaben, soll sich verstärkt auf das Geschäft mit schweren Lastwagen konzentrieren.

Källenius will die Pkw-Neuwagenflotte bis 2039 komplett klimaneutral anbieten, auch die schweren Lastwagen und Busse von Daimler sollen in zwei Jahrzehnten fast überall auf der Welt kein klimaschädliches Kohlendioxid mehr ausstoßen.

An der Börse konnte Daimler mit seinen Ankündigungen nicht punkten. Die Aktie des Konzerns sackte am Donnerstag zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent ab. Investoren hatten auf drastischere Einschnitte gehofft. „Was Daimler vorgelegt hat, ist ziemlich enttäuschend. Man muss sich auf Jahre hinweg mit niedrigen Margen abfinden. Das ist keine positive Botschaft“, erklärt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

„Der neue Daimler-CEO Ola Källenius muss die Versäumnisse aufräumen, die ihm sein Vorgänger Dieter Zetsche hinterlassen hat“, konstatiert NordLB-Analyst Frank Schwope: „Insbesondere bei der Elektromobilität ist der Konzern sehr spät dran. Jetzt sind harte Aufräumarbeiten nötig.“ „Daimler ist ein Restrukturierungsfall bis 2023“, ergänzt Michael Muders, Portofliomanager von Union Investment.

Mehr: Ola Källenius präsentiert am Donnerstag seine Sparpläne. Investoren fordern von Källenius radikale Einschnitte, denn das Margenziel für 2021 ist unhaltbar.

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1 Kommentar zu "Mercedes-Hersteller: Stellenabbau im Daimler-Management – Autobauer will 1,4 Milliarden Euro sparen"

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  • Dass sich die Automobilindustrie in einer großen Transformationsphase befindet, ist unstrittig. Ich glaube allerdings nicht, dass Daimler bei der Elektromobilität "zu spät" dran ist. Das Gesamtmarktvolumen ist immer noch sehr klein und es gibt keinen Hersteller, der ein nennenswertes Absatzvolumen hat UND damit Gewinn macht.
    Mercedes-Benz hat hochmoderne Verbrennermotoren, die noch sehr lange am Markt sein werden und Gewinn einfahren. Bei den Plug-In Hybriden sehe ich ebenfalls überhaupt keine "Verspätung" und die BEVs kommen nicht zu früh.