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Mercedes-Limousine Die neue S-Klasse soll Daimlers Lebensversicherung werden

Neues Modell, neue Fabrik: Daimler-Chef Ola Källenius strotzt bei der Premiere vor Zuversicht. Die S-Klasse soll die Ertragswende bei Mercedes bringen.
02.09.2020 - 16:54 Uhr 2 Kommentare
Neue Mercedes S-Klasse: Daimler-Chef Källenius zuversichtlich Quelle: Reuters
Daimler-Chef Ola Källenius

„Die S-Klasse ist die Ikone unserer Marke.“

(Foto: Reuters)

Sindelfingen Nackenheizung, Wellenmassage, 4D-Klangwelt: Die neue S-Klasse von Mercedes lädt dazu ein, sich im Liegesitz entspannt durch die Gegend chauffieren zu lassen. Dennoch fährt Daimler-Chef Ola Källenius lieber selbst. Im Zuge einer vorrangig digital inszenierten Probefahrt stellte der Schwede am Mittwoch in Sindelfingen die Neuauflage der Luxuslimousine der Weltöffentlichkeit vor.

Das Gefühl, eine S-Klasse zu steuern, sei „unbezahlbar“, sagte Källenius. Dank einer neuen Hinterachslenkung fahre sich der 5,20 Meter lange Wagen so wendig wie ein Kompaktauto. „Das ist der Hammer“, sagt Källenius.

Privat, sagte der Vater von drei Söhnen, könne er schlecht so etwas wie ein Lieblingskind haben. Als Vorstandsvorsitzender müsse er sich an diese Regel glücklicherweise nicht halten. Unter den mehr als 40 Modellen von Mercedes ist das Flaggschiff sein klarer Favorit.

„Die S-Klasse ist die Ikone unserer Marke“, sagte Källenius. Mehr noch: Dank Traumrenditen von mehr als 20 Prozent bei durchschnittlichen Verkaufspreisen oberhalb von 120.000 Euro steuert die intern W223 genannte Baureihe im Alleingang geschätzt bis zu zwei Milliarden Euro zum Betriebsgewinn bei – sie ist damit quasi die Lebensversicherung des Dax-Konzerns.

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    Trotz Coronakrise und SUV-Boom zeigte sich Källenius optimistisch, den Absatz der S-Klasse steigern zu können. In der Spitze sei es möglich, mehr als 100.000 Einheiten der Edellimousine pro Jahr zu verkaufen.

    Vor allem in China dürfte das Interesse am Mercedes-Spitzenmodell, der neuen S-Klasse, hoch sein. Quelle: Daimler
    Die neue S-Klasse

    Vor allem in China dürfte das Interesse am Mercedes-Spitzenmodell, der neuen S-Klasse, hoch sein.

    (Foto: Daimler)

    Von der S-Klasse hängt viel ab. Källenius braucht dringend Erfolge. Seine bisherigen 15 Monate im Chefsessel bei Daimler waren von harten Rückschlägen und tiefen Einschnitten geprägt. Gleich mehrfach musste der Skandinavier die Aktionäre vor sinkenden Gewinnen warnen.

    Seine ursprüngliche Strategie musste Källenius bereits zwei Mal nachjustieren – erst wegen zu hoher Strukturkosten, dann infolge der Coronakrise. Zehntausende Stellen werden gestrichen, das Kleinwagenwerk im französischen Hambach wird verkauft, und die Pkw-Montage in Brasilien steht auf dem Prüfstand.

    Mit der S-Klasse will Källenius aus der Krise kommen. Immerhin: Die Vorzeichen stehen gut. Die Absatzdelle infolge der Pandemie ist überstanden. „Den Nachfrageschock haben wir hinter uns“, sagt Källenius.

    Wenige Stunden vor der Vorstellung hatte Källenius sich im Werk Sindelfingen den Fernsehkameras gestellt. Anlass war die Eröffnung der Factory 56, einer digital vernetzten Fabrik, in der verstärkt Roboter die Arbeit übernehmen. Begleitet wurde er vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), der die 30 Fußballfelder große Produktionshalle als Werk der Zukunft anpries. Källenius sprach von einem „Bekenntnis zur Heimat“.

    Marge und Arbeitsplätze sollen stabil bleiben

    Passend zur Euphorie hoben im Hintergrund Greifarme die ersten Karossen der S-Klassen in die Höhe. Aktuell produziert Daimler in der Factory 56 rund 90 S-Klassen am Tag, bald soll die Zahl dreistellig sein. Der Sog ist schon vor der Vorstellung stark. Händler aus China und den USA haben vorab Fahrzeuge bestellt, die nun vom Band laufen.

    Mit der neuen Fertigung will Daimler seine Marge absichern. „Mit der Factory 56 wird die Produktion um 25 Prozent effizienter“, sagte Entwicklungsvorstand Markus Schäfer. Zumindest einen Teil der Einsparungen verliert Daimler aber gleich, da in der Neuauflage mehr Technik verbaut ist. Die Mehrkosten dafür kann der Konzern nicht komplett an die Kunden weitergeben.

    Grafik

    Dennoch, so betont Källenius, wird sein Unternehmen mit der neuen S-Klasse nicht weniger Marge einfahren. Helfen dürften dabei auch höhere Verkaufszahlen. „Die Planungen sehen vor, dass wir von der neuen S-Klasse mehr verkaufen als vom Vorgängermodell“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Die Zahl der Arbeitsplätze soll daher auch bei der Umstellung auf eine digitale Produktion unverändert bleiben. Rund 1600 Menschen gebe die S-Klasse in der Produktion Arbeit, sagte Ergun Lümali, Betriebsrat in Sindelfingen.

    Von Kurzarbeit, wie sie Daimler nach dem Ausbruch der Coronakrise hatte einführen müssen, ist in Sindelfingen nichts mehr zu sehen. Die Hallen sind voll, und vor den Toren stauen sich die Lastwagen der Zulieferer.

    Daimler könnte zumindest in einem Punkt sogar ein Profiteur der Coronakrise sein. Weil der Verkauf von Diesel und Benzinern in Europa überproportional eingebrochen ist, schoss der Anteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden nach Berechnungen des Automobilanalysten Matthias Schmidt in den ersten sieben Monaten 2020 von zwei auf mehr als zehn Prozent in die Höhe.

    Mercedes verkaufte mit 37.800 elektrifizierten Fahrzeugen in 18 europäischen Märkten sogar mehr Wagen als der reine Stromautoanbieter Tesla. Die Folge: Anders als noch vor einigen Monaten gedacht, sind Experten zuversichtlich, dass Daimler die EU-Umweltauflagen für seine Pkws einhalten wird.

    Mit der neuen Fertigung will Daimler seine Marge absichern. Quelle: dpa
    Eröffnung der „Factory 56“ in Sindelfingen

    Mit der neuen Fertigung will Daimler seine Marge absichern.

    (Foto: dpa)

    Dabei ist gerade die neue S-Klasse in puncto Antrieb eher kein Umweltvorreiter. Das Modell fährt maximal teilelektrisch. Zunächst bietet Mercedes das Spitzenmodell nur als reinen Diesel oder Benziner an, ab 2021 dann auch als Plug-in-Hybrid mit bis zu 100 Kilometern elektrischer Reichweite.

    Völlig unter Strom steht lediglich der EQS. Das Modell ist so etwas wie der elektrische Zwilling zur S-Klasse und soll den Boliden von Tesla mit einer Reichweite von mehr als 700 Kilometern ab Mitte 2021 Paroli bieten.

    Bedeutung des chinesischen Markts steigt

    Die S-Klasse konkurriert indes nicht mit den Modellen von Tesla. Präsidenten, Wirtschaftsbosse und Vermögende kaufen das Vorzeigeprodukt der Stuttgarter. Die wichtigste Kundengruppe für Daimler sind allerdings wohlhabende Chinesen. Mehr als ein Drittel aller S-Klasse-Limousinen der vorherigen Baureihe verkauften die Schwaben in Fernost. Allein von den pompösen Maybach-Variationen, die allesamt über 140.000 Euro kosten, setzt Mercedes pro Monat mehr als 700 Stück in China ab.

    Weil die Zahl der Menschen, die in der Lage sind, sich ein Fahrzeug für sechsstellige Summen zu leisten, nirgendwo schneller wächst als im Reich der Mitte, dürfte die Bedeutung des Markts für Daimler weiter steigen. Zumal die S-Klasse-Kunden mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren hier die jüngsten weltweit sind.

    Zunächst ist die Luxuslimousine nur als Verbrenner erhältlich. Quelle: Daimler
    Mercedes S-Klasse

    Zunächst ist die Luxuslimousine nur als Verbrenner erhältlich.

    (Foto: Daimler)

    Daimler-Chef Källenius sieht in der zunehmenden Abhängigkeit von China kein ernsthaftes Problem, er hält eine starke Position in Fernost vielmehr für unerlässlich. Doch Experten warnen: „Das Geschäft in China ist für die deutsche Autoindustrie janusköpfig“, sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). Einerseits müssten Hersteller wie Daimler die Chancen in China natürlich nutzen. Andererseits gelte es aber, eine global ausgewogene Marktpositionierung zu wahren.

    Keine Region sollte zu dominant werden, rät Bratzel. Gerade in China sei der Einfluss der Kommunistischen Partei auf den Automarkt groß. In den nächsten Jahren drohen an mehreren Fronten Konflikte. „Hier müssen die Konzerne aufpassen“, mahnt Bratzel. Zu große Zugeständnisse etwa beim Datenschutz könnten schnell negativ auf die Marken weltweit abstrahlen.

    Mehr: Mit Luxus aus der Krise ist eine problematische Strategie der Autobranche

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    2 Kommentare zu "Mercedes-Limousine: Die neue S-Klasse soll Daimlers Lebensversicherung werden"

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    • Warum wird die S-Klasse in der Grafik erst mit dem Audi A8 und dann mit dem A7 verglichen?

    • Sehr gut, dass Daimler seine S-Klasse auch als Plug-In-Hybrid mit einer Reichweite von 100 km anbieten wird.
      Das hat sehr wichtige Vorteile:
      Im Gegensatz zu einer Reichweite von 700 km werden nur 1/7 für die sehr Energie aufwendige Erzeugung der Batterien benötigt. Dies schont die weltweiten Ressourcen und ermöglicht damit 7 Plug-In-Hybride anzubieten statt nur ein e-Auto. Dies wirkt sich auf die Emissionen gerade in der Stadt sehr günstig aus!
      Im Fahrbetrieb werden Fahrten über 100 km ohne Unterbrechung recht selten durchgeführt, müssen aber möglich sein - unbeschränkt - "Ich bin kein Ladestellensuchgerät". Die Unbeschränktheit wird mit einem Plug-In-Hybrid ermöglicht.
      Für mich persönlich bedeutet das: In über 95% meiner täglichen Fahrten benötige ich 70 km Reichweite. Meine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach leistet an sonnigen Tagen bis zu 40 kWh pro Tag. Eine Reichweite von bis zu 200 km kann meine Photovoltaikanlage leisten. im Jahresdurchschnitt leistet sie 21,4 kWh. Der Verbrauch wird dann wirklich Umwelt freundlich erzeugt und kommt nicht von einem Kohlekraftwerk!
      Kurz und gut: Meine Photovoltaikanlage passt zu einem Plug-In-Hybrid mit 100 km Reichweite! Ich persönlich halte Plug-In-Hybride für die bessere, ausgereiftere und umsetzbarere Lösung als reine e-Autos und damit wirklich zukunftsfähig.

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