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Merck KGaA Bei einer Tochter des Pharmakonzerns drohen erstmals betriebsbedingte Kündigungen

Der Darmstädter Konzern will Dienstleistungen auf die Philippinen und nach Polen auslagern. Der Betriebsrat spricht von einem „Sündenfall“.
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Erstmals in der 350-jährigen Geschichte des Konzerns drohen bei einer Tochter betriebsbedingte Kündigungen. Quelle: dpa
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Erstmals in der 350-jährigen Geschichte des Konzerns drohen bei einer Tochter betriebsbedingte Kündigungen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will große Teile der Buchhaltung einer Tochter ins Ausland verlagern. Nun drohen deren Mitarbeitern erstmals in der Geschichte des Konzerns betriebsbedingte Kündigungen. So zumindest stellt sich die Lage aus Sicht der Arbeitnehmervertreter und der Gewerkschaft IG BCE dar, die am Freitag zu einer Pressekonferenz nach Darmstadt geladen hatten.

Betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft IG BCE aktuell 117 Mitarbeiter bei der Merck Accounting Solutions & Services Europe GmbH. Die Stellen sollen sukzessive bis Ende 2020 nach Manila auf den Philippinen und ins polnische Breslau verlagert werden. Diesen Schritt hatte das Unternehmen bereits im August 2017 angekündigt.

Die Arbeitnehmervertreter fordern, die Mitarbeiter der Accounting-Tochter innerhalb des Merck-Konzerns unterzubringen. „Die Mitarbeiter möchten eine Zukunftsperspektive im Unternehmen“, sagt Carola Knell, Betriebsratsvorsitzende der Merck Accounting-Tochter „Bei einem Unternehmen mit rund 11.000 Mitarbeitern am Standort muss es doch möglich sein, die Beschäftigten der Buchhaltungstochter im Konzern unterzubringen“, sagte Jürgen Glaser, Chef der IG BCE in Darmstadt.

In dem mehrheitlich in Familienbesitz befindlichen Pharma- und Chemiekonzern gibt es den so genannten Merck Zeitservice, der sicherstellt, dass Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze wegfallen, gegebenenfalls weiterqualifiziert und innerhalb der Gruppe weiterbeschäftigt werden. Bei Arbeitnehmervertretern und Unternehmensführung gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten darüber, inwieweit die Regelung, die für den Mutterkonzern die Merck KGaA gilt, auch für die vor Jahren ausgegründete Accounting-Tochter gültig ist.

Philip Heßen, Personalleiter der Merck KGaA Deutschland, schloss gegenüber dem Handelsblatt nicht aus, dass betriebsbedingte Kündigungen bei der Merck Accounting-Tochter ausgesprochen werden könnten. „Das ist die arbeitsrechtliche Konsequenz, wenn ein Arbeitsplatz wegfällt“, sagte Heßen. „Gleichwohl streben wir natürlich weiterhin eine sozialverträgliche Lösung an“, so Heßen. „Wir haben dem Betriebsrat umfangreiche Vorschläge gemacht, wie wir die 117 Mitarbeiter der Accounting-Tochter innerhalb der Merck-Unternehmensgruppe versetzen und zu gleichen Gehaltsbedingungen weiterbeschäftigen können.“ Allerdings, so Heßen weiter, habe man dazu „keine rechtlich verbindliche Zusicherung“ gegeben.

Da sich Betriebsrat und Unternehmen bisher nicht einigen konnten, wurde entschieden, eine Einigungsstelle einsetzen. Das ist für Merck ein Novum, wie auch ein Sprecher des Unternehmens einräumt, jedoch generell ein absolut üblicher Vorgang, um zu einer Einigung zu kommen.

Bei der Einigungsstelle treffen sich Arbeitnehmer und Arbeitgebervertreter unter der Leitung eines unabhängigen Vorsitzenden, um im vertraulichen Rahmen eine Lösung für ihre Meinungsverschiedenheiten zu finden. Zwei Treffen der Schiedsstelle hat es bereits gegeben, das dritte und vermutlich finale soll am 14. September stattfinden. Können sich die Parteien trotz Einflussnahme durch den Vorsitzenden nicht einigen, wird ein Vorschlag zur Abstimmung gestellt. Findet sich keine Mehrheit, stimmt auch der Vorsitzende mit. Das mehrheitliche Votum ist für alle Beteiligten bindend.

„Betriebsbedingte Kündigungen wären ein Sündenfall, den wir unbedingt vermeiden sollten.“, sagte Michael Fletterich, Betriebsratsvorsitzender der Merck KGaA, dem Handelsblatt. In seinen 26 Jahren beim Unternehmen habe er keine erlebt.

Der Pharmakonzern Merck, der in diesem Jahr sein 350-jähriges Bestehen feiert, erwartetet ein „herausforderndes“ Geschäftsjahr 2018. Er rechnet mit einem rückläufigen operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Im nächsten Jahr soll das Unternehmen nach den Äußerungen von CEO Stefan Oschmann in allen wichtigen Kennzahlen wieder zulegen.

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