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Milliardär Heinz Hermann Thiele stiftet wieder Unruhe – diesmal bei Knorr-Bremse

Kurz nach seiner Rückkehr in den Aufsichtsrat trennt sich der Milliardär vom Vorstandschef. Jetzt steigt der Druck auf Chefaufseher Klaus Mangold.
13.08.2020 Update: 13.08.2020 - 15:45 Uhr Kommentieren
Der Milliardär mischt sich bei seinen Beteiligungen gern ein. Quelle: AFP
Heinz Hermann Thiele

Der Milliardär mischt sich bei seinen Beteiligungen gern ein.

(Foto: AFP)

Stuttgart, Frankfurt Der Zulieferer Knorr-Bremse sucht schon wieder einen neuen Chef: Bernd Eulitz scheidet Ende des Monats aus dem Unternehmen aus. Diese Nachricht gab Knorr-Bremse am Mittwochabend bekannt. Die Trennung erfolge „im gegenseitigen Einvernehmen“, hieß es in der Ad-hoc-Meldung. Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass man sich finanziell geeinigt hat.

Der Abgang kommt nicht völlig überraschend. „Eigentlich war schon nach drei Monaten klar, dass das nicht passt“, sagt ein Brancheninsider. Grund für das Ausscheiden seien „tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten zu Fragen der Führung und der aktiven Gestaltung unternehmerischer Belange“, teilte das Unternehmen mit. Dies habe zu einer wachsenden Belastung des Verhältnisses zwischen Eulitz und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Mangold geführt, die eine Fortsetzung der Zusammenarbeit unmöglich mache. Mangold übernimmt damit die Verantwortung.

Dabei gilt es als offenes Geheimnis, dass alle großen Entscheidungen Patriarch Heinz Herrmann Thiele trifft. „Die Entscheidung hat weniger mit Herrn Thiele zu tun, sondern mit meinem Anspruch auf die strategischen Herausforderungen des Unternehmens zu reagieren“, sagte Mangold dem Handelsblatt.

Der Autozulieferer ZF hatte kürzlich den Lkw-Bremsenhersteller Wabco übernommen und drängt damit auf einen Kernmarkt von Knorr-Bremse. Mangold erwartet darauf eine strategische Antwort, ebenso beim Thema Autonomes Fahren. Die aktuellen Geschäftszahlen jedenfalls stünden nicht in Zusammenhang mit dem Abgang. Die Aktie des im MDax gelisteten Zulieferers für die Bahn- und Autoindustrie geriet am Donnerstag deutlich unter Druck und gab um rund vier Prozent nach.

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    Dass Eulitz schon nach nicht einmal einem Jahr gehen muss, wirft dennoch kein gutes Licht auf den Aufsichtsratsvorsitzenden. Denn einen CEO zu finden, der dauerhaft auch den Ansprüchen von Mehrheitseigentümer Heinz Hermann Thiele genügt, war Mangolds wichtigste Aufgabe. Der erste Anlauf ist damit kläglich gescheitert.

    Mangold hatte mit dem ehemaligen Linde-Manager Eulitz einen branchenfremden Vorstandschef ausgewählt. Das ist nicht gut gegangen. Der 77-jährige Mangold selbst war zwar in seiner Karriere im Quelle- und auch mal im Daimler-Vorstand, aber dort nur für die IT-Tochter Debis, später Daimler Chrysler Services zuständig. Auch ihm mangelt es an Branchenkenntnis.

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    Der 79-jährige Firmenpatriarch Thiele, der in diesem Jahr vor allem durch den Einstieg bei der Lufthansa Schlagzeilen machte, hat vor wenigen Wochen wieder einen Sitz im Aufsichtsrat eingenommen, um näher am Geschehen zu sein. Das war alles andere als ein Vertrauensbeweis für Eulitz – aber auch für Mangold.

    Dass sich bei Knorr-Bremse die Vorstandschefs seit Jahren die Klinke in die Hand geben, ist man bereits gewohnt. Vorstandschef Klaus Deller musste im April 2019 gehen, weil er zu forsch seine Interessen vertrat. Eulitz wird jetzt laut Unternehmensinsidern sein teamorientierter Führungsstil als Schwäche ausgelegt.

    Auch wenn Aufsichtsratschef Mangold als Handelnder in der Pressemitteilung dargestellt wird, hat letztendlich Thiele als Mehrheitseigentümer bei dem Zulieferkonzern das Sagen. Der Milliardär hat mit seinem nur schwer berechenbaren Führungsstil zudem schon einige Aufsichtsratschefs verschlissen.

    Als er den Chefaufseher-Posten 2016 abgab, folgte ihm mit dem Ex-Bosch-Manager Bernd Bohr ein hochkarätiger Kopf aus der Autozulieferindustrie. Das ging nicht einmal vier Monate gut.

    Hoher Managerverschleiß

    Mit Hans-Georg Härter, damals 71 Jahre alt, sprang ein branchenerfahrener Mann seines Vertrauens ein. Der frühere ZF-Chef brachte etwas Ruhe hinein, musste aber den Posten vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen räumen. Diese waren nicht vorgeschoben, aber ganz unglücklich war Härter Unternehmenskreisen zufolge nicht, die Aufgabe abzugeben.

    Sein Nachfolger Mangold, der als Aufsichtsratschef noch neun Monate unter Vertrag steht, hatte bislang keine glückliche Hand. Nach dem Krach mit dem damaligen Vorstandschef Deller ging auch Finanzchef Ralph Heuwing. Dieser hatte den Sprung auf den Chefposten nicht geschafft, obwohl er maßgeblich den erfolgreichen Teilbörsengang managte. Und nun floppte Eulitz. „ich fühle mich nicht unter Druck“, betonte Mangold.

    Mehrheitsaktionär Thiele, der über seine Familienholding 65 Prozent an Knorr-Bremse hält, ließ sich auf der Hauptversammlung Ende Juni gemeinsam mit Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer und Ex-Airbus-Chef Tom Enders wieder in den Aufsichtsrat wählen. Enders wäre ein industrielles Schwergewicht; er könnte locker auch den Aufsichtsrat führen. Sein einziges Manko: Er könnte ähnlich wie Bosch-Manager Bohr einen für den Patriarchen zu starken eigenen Kopf haben.

    Jetzt übernehmen erst mal übergangsweise die Vorstandsmitglieder Peter Laier, Frank Markus Weber und Jürgen Wilder die Aufgaben von Vorstandschef Eulitz. Aufsichtsratschef Mangold sprach von bereits begonnenen Gesprächen über eine Nachfolgeregelung. „Bei der Suche geht es um Qualität, nicht Schnelligkeit“, sagte er. Die letzte Vorstandssuche hatte Monate gedauert.

    Auch diesmal dürfte nicht einfach werden. Inzwischen weiß jeder in der Branche, dass der Chefsessel bei Knorr-Bremse ein Schleudersitz ist. Und dass branchenfremde Lösungen bei dem Technologiekonzern keine gute Wahl sind, zeigt das aktuelle Beispiel. Eine interne Lösung gilt als unwahrscheinlich.

    „Der Patriarch Thiele muss irgendwann auch mal in seinem Alter an die Zeit nach sich denken und die strategischen Weichen wirklich stellen“, sagt Autoprofessor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach. „Die Erfahrung zeigt, dass auch große Unternehmerpersönlichkeiten im hohen Alter Fehler machen.“

    Experten überrascht dennoch immer wieder, dass trotz der ständigen Personalquerelen das operative Geschäft von Knorr-Bremse vergleichsweise robust ist. Die Umsatzrendite (Ebitda) liegt im ersten Halbjahr bei 17 Prozent und damit mehr als deutlich über dem Branchenschnitt der Zulieferindustrie. Thiele hatte das Unternehmen vom Nischenanbieter zu einem globalen Zulieferkonzern für die Bahn- und die Nutzfahrzeugindustrie gemacht, der rund sieben Milliarden Euro Jahresumsatz im vergangenen Jahr erzielt. In Pandemie-Jahr wird mit einem Umsatzrückgang auf 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro gerechnet.

    Der Manager geht bei Knorr-Bremse am Ende des Monats. Quelle: imago/Sven Simon
    Bernd Eulitz

    Der Manager geht bei Knorr-Bremse am Ende des Monats.

    (Foto: imago/Sven Simon)

    Thiele hatte vor zwei Jahren ein Paket von 35 Prozent zu einem Kurs von 80 Euro an die Börse gebracht und dabei rund vier Milliarden Euro erlöst. Er zählt mit einem Vermögen von über 15 Milliarden Euro zu den reichsten Deutschen.

    Spektakulär verliefen Thieles Einstieg und Auftreten in diesem Jahr bei der angeschlagenen Lufthansa. Unmittelbar vor der Verabschiedung des neun Milliarden Euro schweren Rettungspakets des Bundes im Juni hatte der Unternehmer seinen Anteil auf 15 Prozent erhöht und offengelassen, ob er den Staatshilfen zustimmt oder nicht.

    Am Ende stimmte Thiele dann den Finanzhilfen doch zu, weil die Alternative, die Insolvenz, ein viel zu großes Risiko für alle Beteiligten gewesen wäre. Durch den mittlerweile vollzogenen Einstieg des Staates über eine Kapitalerhöhung ist Thieles Anteil mittlerweile aber wieder auf 12,42 Prozent gesunken.

    Doch die aktuellen Vorgänge bei Knorr-Bremse bestätigen die allgemeine Einschätzung, dass Thiele auch bei der Lufthansa ungeachtet seines gesunkenen Aktienanteils weiter fordernd auftreten wird. „Er wird nicht lockerlassen, auch wenn jetzt wahrscheinlich erst einmal die Zukunftssicherung von Knorr-Bremse Priorität haben dürfte“, vermutet man im Umfeld der Lufthansa.

    Mögliches Interesse an Lufthansa Technik

    Sowieso gibt es recht klare Hinweise darauf, dass Thiele trotz seines hohen Alters bei der Airline langfristige strategische Ziele verfolgt. „Ich will ein stabiler Ankeraktionär sein und diese Rolle aktiv annehmen“, hatte der Unternehmer vor einigen Wochen gegenüber dem Handelsblatt erklärt. Er sei sehr zuversichtlich, dass die Lufthansa nach der Krise wieder als stärkste Airline in Europa dastehen werde: „Als Marke hat sie weltweit eine Strahlkraft fast wie Mercedes.“

    In Luftfahrtkreisen kursieren seit einigen Wochen Gerüchte, dass der Unternehmer etwa auf die Wartungstochter Lufthansa Technik (LHT) schielt. Weil die Einnahmen der Lufthansa durch Corona länger ausbleiben werden, bleibt zur Tilgung der Schuldenlast früher oder später nur der Verkauf von Tafelsilber. Lufthansa Technik könnte dafür grundsätzlich sehr gut geeignet sein. Die Tochter erzielte bis zur Coronakrise gute Ergebnisse, langfristige Wartungsverträge sorgen zudem für einen stabilen Cashflow.

    Mit der Ausrichtung würde LHT gut in Thieles Reich mit den „Mobilitätsdienstleistern“, zu dem neben Knorr-Bremse auch Vossloh zählt, passen. Eine Bestätigung für solche Gedankenspiele gibt es allerdings bisher nicht. Thiele selbst hält sich bedeckt, was seine konkreten Ziele bei der Lufthansa betrifft. Aber es gibt Hinweise. So hat sich der Unternehmer gegenüber dem Handelsblatt dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa Unternehmensteile veräußert – und dabei ausdrücklich die Technik genannt.

    Wegbegleiter von ihm berichten zudem, dass er sich vor Jahren schon für den LHT-Konkurrenten MTU begeistert hatte, der dann aber an den Private-Equity-Riesen KKR ging und mittlerweile sogar in den Dax aufgestiegen ist. „Thiele hat Jura studiert, aber im Herzen ist er Ingenieur“, sagt ein früherer Wegbegleiter Thieles. „Und Thiele denkt langfristig, er kann auf die passende Gelegenheit warten.“

    Bei der Lufthansa kann er nicht so durchregieren wie in seinen Unternehmen. Aber bei Knorr-Bremse hat er im Aufsichtsrat mit Tom Enders einen Mann geholt, der ihm als Chef des ehemaligen Flugzeuglieferanten Airbus auch bei der Lufthansa hilfreich sein kann.

    Mehr: „Tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten“: Knorr-Bremse-Chef Eulitz muss gehen

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