Milliarden-Auftrag Qatar-Airways-Chef stänkert gegen Airbus

Was für eine Blamage: Der Chef von Qatar Airways verspottet den europäischen Flugzeugbauer in der Öffentlichkeit. Einen Riesenauftrag ließ er beinahe platzen. Was er sagte - und wieso der Schaden für Airbus so groß ist.
Update: 15.11.2011 - 13:32 Uhr 22 Kommentare
Der Chef von Qatar Airways Akbar al Baker. Quelle: Pressefoto Qatar Airways

Der Chef von Qatar Airways Akbar al Baker.

(Foto: Pressefoto Qatar Airways)

DubaiChaos auf der Luftfahrtmesse in Dubai: Der Flugzeugbauer Airbus musste vorübergehend um eine milliardenschwere Bestellung aus dem Emirat Katar bangen. Eine angesetzte Pressekonferenz, auf der der Auftrag verkündet werden sollte, platzte am Dienstagmorgen.

Stattdessen spottete der Chef von Qatar Airways, Akbar Al Baker, Airbus sei „immer noch dabei zu lernen, wie man Flugzeuge baut“. Airbus zufolge war der Auftrag zu heiß, um rechtzeitig unterzeichnet zu werden. Ein Sprecher der EADS-Tochter verwies auf zwei geplante Pressekonferenzen in Dubai an diesem Dienstag. Dann könnte es neue Informationen geben. Airbus hatte zuvor einen Milliardenauftrag für 30 Flugzeuge des Typs A320neo aus den USA bekanntgegeben.

Um die Großaufträge wird mit harten Bandagen gerungen. Gestritten wird meist um Lieferbedingungen und Rabatte. Qatar-Chef Al Baker sagte, er habe einen sehr großen Auftrag für Airbus verkünden wollen. Weshalb dies am Vormittag scheiterte, ließ er offen.

Erst nach stundenlanger Hängepartie hat Qatar Airways den erwarteten Milliardenauftrag dann doch noch erteilt. Die arabische Fluglinie gab eine Festbestellung über 50 Mittelstreckenmaschinen des Typs A320neo und fünf Exemplare der doppelstöckigen Großraumfliegers A380 ab. Laut Qatar Airways kommen zu den Festaufträgen noch Optionen für 30 A320neo und die Aussicht auf eine Order für weitere drei A380 hinzu. Laut Preisliste haben die fest bestellten 55 Maschinen einen Gesamtwert von 6,4 Milliarden US-Dollar (4,7 Milliarden Euro). Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich.

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Mit dem neuen Superflieger 787 will der amerikanische Flugzeugbauer Boeing wieder zum Liebling der Luftfahrtgesellschaften werden. Doch so rosig die Zukunft aussieht, so bescheiden ist die Gegenwart. Noch ist der technologische Wundervogel für Boeing ein wirtschaftlicher Alptraum. Das ehrgeizige Outsourcing-Konzept - die meisten Teile des Vogels werden außerhalb des Konzerns gefertigt - hat den Start um Jahre verzögert. Auch der Wettbewerb wird schärfer. Neue Anbieter setzen die etablierten Flugzeugbauer unter Druck.

Airbus A380
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Das bekommt auch Konkurrent Airbus zu spüren. Als Reaktion auf die 787 von Boeing hat jetzt der Bau des A350 begonnen. Mehr als zehn Milliarden Euro haben Airbus und der Mutterkonzern EADS in die Entwicklung des Dreamliner-Konkurrenten investiert. Es ist das mit Abstand wichtigste Projekt des europäischen Flugzeugbauers. Doch nicht nur die Konkurrenz durch den amerikanischen Wettbewerber ist groß - neue, flexible Anbieter machen den alten Platzhirschen zu schaffen. Ein Überblick.

Embraer CEO Botelho adjusts his glasses during Reuters Aerospace and Defense Summit in Washington
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Embraer ist heute der drittgrößte Flugzeugbauer nach Airbus und Boeing. Diesen Erfolg hat das brasilianische Unternehmen vor allem seinem ehemaligen Chef Mauricio Botelho (Bild) zu verdanken. Er übernahm den einstigen Staatsbetrieb kurz nach der Privatisierung 1995, sanierte ihn und brachte ihn wieder auf Kurs. Entscheidend für den Aufstieg des Herstellers war ein Deal mit Continental Express. Die damalige Regionaltochter von Continental Airlines wollte neue 50-Sitzer-Jets. Der brasilianische Flugzeughersteller setzte alles auf eine Karte und machte der Airline ein unschlagbares Angebot. Und tatsächlich ging beim Bau der ERJ 145 alles glatt. Am Ende kaufte die amerikanische Airline 275 Jets. 274 davon flogen auch 2010 noch, einer musste nach einem Unfall abgeschrieben werden.

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Auf dem Erfolg konnte sich Embraer nicht ausruhen. Schon bald wurde die Embraer 170 angeboten, ein völlig neu konzipiertes Flugzeug mit 70 Sitzen, das in seiner verlängerten Version Embraer 195 heute bis zu 110 Passagieren Platz bietet. Bis Ende 2010 verkaufte das Unternehmen 916 Stück der in vier Versionen angebotenen Flugzeugfamilie. Schwierigkeiten gab es allerdings bei der Zuverlässigkeit der Maschinen. Embraer brauchte fast sieben Jahre, um schließlich das gewünschte Niveau zu erreichen. 2009 stieg der Flugzeugbauer schließlich auch ins Militärgeschäft ein. Die brasilianische Luftwaffe beauftragte das Unternehmen damit, ein neues Transportflugzeug mit der Bezeichnung KC-390 zu entwickeln. Der Rumpf dieser Maschine ist breiter als der der Boeing 767.

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Die Modellpalette des brasilianischen Herstellers endet bisher bei Maschinen mit 124 Sitzplätzen, Boeings 737 beginnt bei 150 Sitzen. Pläne für ein größeres Passagierflugzeug hat das inzwischen privatisierte Staatsunternehmen mit 5,9 Milliarden Dollar Umsatz wegen der hohen Entwicklungsrisiken bisher nicht weiter vorangetrieben. Im Frühjahr 2012 haben die Brasilianer eine enge Kooperation mit dem Rivalen Boeing bei der Flugzeugentwicklung besiegelt.

EMBRAER TECHNICIAN
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Für Embraer wäre es eine natürliche Entwicklung, den Sprung von den 110-Sitzern ins Terrain von Airbus und Boeing zu machen. In den Segmenten darunter ist alles abgegrast. Die Brasilianer werden langsam auch Opfer ihres eigenen Erfolges. Viele neue Flugzeugprojekte in China, Japan, Russland, Indien und Kanada sind nicht nur ein Angriff auf Airbus und Boeing, sondern auch auf Embraer. Frederico Curado (Embraer-Chef seit 2007) braucht neue Technologien, um den großen Sprung zu schaffen.

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Das Stehaufmännchen unter den Herausforderern ist der kanadische Hersteller Bombardier. Der Mischkonzern wurde schon oft totgesagt und hat allerlei Krisen überstanden. Gegründet wurde das Unternehmen 1942 von Joseph-Armand Bombardier als L'Auto-Neige Bombardier Limitée in Valcourt bei Quebec. Damals hatte der Konzern noch nichts mit Flugzeugen am Hut, sondern baute Schneemobile. 1989 kaufte Bombardier den nordirischen Flugzeughersteller Short Brothers, der kleine Regionalmaschinen baute. 1990 stiegen die Kanadier beim Business-Jet-Fabrikanten Learjet in Kansas City/USA ein, der zu diesem Zeitpunkt pleite und billig zu haben war. 1992 kaufte Bombardier Boeing dessen verlustbringende Regionaltochter de Havilland Canada ab. So hatte der Konzern sich innerhalb kürzester Zeit ein Konglomerat kleiner Flugzeugbauer günstig zusammengekauft.

Lob gab es dagegen vom Qatar-Airways-Chef für den Airbus-Erzrivalen Boeing. Bei dem US-Hersteller orderte die arabische Fluggesellschaft zwei Frachtflugzeugen vom Typ 777. Das Boeing-Modell sei der beste Frachter der Welt, sagte Al Baker. Laut Preisliste haben die Maschinen einen Gesamtwert von 560 Millionen US-Dollar (409 Millionen Euro). Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich. Am Sonntag hatte die Fluglinie Emirates bereits 50 Passagierflieger aus der 777-Familie fest bestellt.

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22 Kommentare zu "Milliarden-Auftrag: Chef von Scheich-Fluglinie stänkert gegen Airbus"

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  • Man kann Verständnis für den Scheich haben, weil er soeben erfahren haben mag, dass er als Erstkunde für das A350 XWB Projekt zunächst einmal länger warten muss. Er verliert dadurch Prestige gegenüber seinen Wettbewerbern. Qatar Airlines haben meines Wissens 50 A350 bestellt. Ich denke darauf bezog sich der etwas rüde Kommentar des Scheichs.

  • Es wäre jetzt interessant zu erfahren was den ehrenwerten Scheich zu dieser Aussage qualifiziert. Auch wenn ich mir schon die eine oder andere Bockwurst gekauft habe, von deren Herstellung verstehe ich nichts.

  • Gegenfrage: Welche Industrie haben die Araber? Was können die Scheichs außer nach Öl buddeln? Ich kenne keine Produkte aus Arabien.

  • ....wenn es denn es tatsächlich so sein soll, sollte man verzichten. Verzichten auf diesen Auftrag, und nicht dienern und in die Kniee gehen. Mit solchen Menschen, die gezeichnet sind von großspurigen Ölmiliarden lohnt kein Umgang. Bleibt zu hoffen, daß auch hier das Volk sich aufbäumt, und diese Oligarchen in die Wüste verfrachtet werden. Sehe ohnehin die Geschäfte mit dem Orient mit größter Zurückhaltung. Aber es läuft leider umgekehrt, daß wir winseln und uns in unsere Größe von diesen Typen kürzen lassen. Was ist zu tun? Wie schon oben gesagt ein klares Nein auszusprechen.

  • Handelsblatt :"Stattdessen spottete der Chef von Qatar Airways, Akbar Al Baker, Airbus sei „immer noch dabei zu lernen, wie man Flugzeuge baut“.

    Naja, Herr Akbar Al Baker hat bei dieser Aussage sicherlich an den "Fliegenden Teppich" gedacht und der kommt ja bekanntlich ohne die spritfressenden Motoren aus.
    In diesem Zusammenhang ist seine Aussage nachvollziehbar und zeugt von Fachkompetenz.

  • Diese ganzen neuen Flugzeuge braucht die Welt nicht Emirates und Quatar werden ein Teil der Bestellungen in Zukunft wieder Stornieren müssen. Das Internationale Wachstum von den beiden wird bald zuende sein. Um die Restlichen Marktanteile werden sich Lufthansa & Co. stärker kämpfen. Teilweise braucht man für Flüge auch Staatsunterstützung. So ein A320 ist ein Kurzstreckenflugzeug. Der Bedarf in Arabien für so eine Flotte dürfte nicht da sein. In Europa ist für Newcommer der Markt schon zu eng.

    In Dubai dachten die, es ginge auch nur aufwärts. Jetzt kämpft man mit der Finanzierung der Träume.

  • der Dattelklauber soll auf sein Kamel steigen und die Fr.... halten

  • kompromittierende scheiße.
    wir jedenfalls werden nicht kompromittiert..
    die grammatik läuft mir hier vollkommen aus dem Leim.

    also:


    irgendein wichser will anderen wichsern was erklären?

    da komm ich nicht mehr mit.

    und ich will das auch garnicht.
    Ende Gelände.

  • ich bleibe empört.
    am lagerfeuer gilt das als
    "literarische Figur".
    worauf warten?
    auf Godot?
    ich bleibe empört.

  • Wo soll den da der Schaden sein? Das der Bäckersohn (das heißt al baker) mit seinem Schrottfluchhafen (ich war da: unrter aller Kanone!) unter Angeberei und Wirklichkeitsverlust leidet (das aber persönlich gar nicht so empfindet), ist weder neu noch originell, sondern in den Kreisen Berufskrankheit.
    Jedenfalls fliegt Qatar Air Airbus-Muster und kauft sie weiter. Auf wen der Vorwurf der Ignoranz dann zurückfällt, lässt sich leicht abschätzen.

    Was ich hier nicht gelsen habe, ist eine stichhaltige Begründung, wie das denn Airbus schadet. Diese wird auf der Hauptseite reißerisch angekündigt.
    Also:
    HANDELSBLATT, BLEIB' BEI DEINEM LEISTEN!

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