Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Milliardenprozess gegen Daimler-Chrysler Schrempp muss erneut aussagen

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp muss am Montag erneut im Kerkorian-Prozess vor dem US-Bezirksgericht in Wilmington aussagen.

HB WILMINGTON/STUTTGART. Die Anwälte des US-Milliardärs Kirk Kerkorian, der den Stuttgarter Konzern auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagt hat, werden noch einmal versuchen, Schrempp mit kniffligen Fragen ins Schwitzen zu bringen. Sieben Stunden hat Richter Joseph Farnan für den Termin angesetzt. 420 Minuten für Daimler-Chrysler, einen höchst peinlichen Verfahrensfehler zu erklären.

Mitte Dezember hatten die Anwälte des Autoriesen 61 Seiten handschriftlicher Prozessunterlagen präsentiert, die eigentlich schon längst der Gegenseite hätten überreicht werden müssen. Es handelt sich um Notizen des damaligen Chrysler-Finanzchefs Gary Valade über die Fusionsverhandlungen mit Daimler-Benz. Das Verfahren wurde ausgesetzt, zuletzt entschied Richter Joseph Farnan auf Antrag der Kerkorian-Anwälte, dass Schrempp noch einmal den Flieger gen USA nehmen muss.

Auch der ehemalige Chrysler-Präsident Thomas Stallkamp ist in Wilmington vorgeladen. Ob er am Montag oder am Dienstag aussagt, ist noch offen. Daimler-Chrysler spricht von zwei „starken Zeugen“, mit denen man den Fall positiv abschließen wolle. Schrempp sehe dem Kreuzverhör gelassen entgegen. Bei seiner ersten Zeugenaussage im Dezember hatte der passionierte Schachspieler mit stoischer Ruhe alle Fragen beantwortet. Der Zusammenschluss mit Chrysler vor sechs Jahren sei immer als „eine Fusion unter Gleichen“ geplant gewesen.

Der Dokumenten-Patzer seiner Anwälte dürfte aber auch den Instinkt-Manager Schrempp mächtig genervt haben. Zwar hat ein Sonderrichter den Konzern vom Vorwurf des Vorsatzes entlastet. Aber ein finanzielles Nachspiel ist in diesem Punkt möglich. Richter Farnan könnte Daimler-Chrysler sämtliche, seit der Unterbrechung entstandene Prozesskosten in Rechnung stellen. Das wäre angesichts der Gesamtkosten keine Unsumme, aber zumindest pikant, weil Kerkorians Anwälte dann teilweise indirekt von den Stuttgartern entlohnt würden.

Kerkorian und seine Investmentgesellschaft Tracinda werfen dem Autobauer Betrug vor. Die Fusion zwischen Daimler-Benz und Chrysler sei 1998 von deutscher Seite von Anfang an als Übernahme eingefädelt worden. Deshalb hätte Kerkorian, damals größter Anteilseigner an Chrysler, eine höhere Prämie beim Aktienumtausch zugestanden. Jetzt wollen Kerkorian und Tracinda mindestens 1,2 Mrd. Dollar (rund 960 Mill. €) als Entschädigung. Daimler-Chrysler weist diesen Vorwurf zurück. Niemand sei über die Details der Fusion getäuscht worden. Mit einem Urteil wird im Frühjahr gerechnet.

Startseite
Serviceangebote