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Minenunternehmen Die Pearl Gold AG verstrickt sich in einen Goldkrimi

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen Vorstand der Pearl Gold AG: Ihm werden Insolvenzverschleppung, Untreue und Bankrott vorgeworfen.
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Pearl Gold AG verstrickt sich in einen Goldkrimi Quelle: dpa
Goldbarren

Die Aktionäre der Pearl Gold AG sind vermutlich betrogen worden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Seine Worte versetzten die Investoren in Angst und Schrecken. Er könne sich die Massenentlassungen in ihrer Goldmine in Mali nicht erklären, schrieb Vorstandschef Michael Pacha im Februar 2015 an die Aktionäre der Pearl Gold AG. Dies könne nur heißen, dass die Betreibergesellschaft Wassoul’Or „insolvent ist und eine schnelle Lösung der Finanzprobleme nicht bevorsteht“.

Schlechtere Nachrichten hätte es nicht geben können. 25 Prozent hielt die Pearl Gold AG an dem Minenunternehmen in Mali, andere Beteiligungen gab es nicht. Pacha war kaum sechs Monate Vorstand, da präsentierte er seinen Investoren eine Sammlung von Zeitungsartikeln über Wassoul’Or.

Sie „zeigen die vollständige Unfähigkeit des Managements“, schrieb der 50-jährige Unternehmer. Um weitere Nachrichten nicht zu verpassen, empfahl er den Aktionären, „regelmäßig die Website der Pearl Gold zu konsultieren“. Einen Monat später beantragte Wassoul’Or ein Schutzschirmverfahren. Im Juni 2016 stellte die Pearl Gold AG einen Insolvenzantrag.

Die Anleger der Goldgrube standen vor einem Totalverlust. Nun stehen sie vor einem Kriminalfall. Nach Informationen des Handelsblatts war das Ende der Mine in Mali nur ein Scheintod. Er sollte Anleger in die Flucht schlagen, damit niemand Geschäfte hinterfragte, die im Hintergrund liefen.

Pacha soll, so die Staatsanwaltschaft, weit unter dem Marktpreis Lieferrechte für 10.000 Feinunzen Gold an eine Drittfirma verkauft haben. Der Deal sei so ungünstig gewesen, dass er das Grundkapital der Gesellschaft halbierte. Der Aktienkurs der Pearl Gold AG, der Anfang 2012 noch bei mehr als 13 Euro lag, fiel auf 30 Cent.

Zwar entsprang das Interesse der Anleger dem Traum von ungeheuren Bodenschätzen in Mali. Der Goldkrimi ist aber kein afrikanischer. Seine Spuren führen nach Frankfurt. Dort hat neben Pearl Gold auch die Rechtsanwaltskanzlei Belmont Legal ihren Sitz. Ihr Partner Lutz Hartmann war Außenhandelsberater der französischen Regierung und Mitglied im Vorstand des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft – ein Mann mit Verbindungen.

2012 wurde er Vorstandsvorsitzender der Pearl Gold AG. Ihr Gründer, der malische Geschäftsmann Aliou Diallo, zog in den Aufsichtsrat ein.

Medieninteresse geweckt

Es war eine glückliche Verbindung, sagte Diallo damals. Die mit deutschem Anlegergeld finanzierte Pearl Gold AG kam nicht als Kolonialherr nach Mali. Diallo habe alle Angebote internationaler Goldförderkonzerne für seine Mine Wassoul’Or abgelehnt, weil er die Kontrolle behalten wollte.

Investoren mussten malischen Staatsanleihen vertrauen, die Diallo als Sicherheit bot. Zwar sei Hartmann skeptisch gewesen, berichtete Diallo. Doch dann habe ihn das Potenzial der Mine überzeugt. Auf der Einweihungsfeier der Mine 2012 goss das malische Staatsoberhaupt Amadou Toumani Touré den ersten Goldbarren. Diallo führte den glänzenden Edelmetallblock stolz im Fernsehen vor. Auch Lutz Hartmann durfte anfassen.

Das Projekt erregte Aufmerksamkeit. Die „Börsen-Zeitung“ berichtete sowie die „Frankfurter Allgemeine“. Dass eine deutsche Firma in einem afrikanischen Bürgerkriegsland eine Goldmine mit lokalen Eigentümern unterstützte, hatte Charme. Das Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“ wählte als Überschrift: „Gute Mine“.

Im Frühjahr 2014 trat Hartmann als Vorstand ab. Seinen Posten übernahm Michael Pacha, der vier Prozent an Pearl Gold hielt. Ab diesem Zeitpunkt begannen die Ungereimtheiten.

Seit Amtsantritt legte Pacha nur einen einzigen Geschäftsbericht vor. Hauptversammlungen wurden einberufen, verschoben, abgesagt. Am 20. Februar 2015 erklärte Pacha das Management des Minenbetreibers für unfähig. Eine Woche später verkaufte er Goldlieferrechte aus der Mine zu einem Preis für 175 Euro je Feinunze. Der Marktpreis damals: 1.080 Euro.

Schon das, sagt heute die Staatsanwaltschaft, lege Untreue nahe. Die Details sind noch dunkler. Das Konto bei der Frankfurter Volksbank, auf die der Käufer das Geld überwies, gehörte nicht der Pearl Gold AG, sondern Belmont Legal – der Kanzlei von Pachas Vorgänger Hartmann.

Statt glitzernder Goldbarren nur rostende Rohre

Nach Informationen des Handelsblatts wurde der Betrag, der sich Ende 2015 noch auf dem Konto befand, an die Pearl Gold AG weitergereicht. Vorher jedoch flossen erhebliche Beträge aus Monaco und Dubai auf das Konto – beides Orte, an denen sich Pacha früher aufhielt. Pacha ließ hierzu alle Fragen unbeantwortet, Hartmann lehnte eine Stellungnahme mit Hinweis auf das Mandatsgeheimnis ab.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt nimmt an, Pacha habe das Gold zum Spottpreis an sich selbst verkauft. Sie führt neben Pacha auch Stefan M. als Beschuldigten. Er ist Geschäftsführer der Gesellschaft, die die Lieferrechte für 10.000 Unzen erwarb. Auch M. erhielt Zahlungen von dem Konto, das Hartmanns Kanzlei führte. Die Ermittler stufen M. als Strohmann ein – vorgeschoben von Pacha.

Der hielt für die Außenwelt eine möglichst hässliche Fassade aufrecht. Im Juni 2016 stellte er einen Insolvenzantrag. Dem Insolvenzverwalter Fabio Algari präsentierte Pacha Bilder der Goldmine, die das Schlimmste nahelegten: statt glitzernder Goldbarren nur rostende Rohre, dazwischen Bauschutt und Abfall. Später legte Pacha ein Gutachten nach, das den Wert der Mine auf einen Bruchteil des prognostizierten Betrags taxierte: 26 Millionen US-Dollar.

Als er im Januar 2018 selbst nach Mali flog, erlebte Algari eine Überraschung. Zwar fand er die rostigen Rohre, die Pacha ihm gezeigt hatte. Die Aufnahmen stammten aber nicht aus der Goldmine, sondern von einer benachbarten Müllkippe. Algari gab selbst ein Wertgutachten in Auftrag. Die Deutsche Montan Technologie ermittelte den Wert der Goldmine mit 345 Millionen Dollar, zuzüglich 47,6 Millionen Dollar für Goldlieferrechte.

Sowohl der Insolvenzverwalter als auch die Staatsanwaltschaft würden Pacha gern fragen, wie solche Differenzen möglich sind. Doch beide können den Ex-Vorstand nicht erreichen. Im Oktober 2018 stellte die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein Rechtshilfeersuchen an ihre Kollegen in Monaco und Dubai. Pacha soll sich derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhalten.

Juristische Scharmützel

Im Hintergrund toben juristische Scharmützel um aktien- und gesellschaftsrechtliche Fragen. Paschas Firma Koh-I-Noor Capital Ltd. klagte gegen den Beschluss der Pearl Gold AG, ihm das Vertrauen zu entziehen. Über seine Firma hält Pacha noch immer stattliche Anteile und könnte Abstimmungen und Entscheidungen beeinflussen. Befreit sich die Gesellschaft aus dem Insolvenzverfahren, könnte Pacha zu den ersten Profiteuren der Krise gehören.

Die Gesellschaft kommt nicht von ihm los. Bis November 2017 war der inzwischen Beschuldigte der Vorstand der Gesellschaft. Dabei hatte er schon ein Jahr zuvor Insolvenz angemeldet und wurde von seinen Aktionären verklagt. Insolvenzverwalter Algari stellte eine Strafanzeige gegen ihn. Erst dann trat Pacha zurück – seither ist er nicht auffindbar. Auch auf Anfrage bei seinen anderen Unternehmen erhielt das Handelsblatt keine Auskunft. Er sei in Meetings oder auf Reisen – und nicht zu sprechen.

Seit Januar 2018 waltet Julia Boutonnet als Vorstandsvorsitzende. Die Juristin besitzt 1.000 Aktien an der Pearl Gold AG, ihr verstorbener Vater hielt einst 1,2 Millionen Stück. Auf Fragen des Handelsblatts verweist sie an den Insolvenzverwalter. Die Aktionäre erhielten von Boutonnet immerhin einen Brief.

„Es liegen schwierige Jahre hinter der Gesellschaft“, schrieb die Chefin, doch bessere Zeiten stünden bevor. Um die Vertrauenskrise zwischen der Geschäftsführung und ihren Aktionären zu überwinden, wolle Boutonnet eine „angemessene Kommunikation“ wiederherstellen, hieß es. Das war im Juni 2018. Seither haben die Aktionäre nichts mehr von der neuen Vorstandschefin gehört.

Mehr: 2010 brachte der Unternehmer Aliou Diallo die Pearl Gold AG an die Börse. Doch im vergangenen Jahr musste er sich selbst wegen dubiosen Deals mit Airbus rechtfertigen.

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