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Mitarbeiter-Schelte Brandbrief von Würth verärgert IG Metall

Der Unternehmer Reinhold Würth hat mit einem Brandbrief an seine Mitarbeiter den Unmut der IG Metall auf sich gezogen. Darin kritisiert er seine Außendienstmitarbeiter scharf und droht mit drastischen Konsequenzen.
12.09.2012 Update: 13.09.2012 - 12:10 Uhr 14 Kommentare
Der Unternehmer Reinhold Würth sorgt mit einem Brandbrief an seine Mitarbeiter für Unmut bei der IG Metall. Quelle: dpa

Der Unternehmer Reinhold Würth sorgt mit einem Brandbrief an seine Mitarbeiter für Unmut bei der IG Metall.

(Foto: dpa)

Schwäbisch Hall/Künzelsau Die IG Metall hat verärgert auf einen Brandbrief von „Schraubenkönig“ Reinhold Würth an seine Mitarbeiter reagiert. Heide Scharf, Bevollmächtigte der Gewerkschaft für Schwäbisch Hall, forderte am Mittwoch einen Betriebsrat und einen Tarifvertrag für die Würth-Mitarbeiter.

Die „Absatzwirtschaft“ und die „Stuttgarter Zeitung“ hatten Auszüge des siebenseitigen Briefes veröffentlicht. In dem Schreiben liest der Vorsitzende des Stiftungsaufsichtsrates der Künzelsauer Würth-Gruppe seinen Außendienstmitarbeitern kräftig die Leviten.

Im ersten Halbjahr 2012 hätten sie nur 3,3 Prozent Wachstum erzielt. Dabei wolle der Konzern bis zum Jahr 2020 20 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften, also die Erlöse in den kommenden acht Jahren verdoppeln. Wegen der „miserablen Umsatzzuwachsrate“ des ersten Halbjahrs könne der Firmengewinn so unter Druck geraten, „dass wir uns von Außendienstlern, die vielleicht nicht mehr als ihre eigenen Kosten verdienen, trennen müssten“.

Würth zitiert die Weisheit „Morgenstund' hat Gold im Mund“ und legt den Außenmitarbeitern nahe, sich ein Beispiel am Innendienst zu nehmen. Die Angestellten in der Zentrale seien mit Mittagspause von 7.30 bis 17.15 Uhr im Dienst. „Sind Sie um 7.30 Uhr beim ersten Kunden?“

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    Seine 63-jährige Berufserfahrung sage ihm, dass ein großer Teil der Außendienstmitarbeiter die Arbeitszeit nur zu 60 bis 70 Prozent nutze. „Ausdrücklich: Ich denke nicht daran, den Außendienst abzuschaffen, appelliere aber an Sie alle, die Geduld der Zentrale nicht zu überfordern.“

    Die Gewerkschaft ist entsetzt: „Eine solche Schärfe, was den Vertrieb angeht, kenne ich nur aus dem Betrieb Würth“, sagte Scharf. Trotz knapp 66.000 Mitarbeitern weltweit und mehreren tausend in der Region gebe es bei Würth keinen Betriebsrat - nur einen Vertrauensrat ohne jegliche rechtliche Grundlage. Es sei höchste Zeit, einen Betriebsrat zu wählen, forderte sie. Auch müssten die Gehälter der Angestellten tarifgebunden sein.

    Norbert Heckmann, Vorsitzender der Würth-Geschäftsführung, antwortete schriftlich auf die Veröffentlichung des Briefes: Ziel sei es, die Kunden zu begeistern. „Daher ist die Führung leistungsbezogen und darauf aus, eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit zu generieren, getreu unserer Kulturregel "Je größer der Erfolg umso höher die Freiheitsgrade".“

    Auf die Forderungen der IG Metall nach einem Betriebsrat teilte Heckmann mit, der Vertrauensrat vertrete die Interessen der Mitarbeiter gegenüber dem Arbeitgeber seit 30 Jahren „zu einer hohen Zufriedenheit der Arbeitnehmer“. Zudem gebe des einen Hausrahmentarifvertrag, der sich am Metalltarif orientiere - „wovon unsere Mitarbeiter profitieren“.

    • dpa
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    14 Kommentare zu "Mitarbeiter-Schelte: Brandbrief von Würth verärgert IG Metall"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Aber ich glaube dem Reini seine Sekretärin is schuld. Reini wollte das nicht. Sie hat ihm einfach die falschen Adressen in den Brief geschrieben. Das Management sollte Post bekommen. Weil Reini weiß das besser. Klingt komisch is aber so....

      Neulich an der Uni Karlsruhe, eine Abhandlung vom Reini zum Thema Außendienst.

      Auszug:

      ..."diese Erkenntnis sollte jede Unternehmensleitung von dem Fehlschluss abhalten,
      dass der Verkaufsaußendienst nichts taugt, wenn die Zahlen schlecht sind. Dieser
      Fehlschluss ist weit verbreitet, weil er naheliegt und weil er das Management
      entlastet. Aber erstens wird unter „Zahlen“ für gewöhnlich nur der Umsatz verstanden
      und zweitens muss man die Ursachen für den bleibenden Misserfolg eines
      Außendienstes meistens nicht bei den Verkäufern, sondern beim Management
      suchen. Es erweist sich in diesen Fällen sehr häufig als unfähig, ein geeignetes
      Ambiente für das Abbrennen eines energetischen Feuerwerks zu schaffen"....

      Hääää, wat denn nu

    • Meine Güte jetzt muß ich mich hier mal melden. ICH bin einer der diesen Brief bekommen hat und auch einer den es betrifft.Wie kommt das???
      So wie mir geht es unzähligen Außendienstlern bei diesem Ferein. Mal was zu Rechnen, gut aufgepasst.
      Nach vielen erfolgreichen Jahren und einem guten Jahr 2011 und einem reellem Verdienst Schreiben wir jetzt das Jahr 2012.
      Hier mal die Zahlen aus den ersten drei Monaten.
      Plansoll: über 23 % Steigerung zum Vorjahr
      Umsatz: 20 % über Vorjahr
      bedeutet: gehen sie nicht über Los, keine Sollerfüllung
      UND DAS BEI 20% STEIGERUNG im Rohertrag!!!!!!
      Geldbeutel: knapp 30% !!!!! weniger als 2011 Jan-März
      da zusätzlich noch diverse "Prämienänderungen" vorgenommen wurden.
      Das Motiviert natürlich, is klar.
      Jetzt die Arbeitszeiten bei 24 Tage Urlaub (Innendienst 30)
      Die von Herrn Würth genannten Zeiten beziehen sich auf den Außendienst!!!! Büro ist Abends!!!
      Aber der Innendienst, der ja bekanntlich sehr pünktlich ist, hat dann Feierabend. FINDEN SIE DEN FEHLER!!!!! Herr Würth.
      Aber ein Lob muß ich unbedingt loswerden. Wer Würth in seinem Lebenslauf stehen hat, braucht sich keine Sorgen zu machen. Gute Ausbildung, sagen andere Unternehmen. :-)
      Dieses haben neben mir schon diverse ADs in den letzten Monaten erkannt und haben sicherlich auch mit einem weinenden Auge das Unternehmen verlassen.
      Aber alles wird Gut, ab jetzt gibt es Ferseher für jeden der gut ist. Hochachtung.

    • Machen wir es doch, wie es Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth in seinem Brief gemacht hat und rechnen einmal nach.

      187.600.000 € Gesamtkosten Außendienst (steht im Brief)
      3.000 Außendienstler
      = 62.533,33 Kosten pro Außendienstler
      Niedrig geschätzte 7200 € Kosten für Fahrzeug, Arbeitsmittel, Nebenkosten und Spesen.
      ergibt 55.333,33 € Arbeitskosten pro Außendienstler
      Arbeitskosten sind ca. 121% vom Bruttolohn (lt. Wikipedia)
      also kommen wir auf 45.730,03 Bruttolohn pro Außendienstler
      Arbeitszeit laut Brief: 8,75 h pro Tag (ohne Pausen)
      Arbeitstage 250 pro Jahr (inkl. Urlaub und Krankheitstage)
      Anzahl Stunden 2187,5

      Also Durchschnittlicher Stundenlohn: 20,91 € für Außendienstmitarbeiter.

    • Würth sollte seine Vertrieb zuerst mal effizienter gestalten. Den neuen Katalog muss man z.B. nicht immer persönlich abliefern.
      Um 7:30 Uhr will ich noch keinen Besuch empfangen. Da erledige ich erst mal meine Post (der Vertreter wohl auch) und sehe zu dass der Laden ins Laufen kommt. Besuchstermine gibt es erst nach dem Vesper.

      Das ist doch nicht das erste Problem dieser Art? Ich meine dass da früher schon mal was war, es ging um die Autos der Vertriebler.

      Aber jetzt muss ich doch auch etwas positives erwähnen: Bei Würth Elektronik bekam ich auch als Start-Up immer eine kompetente Beratung und auch kostenlos Muster. Das ist nicht selbstverständlich. Und wird sich auch im Preis niederschlagen (der in meinem Fall nicht die entscheidende Rolle spielt). Mehrmonatige Lieferzeiten wie bei anderen Lieferanten habe ich hier auch noch nicht erlebt.

    • "Im ersten Halbjahr 2012 hätten sie nur 3,3 Prozent Wachstum erzielt."

      NUR (!) 3,3% Wachstum im ersten Halbjahr. Der Typ ist wohl dem Grössenwahn verfallen. Worauf auch die geplante Umsatzverdoppelung bis 2020 schliessen lässt. Obwohl, bei der aktuellen Inflation von rund 7% p.a. passt es doch wieder.....

    • Tja, die Generation R (Rentner & Raffke) kann nicht genug bekommen. Vor allem möchte ich gerne die Kunden sehen, die um 6:30 schon das erste Verkaufsgespräch führen.

    • Stichwort Zukäufe: Der Zukauf "Baumarkt-Großhandel" ist ja auch voll nach hinten los gegangen! Aber nicht wegen der Mitarbeiter, sondern wegen des Chefs (und seines Rufs/Gelds) selbst! Die Baumärkte wollen mit W. nix zu tun haben. Hier war die oberste unternehmerische Entscheidung falsch. Steht das auch im "Brandbrief"?

    • Super Firmenkultur: Innendienst GEGEN Aussendienst. Willkommen im 19.Jahrhundert. Ist ja toll, wenn der Aussendienst um 7.30 beim Kunden ist, aber was ist wenn der Kunde noch nicht will??? Den "Alten" einfach wegsperren.

    • Es wird der Tag kommen an dem der seröse Akquisiteur wieder gefragt ist. Die penetranten Verkäufer werden von der Bildfläche verschwinden, weil die Menschen der Neuzeit sich nicht mehr überrumpeln lassen. "Herr Würth nehmen Sie doch mal den Koffer in die Hand und spielen Sie mal "Under-Cover" mit sich selber. Dann wissen auch Sie einmal was es heißt: "Es ist zum Kotzen!"

    • Würth hat in den letzten Jahren die Umsätze doch hauptsächlich durch Zukäufe gesteigert. Jetzt ist wahrscheinlich alles abgegrast. Außerdem sind die Produkte zu teuer und die Außendienstler zu penetrant. Verständlich bei dem internen Druck aber bestimmt nicht kundenfreundlich. Unser Würth-Außendienstler darf uns nur noch maximal 2x pro Jahr besuchen und außerdem darf er nicht anfangen, den Katalog von vorn nach hinten durchzublättern um alle Produkte zu präsentieren. Sorry Herr Würth, auch bei uns ist Zeit Geld.

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