Mitfahr-Plattform Boschs überraschende Großoffensive bei Mobilitätsdiensten

Der Autozulieferer übernimmt das Mobilitäts-Start-up SPLT – und tritt in Konkurrenz zu Daimler und Uber.
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Bosch tritt in Konkurrenz zu Daimler und Uber Quelle: Reuters
Volkmar Denner

Der Bosch-CEO will mit Mobilitätsdiensten zweistellig wachsen.

(Foto: Reuters)

StuttgartBosch startet eine große Offensive bei Mobilitätsdiensten: Wie Bosch-Chef Volkmar Denner am Mittwoch auf der Konferenz „Bosch Connected World 2018“ in Berlin bekannt gab, übernimmt der Stuttgarter Automobilzulieferer das US-Start-up SPLT, das unter anderem Mitfahrgelegenheiten für Firmenkunden vermittelt.

Damit steigen die Schwaben in einen weiteren Wachstumsmarkt ein: Bis 2022 soll die Anzahl der Nutzer von Ride Sharing – Apps für Fahrgemeinschaften sowie zur Vermittlung von Fahrdiensten und Taxis – weltweit um 60 Prozent auf 685 Millionen steigen.

Der weltgrößte Automobilzulieferer positioniert sich so endgültig gegen seine bisherigen Kunden wie Daimler, Volkswagen und BMW. Bosch greift mit der Akquisition von SPLT allerdings nicht nur auf dem Markt für Mobilitätsplattformen an, auf dem etwa Daimler mit der App Moovel mitmischt. Der Konzern drängt auch auf das Terrain des Taxi-App-Giganten Uber.

Das sind die innovativsten Unternehmen Europas
Platz 10: Technicolor
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Gerade noch in die Top-10 der fleißigsten europäischen Ideengeber hat es das Unternehmen Technicolor geschafft (745 Anträge). Die Franzosen sind vor allem im Elektronikbereich sowie im Bereich Mediendienstleistungen tätig.

Platz 9: Alcatel-Lucent
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Der Telekommunikationskonzern Alcatel-Lucent ist Frankreichs innovativster Konzern, zumindest wenn man nach den Patentanmeldungen in Europa geht. Demnach stellte Alcatel-Lucent im vergangenen Jahr 769 Anträge. In seiner jetzigen Form ist der Telekommunikationskonzern 2006 nach der Fusion von Alcatel und Lucent Technologies entstanden. Ex-Vodafone Geschäftsführer Michel Combes steht seit Februar 2013 an der Spitze des Unternehmens.

Platz 9: Bayer
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Deutschlandweit der viertfleißigste Ideengeber ist der Pharma- und Chemiekonzern Bayer. Europaweit schafft es das Unternehmen auf Platz Neun. 809 Patente reichten die Leverkusener 2014 beim europäischen Patentamt ein. Weltweit erwirtschafteten 115.000 Mitarbeiter 2014 40,2 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 7: DSM
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Die niederländische Firma DSM (Abkürzung für "De Stats Mijnen") schickte im vergangenen Jahr 854 Anträge an das Europäische Patentamt. DSM produziert neben Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln auch Methoden zur Entspiegelung von Solarzellen, um sie so effizienter zu machen.

Platz 6: Nokia
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Mit 1.040 Patentanträgen in Europa gehört Nokia zu den innovativsten Unternehmen des Kontinents. 2014 war das erste Jahr, in dem die Finnen auf Eingebungen ihrer Handysparte verzichten mussten. Ab 25. April übernahm Microsoft endgültig die Mobilfunk-Sparte der Finnen.

Platz 5: Ericsson
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Auf Platz fünf der fleißigsten europäischen Ideengeber hat es der schwedische Telekommunikationsspezialist Ericsson geschafft (1.347 Patentanmeldungen). In einem Patentstreit bezichtigen die Schweden den Branchenriesen Apple derzeit, 41 seiner Patente verletzt zu haben. Unter anderem geht es um Chipdesign, Ortungsdienste und Elemente des Mobilfunkstandards LTE.

Platz 4: Bosch
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Mit Bosch schafft es gleich das dritte deutsche Unternehmen in die Top-10 der europäischen Patentanmelder. 2014 wollten sich die Baden-Württemberger 1.438 Ideen schützen lassen. 2013 fuhr Bosch knapp 1,3 Milliarden Euro Gewinn ein, bei 46 Milliarden Euro Umsatz.

Denn weder Moovel noch Uber haben bislang Unternehmen und Pendler im Fokus. SPLT mit 140.000 Kunden setzt genau da an. Auf der Plattform können Unternehmen, Universitäten oder Stadtverwaltungen Fahrgemeinschaften für ihre Mitarbeiter organisieren. Anders als bei anderen Mitfahrgelegenheiten müssen die Kunden nicht bei völlig Fremden ins Auto steigen. „Zusammen mit Bosch sehen wir gute Chancen für weltweites Wachstum“, sagte Anya Babbitt, Mitgründerin und CEO des Detroiter Start-ups. Den Kaufpreis nannten beide Seiten nicht.

Inzwischen verfügt Bosch über insgesamt 20 Services aus dem Bereich „Shared Mobility“. „Mit der Vernetzung denken wir nicht nur Autos neu, sondern auch die Art, wie wir Verkehrsmittel nutzen“, sagte CEO Denner. In der neuen Sparte Mobilitätsdienste arbeiten bereits 600 Bosch-Mitarbeiter. Doch in Zukunft dürfte der Automobilzulieferer dort kräftig aufstocken: Denn bis 2025 werden einer Prognose des Beratungsunternehmens PwC zufolge mehr als 470 Millionen vernetzte Fahrzeuge weltweit unterwegs sein. Bereits in vier Jahren soll das Marktvolumen für Mobilitätsdienste und digitale Services 140 Milliarden Euro betragen.

Auf solche Untersuchungen stützt Bosch seine Strategie. „Das vernetzte Fahren ist für Bosch ein Wachstumsfeld. Bosch strebt mit seinen Lösungen ein deutlich zweistelliges Wachstum an“, sagte Denner.

Der Bosch-Chef stellte zudem digitale Dienste für Elektrofahrzeuge vor: So weiß das Elektroauto mithilfe der Bosch-Technik künftig, wann der Strom ausgeht, aber auch, wo neuer Strom zu holen ist. Durch sparsame Steuerung mithilfe digitaler Karten und Verkehrsinformationen soll die Kraft der Batterie optimal genutzt werden. Bosch will damit die  „Reichweiten-Angst“ überwinden, die Kunden vom Kauf von E-Autos abhält.

Eine weitere neue Dienstleistung hilft, beim Laden des E-Autos zu Hause die Energiebilanz zu verbessern. Das Elektroauto wird dafür ins Stromnetz des Smart Homes integriert, seine Batterie ergänzt den stationären Stromspeicher für die Photovoltaik-Anlage.

Überschüssiger Solarstrom wird tagsüber vom Auto aufgenommen und nachts bei Bedarf wieder eingespeist. „Für Bosch geht Mobilität über das Auto hinaus“, betonte Denner.

Die Schwaben haben bereits 38 Millionen internetfähige Produkte im vergangenen Jahr verkauft. 6,2 Millionen Sensoren, Geräte und Maschinen vernetzen sich schon heute über die „Bosch IoT Suite“ mit Nutzern und Unternehmensanwendungen.

Bosch rechnet damit, dass bis 2020 der Smart-City-Markt jährlich um 19 Prozent auf 700 Milliarden Euro wachsen wird. Um da mitzuspielen, baut der Konzern für 300 Millionen Euro ein eigenes Zentrum für künstliche Intelligenz auf. Es ist der nächste Schritt nach der digitalen Vernetzung.

Die massiven Investitionen in neue Technologien kann sich Bosch wegen des starken Stammgeschäftes leisten. Mit einem Umsatzplus von 6,7 Prozent auf 78 Milliarden Euro hatte Bosch 2017 ein starkes Jahr. Das operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um eine Milliarde Euro auf 5,3 Milliarden Euro. Das entspricht einer Erhöhung der Umsatzrendite von 5,8 auf 6,8 Prozent. Allerdings ist Denner für dieses Jahr vorsichtig und plant nur mit einem Wachstum zwischen zwei und drei Prozent.

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1 Kommentar zu "Mitfahr-Plattform: Boschs überraschende Großoffensive bei Mobilitätsdiensten"

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  • Bosch - Mobilitätsanbieter?
    Da sind sie etwas spät dran - hätten lieber mal mit BMW und Daimler und VW zusammen gearbeitet - here, car2go, mytaxi, drivenow - alles eingeführte Produkte.
    Der Markt ist aufgeteilt.

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