Mobileye, Qlight Nanotech Warum es deutsche Gründer ins Silicon Wadi zieht

Es war das größte Geschäft in der Geschichte der High-Tech-Branche Israels. Chip-Gigant Intel hat sich das Start-up Mobileye einverleibt. Wie VW, Bosch und Daimler ziehen nun auch deutsche Mittelständler ans Mittelmeer.
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Tel Aviv ist das Zentrum der Start-up-Szene Israels. Ins Silicon Wadi zieht es auch immer mehr mittelständische Unternehmen aus Deutschland. Quelle: Imago
Silicon Wadi

Tel Aviv ist das Zentrum der Start-up-Szene Israels. Ins Silicon Wadi zieht es auch immer mehr mittelständische Unternehmen aus Deutschland.

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Tel AvivStrand, Sonne und Start-ups: Israel gilt neben dem kalifornischen Silicon Valley als weltweite Innovationshochburg. Mehr als 5.000 Start-ups gibt es laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger in Israel. Für deutsche Unternehmen scheint das Engagement in dem Land am Mittelmeer ein Muss: „Die Zahl der Firmen, die in Israel auf irgendeine Art Innovation suchen, liegt im dreistelligen Bereich“, sagt Projektleiter Gregor Schlosser von der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer in Tel Aviv.

Nach den großen Unternehmen wie VW, Bosch und Daimler kämen nun auch die Mittelständler. So informiert sich aktuell etwa die CAS-Gruppe aus Karlsruhe über israelische Start-ups. Der Software-Hersteller hat mehr als 500 Mitarbeiter und hatte 2016 mehr als 55 Millionen Euro Umsatz.

„Security, Smart Data und künstliche Intelligenz – das sind die drei Bereiche, die uns interessieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende der CAS Software AG, Martin Hubschneider, in Tel Aviv. „Das sind aus unserer Sicht auch die Stärken hier.“ Hubschneider bereist aktuell mit einer 80-köpfigen Wirtschaftsdelegation und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann Israel.

Das Unternehmen hat eine Software-Plattform entwickelt, mit der Firmen ihre Kundenkommunikation und ihre allgemeinen Daten organisieren können. An dieses Programm können auch einzelne Apps angedockt werden. „Wir würden sehr gerne Start-ups finden, die dafür entwickeln, oder an denen wir uns beteiligen können“, sagt Hubschneider. Dabei gehe es etwa um Verschlüsselungstechniken.

„Israel ist bekannt für bahnbrechende Innovationen“, sagt der politische Ökonom Christian Thauer von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Deutsche Unternehmen seien vor allem gut darin, erfolgreiche Produkte weiterzuentwickeln – aber nicht mehr unbedingt, sie zu erfinden. „Der Hybrid-Motor ist nicht bekannt geworden, weil VW ihn hatte, sondern Toyota.“ Die elektrogetriebenen Motoren wiederum stammten von Tesla und nicht aus Deutschland. „Deutsche Firmen haben kapiert, dass sie diesen Zug nicht an sich vorbeifahren lassen können“, sagt Thauer und ergänzt: „Sie wissen, dass sie sich in Israel und Kalifornien engagieren müssen.“ Israelische Start-ups bräuchten wiederum die deutschen Unternehmen, um ihre Entwicklungen auf einem großen Markt, wie Europa, zu vermarkten.

So tickt Europas Gründerszene
Der Europäische Start-up-Monitor
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Der European Start-up Monitor (ESM) hat festgestellt, wie die europäischen Start-ups ticken, welchen Herausforderungen sie gegenüberstehen, woher Personal und Gründer stammen, und womit der größte Umsatz generiert wird. So schaffen die neuen Gründer im Schnitt zwölf Arbeitsplätze. Damit schaffen sie europaweit nach Aussage von Andrus Ansi, EU-Kommissar für den digitalen Binnenmarkt, damit Einzigartiges : „Niemand schafft mehr Beschäftigungsmöglichkeiten als Start-ups und andere junge Firmen, sie stellen rund 50 Prozent aller neuen Jobs.“

Quelle: ESM

Geschlecht der Gründer
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Ganz klar: Der Start-up-Sektor ist männlich dominiert. 85,2 Prozent der neuen Gründer sind Männer, lediglich 14,8 Prozent Frauen.

Erwartungen an die Politik
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Mit 60,1 Prozent klarer Spitzenreiter bei den Wünschen an die Politik: Der Abbau von regulatorischen und bürokratischen Hürden. Weitere wichtige Wünsche der Szene wären Steuervergünstigungen (48,9 Prozent), Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung (33,4 Prozent), ein besseres Verständnis für die Belange von Start-ups (30,4 Prozent), Unterstützung beim Venture Capital, dem Wagniskapital (26 Prozent) und eine bessere Unterstützung von Gründern, beispielsweise durch Beratungsangebote vor Ort (23 Prozent).

Aktuelle Herausforderungen
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Unter den größten Herausforderung als dringlichste sehen die neuen Gründer mit 19,5 Prozent den Vertrieb, beziehungsweise die Kundengewinnung an. Relativ entspannt gesehen wird mit nur 7,6 Prozent der Stimmen die Frage nach Cashflow und Liquidität. Komplettiert wird die Liste der aktuell größten Herausforderungen durch die Fragen nach Kapitalbeschaffung (12,1 Prozent), Wachstum (16,6 Prozent) und Produktentwicklung (17,1 Prozent).

Herausforderungen bei der Internationalisierung
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Bei der Expansion ins Ausland als größte Herausforderung nennen 30,3 Prozent der Befragten Differenzen in Gesetzgebung und Regulierung. Danach kommen die Anpassung eines Produkts an lokale Kundenwünsche (18,8 Prozent), Differenzen im Steuersystem (16,1 Prozent), kulturelle Differenzen (15,2 Prozent) und Sprachbarrieren (12 Prozent). 7,5 Prozent nennen andere Gründe als größte Herausforderung.

Herkunft der Gründer
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70,9 Prozent der Gründer kommen auch aus dem Heimatland des Start-ups. Dennoch hat sich der Teil der Gründer die aus anderen EU-Staaten kommen deutlich erhöht, wer stieg um 8,6 Prozentpunkte auf 16,2 Prozent. 4,8 Prozent der Gründer kommen aus Nicht-EU-Ländern.

Herkunft der Mitarbeiter
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Unter den Mitarbeitern der neuen Unternehmen bietet sich ein ähnliches Bild: 70,9 Prozent stammen auch hier aus dem Heimatland des Start-ups. 18,7 Prozent stammen aus anderen, 10,5 Prozent aus Nicht-EU-Ländern. Damit kommt immerhin ein Drittel der europaweit bei Start-ups Beschäftigten aus anderen EU- oder Drittländern.

Der Autozulieferer Bosch hat seit November 2016 ein Forschungs- und Technologiebüro mit vier Mitarbeitern in Tel Aviv. „Ich nenne es ein Früh-Warn-Radar“, sagt Büroleiter David Abraham. Sie behielten den Markt im Auge und suchten nach interessanten Start-ups, größeren Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Unter anderem gehe es dabei um künstliche Intelligenz. Bereits seit 2009 investiert die Robert Bosch Venture Capital GmbH in Start-ups in Israel. Aktuell sind es fünf, darunter Cheetah Medical, welches Sensoren entwickelt hat, um die Herzfunktionen von Patienten nach Operationen ohne Eingriff zu überwachen.

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck investierte 2012 in das Start-up Qlight Nanotech in Jerusalem und kaufte es 2015. Merck bietet unter anderem Flüssigkristalle für Bildschirme, wie von Handys und Computern. Qlight Nanotech entwickelt ebenfalls Display-Materialien. „Was in Israel als Forschung stattfindet, deckt sich in vielen Bereichen mit dem, was wir machen“, sagt ein Merck-Sprecher. So seien die Israelis etwa auch gut in der Pharmaforschung. Schon Ende der 1970er-Jahre startete Merck mit der Entwicklung von biologischen Proteinen in Israel.

So will Israel Müll vermeiden

Volkswagen hat im Mai 2016 insgesamt 300 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 278 Millionen Euro) in die israelische Taxi- und Fahrtenvermittlungs-App Gett investiert. Mit der App können laut Volkswagen Menschen in mehr als 100 Städten Fahrten buchen. Außerdem hat der Konzern im Februar eine Partnerschaft mit dem Jerusalemer Automobilzulieferer Mobileye abgeschlossen, Spezialist für Kameratechnik für automatisiertes Fahren. Der amerikanische Chip-Gigant Intel hat Mobileye vor zwei Wochen für 15,3 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 14,2 Milliarden Euro) übernommen – das größte Geschäft in der Geschichte der israelischen High-Tech-Branche.

  • dpa
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