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Tokio bei Nacht

Bislang findet der Verkehr in Tokio vor allem auf der Schiene und auf der Straße statt.

(Foto: dpa)

Mobilität der Zukunft Flugtaxis über Tokio – wie Japan den Rückstand aufholen will

Japanische Firmen sind Experten für Drohnen – doch bei der Entwicklung von Flugtaxis sind sie es bislang nicht. Engagierte Gründer haben nun Pläne für die Aufholjagd vorgelegt.
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Tokio Wenn Stadtplaner auf Tokio blicken, sind sie beeindruckt. Die japanische Megametropole mit ihren 37 Millionen Menschen gilt bei der Verkehrsplanung als vorbildlich. Viele nutzen die Bahn für ihren Arbeitsweg. Und trotzdem kommen Autofahrer nur langsam voran. 18 Stundenkilometer fährt ein Auto im Schnitt. Für Tomohiro Fukuzawa liegt die Lösung dieses Problems im Himmel über Tokio.

Der 31-jährige japanische Ingenieur ist einer der Visionäre für Flugautos aus japanischer Herstellung. Im Jahr 2018 hat er das Startup SkyDrive gegründet. „Unsere Mission ist, eine neue Epoche zu schaffen, in der jeder im Himmel fliegen kann“, sagt der ehemalige Toyota-Entwickler. Bereits in diesem oder kommenden Jahr will er bemannte Testflüge starten. Anfang der 2020er-Jahre soll das Geschäft anlaufen – zunächst mit kommerziellen Transportdrohnen, ab 2023 auch mit bemannten Luftautos.

Seine Idee: ein Quadrokopter für den Nahverkehr mit einer kleine Kabine für zwei Passagiere und vier Rotoren. Spätestens 2026 werde sich seine Idee aus der Nische in die Massenfertigung entwickeln, sagt Fukuzawa voraus. Dann will er weltweit die Lüfte erobern. „Wir werden nicht nur in Japan starten“, erklärt Fukuzawa im Foreign Press Center. „Wir schauen mehr auf den globalen Markt.“

Der junge Japaner muss schnell sein, um den Rückstand auf die Konkurrenz aufzuholen. Weltweit gibt es mehr als zehn Projekte für fliegende Autos. Einer der finanziell potentesten Frühstarter ist dabei der Mitfahrdienst Uber, der schon 2020 seine Idee für einen Flugtaxidienst präsentieren will. Auch chinesische Unternehmen wollen das Geschäft erobern. Doch die Japaner wollen den Amerikanern und Chinesen nicht die Hoheit im erdnahen Luftraum überlassen.

Für Regierungschef Shinzo Abe ist die Entwicklung fliegender Autos ein Teil der japanischen Industrie der Zukunft. Im August 2018 gründete die Regierung mit 15 Unternehmen und Vordenkern der jungen Branche einen Rat für die Mobilitätsrevolution in der Luft. Und anders als in anderen Branchen öffneten die Japaner diesen Rat auch für ausländische Marktteilnehmer. Neben japanischen Start-ups und Venture-Fonds dürfen auch internationale Größen wie Uber sowie die Flugzeugbauer Airbus und Boeing ihre Ideen und Wünsche einbringen.

Bis Dezember 2018 sollte das Gremium einen Zeitplan entwerfen, wie Japan die Entwicklung marktreifer Flugtaxis fördern kann. Neben dem gesetzlichen Rahmen für Testflüge ging es auch darum, neue Infrastruktur und Geschäftsmodelle für Flugtaxis zu entwickeln. Perspektivisch, so schätzt es der Rat, soll ein Flug über die Stadt so teuer werden wie eine Taxifahrt.

Im Wirtschaftsministerium ist man zufrieden mit den Fortschritten des Rats. „Es ist der allererste Plan dieser Art öffentlicher-privater Partnerschaft“, sagt der zuständige Direktor Kenji Mikami. „Der Zeitplan ist sehr ambitioniert.“

Starke Konkurrenz drängt in den Markt

Die erste Testflüge sollen bald starten. Schon in vier Jahren könnten Personen in den Flugtaxis transportiert werden. Zunächst auf dem Land, ab 2030 in den dichtbevölkerten Megacities. Bis dahin sollten die Bonsai-Flieger dann auch ohne Piloten vollautomatisch starten, fliegen und landen können. Der Plan sei ambitioniert, aber realistisch, versichert Mikami. „Wir werden alle Kräfte mobilisieren, um die Ziele zu erreichen.“

Doch die Konkurrenz ist groß. Die Erfahrungen im Drohnenmarkt gelten in Japan als warnendes Beispiel. Japanische Unternehmen wie Yamaha gehörten zu den Pionieren. Drohnen spritzen schon heute Pflanzenschutzmittel über japanische Felder. Doch das Geschäft mit den Endkonsumenten dominieren heute chinesische Firmen wie DJI .

Und auch bei Flugtaxis sind ausländische Konkurrenten wie der US-Mobilitätsdienst Uber oder der chinesische Drohnenentwickler Ehang schon weiter. Im kommerziellen Bereich drängen Flugzeugbauer wie Airbus und Boeing in den Markt.

Test bestanden – So fliegt Boeings autonomes E-Flugtaxi

Und bislang gibt es auch noch keinen japanischen Bewerber für den ersten bemannten Testflug in Japan. Selbst SkyDrive fliegt noch nicht bemannt. Darüber hinaus fehlt es den japanischen Flugtaxi-Entwicklern an Geld. In Japan ist die Finanzierung für Start-ups generell schwach. Und auch die Regierung hat kein eigenes Budget für die Mobilitätsrevolution in der Luft eingeplant, gestehen die Beamten. Geld könnte aus anderen Töpfen kommen: der Drohnenentwicklung, Materialwissenschaften oder der Batterieforschung.

Die Japaner sind sich der Herausforderung sehr wohl bewusst. Die kommenden fünf Jahre werden darüber entscheiden, ob Japan zu den Siegern oder den Verlierern in der neuen Industrie gehören wird, warnte ein Start-up-Vertreter bei der Gründung des Flugtaxi-Rates. Kotaro Chiba, Gründer des japanischen Risikokapitalgebers Dronefund, ist da optimistischer. „Wir müssen aufholen, aber wir können es schaffen.“

Japan setzt auf die Stärke der Industrie

In Japan setzt man vor allem auf die hohe Verlässlichkeit. „Wenn wir die Regeln haben, wird das Geld folgen“, meint Investor Chiba. Gerade für neue Technologien bestehe bereits eine höhere Rechtssicherheit als in anderen Weltregionen.

Mit 300 Millionen Yen (2,4 Millionen Euro) hat sich Chiba auch an SkyDrive beteiligt. Das ist aber nur ein kleiner Teil des Kapitals, das ihm zur Verfügung steht, verrät Gründer Fukuzawa. Seine Investoren hält er geheim. Doch sein ehemaliger Arbeitgeber Toyota könnte dazugehören: Die Idee des Flugtaxis ist einem Ideenwettbewerb entsprungen, den der Autobauer unterstützt hat. Aber auch im Ausland will Fukuzawa Kapital anwerben.

Japan ist für den Gründer ein ideales Umfeld für die Entwicklung von Flugtaxis, sagt er. Neben starken Autoherstellern ist auch die Luftfahrtindustrie stark vertreten. Japanische Firmen liefern beispielsweise 35 Prozent der Teile für die neue Boeing 787. Bei Hightech-Materialien wie Kohleverbundwerkstoffen ist das Land führend. Darüber hinaus sind japanische Konzerne auch in der Akkutechnik und bei effizienten Elektromotoren ganz vorne mit dabei.

Mit seinen Flugtaxis zielt der junge Gründer vor allem auf die asiatischen Metropolen wie Tokio. Fahren können seine Flugautos darum nicht. Das würde vielleicht in großen Ländern mit viel Platz wie in den USA funktionieren, sagt Fukuzawa, nicht aber im dichtbevölkerten Asien. Seine kleinen Fluggeräte sollen 30 Kilometer weit fliegen. Zum Landen brauchen sie maximal zwei Autoparklätze. Nur am Himmel von Tokio könnte es dann ein bisschen voller werden.

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