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Mobilität Neues Personal, stärkerer Zusammenhalt – Der Autoverband VDA erfindet sich neu

Der Verband der Automobilindustrie steht vor einem radikalen Umbruch. Auf seiner Sitzung am Mittwoch soll der Vorstand die Weichen dafür stellen.
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Der Branchenverband will eine größere Förderung für preiswerte Stromautos erreichen. Quelle: Reuters
Elektrokleinwagen Ego

Der Branchenverband will eine größere Förderung für preiswerte Stromautos erreichen.

(Foto: Reuters)

München Für Ola Källenius soll der Mittwoch eine Premiere werden. Erstmals soll der Nachfolger von Daimler-Chef Dieter Zetsche in den Vorstand des Automobilverbands VDA aufrücken. Die Wahl gilt als ebenso sicher wie die Berufung von BMW-Boss Harald Krüger in das vierköpfige Präsidium, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfahren hat. Krüger übernimmt in dem Spitzengremium des Verbands die Position von Zetsche.

In dem 19-köpfigen Vorstand sind die Chefs der deutschen Autohersteller sowie die führenden Zulieferer vertreten. Auf den Sitzungen bestimmen die Autokonzerne gemeinsame Linien, um möglichst geschlossen gegenüber der Politik aufzutreten. Das gelang in den vergangenen Monaten eher selten. Zuletzt hatte der Verband der Automobilindustrie ein zerstrittenes Bild in der Öffentlichkeit abgegeben.

So entzündete sich in der Branche Anfang März ein Streit über die Frage, welche Antriebe in Zukunft vom Staat gefördert werden sollen. Während Marktführer Volkswagen die Fördermittel ausschließlich auf Elektroautos lenken wollte, beharrten Mercedes, BMW und mächtige Zulieferer auf der gleichzeitigen Förderung von Hybridantrieben und Brennstoffzellen. Als VW-Chef Herbert Diess mit dem Austritt aus dem VDA drohte, übte sich die Branche in Krisendiplomatie. Über Wochen wurde an einem Kompromiss gefeilt.

Mit Erfolg: Der Konflikt unter den Schwergewichten ist dem Vernehmen nach beigelegt. In die Wunschliste nach staatlicher Förderung werden neben reinen Elektroautos auch Hybridantriebe und Brennstoffzellen eingeschlossen. Die Suche nach emissionsarmen Antrieben soll „technikoffen“ geführt werden, sagten mehrere Vertreter der Branche im Vorfeld der Sitzung.

Damit können sowohl der VW-Konzern als auch BMW und Mercedes ihre Geschäftsmodelle für das kommende Jahrzehnt ausrollen. Die Wolfsburger rüsten drei deutsche Werke auf den Bau von reinen Elektroautos um, BMW und Mercedes wollen alle Antriebsarten parallel produzieren.

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Das Konzept soll mit der Bundesregierung abgestimmt werden. Bereits in der vergangenen Woche signalisierte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Entgegenkommen. Die staatliche Prämie für den Kauf von Stromautos soll verlängert und deutlich erhöht werden, ließ der Minister durchblicken.

Mit einem Bonus für kleinere und günstigere Elektroautos unter 30.000 Euro kommt Scheuer der Forderung des VW-Konzerns nach. Volkswagen beginnt Ende des Jahres mit der Produktion der ID-Familie, mit der die Wolfsburger das Stromauto im Massenmarkt etablieren wollen.

Der bereits jetzt schon gewährte Umweltbonus könnte 2020 von bisher 2000 auf 4000 Euro verdoppelt werden, bei teureren Autos sind immer noch 2.500 Euro vorgesehen. Taxen und Nutzfahrzeuge im Stadtverkehr sollen gesondert gefördert werden – auch um die Diskussion um Feinstaub und Stickoxide in den Großstädten zu beenden.

Einig sind sich die Autobosse, dass der Staat auch den massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur mitfinanzieren muss. In einem Konzept sollten Vorschläge zusammengefasst werden, mit denen sich die Zahl der Stromtankstellen schnell erhöhen lasse, hieß es. Die Infrastruktur ist bislang eines der größten Hemmnisse für den Wechsel von Verbrennern auf E-Antriebe.

Die Branchenmesse IAA wackelt

Den Autoherstellern läuft die Zeit davon. Bereits 2021 greifen die Klimavorgaben der Europäischen Union, die nur mit einem deutlichen Anstieg von Elektroautos bei den Neuzulassungen zu erreichen sind. Zwei Jahre vor Ablauf der Frist liegen alle deutschen Autohersteller um mindestens zwanzig Prozent über dem geforderten Durchschnittswert.

Auf ihrer Sitzung wollen sich die Vorstände auch mit der Branchenmesse IAA befassen, die vom VDA alle zwei Jahre veranstaltet wird. Die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt kämpft seit Längerem mit sinkenden Besucher- und Ausstellerzahlen. Für die diesjährige Messe im September haben bislang 14 Automarken abgesagt, darunter Rolls-Royce, Aston Martin, Nissan, Renault, Alpine, Dacia sowie Mitsubishi und die GM-Marken Chevrolet und Cadillac. BMW kürzt sein Engagement um zwei Drittel.

Auf ihrer Sitzung wollen die Vorstände „ergebnisoffen“ über die Messe diskutieren. „In ihrer jetzigen Form können wir die IAA aber nicht weiterführen“, hieß es in der Branche. Die Umstellung auf Elektroantriebe und die Einführung neuer Mobilitätsdienste passten nicht mehr zu dem Konzept, viele Autos auf großen Ständen zu präsentieren. Diese neue Welt müsse den Kunden anders nähergebracht werden. „Dafür brauchen wir neue Konzepte, darüber müssen wir reden“, sagte eine Branchenvertreter.

Mehr: Offen, freundlich, integer: So hat es Ola Källenius bei Daimler bis ganz an die Spitze geschafft. Wie der Mustermanager den Konzern umbauen will, lesen Sie hier.

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