Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mobilität Wie Japan beim Rennen um das Auto der Zukunft punkten will

Toyota, Honda und ihre Zulieferer treiben offene Softwareplattformen voran. Diese könnten der neue Standard einer ganzen Industrie werden.
Update: 22.07.2019 - 16:25 Uhr Kommentieren
Für die Japaner ist der Zugriff auf die Daten der Autos der Schlüssel für zukünftige Geschäftsmodelle. Quelle: Reuters
Toyota Mirai

Für die Japaner ist der Zugriff auf die Daten der Autos der Schlüssel für zukünftige Geschäftsmodelle.

(Foto: Reuters)

Tokio Für Dan Cauchy ist der Open-Source-Gipfel der Linux-Stiftung in Tokio wie ein Heimspiel. „69 Prozent der Anwesenden sind wegen des Interesses an Autosoftware gekommen“, ruft der Leiter der Autosparte der Linux-Stiftung von der Bühne in den vollen Saal, in dem Softwareentwickler aus aller Welt sitzen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht Automotive Grade Linux (AGL), ein Konsortium, das in Japan seinen Anfang genommen hat.

Der Autokonzern Toyota ist der wichtigste Initiator des Projekts, in dem nun auch andere Autohersteller, Zulieferer und Softwarehäuser gemeinsam ein Betriebssystem für Autos entwickeln. Denn die Japan AG hat erkannt, dass sie internationale Partner braucht, um gegen US-Techgiganten wie Google bestehen zu können.

Im Gegensatz zu den US-Riesen setzen die Japaner auf Open-Source-Projekte, die der neue Standard einer ganzen Industrie werden könnten. Der Zugriff auf die Daten der Autos ist dabei der Schlüssel für zukünftige Geschäftsmodelle. Ziel ist die Erstellung hochpräziser Straßenkarten für das selbstfahrende Auto und Mobilitätsdienste. Der AGL-Zusammenschluss ist dabei nur der Anfang.

Bisher treiben gerade sechs japanische Konzerne die Entwicklung bei AGL voran. Neben Toyota und seinen Alliierten Mazda und Suzuki gehören auch Toyotas Hauptlieferant Denso, der Batteriepartner Panasonic, der Chiphersteller Renesas und Honda dazu. Im April trat Volkswagen AGL bei, als zweites deutsches Mitglied nach Daimler. „Das ist ein riesiger Erfolg für uns“, sagt Cauchy. Nun seien unter den Mitgliedern neun Autohersteller, die 50 Prozent des globalen Automarktes abdecken.

„Wir wollen die Daten kontrollieren, die die Autos produzieren“, sagt Toyota-Manager Kenichi Murata, einer der Initiatoren der AGL. Darüber hinaus geht es den Herstellern natürlich darum, durch die Entwicklung eines globalen Standards die Kosten zu senken und vor allem die Entwicklungszeiten zu beschleunigen. Denn Investitionen, die heute in die neuen Technologien fließen, werden sich erst in einigen Jahren rentieren. Selbst ein Weltmarktriese wie Toyota braucht daher Kooperationspartner.

Grafik

Japanische Vorbilder für erfolgreiche Kooperationen gibt es genug: Im Jahr 2016 schlossen sich die Auto- und Kartenhersteller des Landes unter der Führung von Mitsubishi Electric zusammen, um Technik und Standards gemeinsam zu entwickeln.

Daraus entstand das Kartenkonsortium Dynamic Map Platform, das inzwischen versucht, seine Technologie global zum Standard zu machen. Der Kauf des US-Start-ups Ushr in diesem Jahr war ein erster Schritt auf diesem Weg. Global konkurriert man damit auch mit der deutschen Plattform Here von Daimler, BMW und Audi.

Auch für autonome Mobilitätsdienste hat die Japan AG ein Joint-Venture gestartet: Monet Technologies. Gegründet wurde das Unternehmen von Toyota und dem japanischen Telekom-Konzern Softbank. Anfang des Jahres stießen dann Autobauer Honda und Toyotas Nutzfahrzeugherstellers Hino hinzu.

Ende Juni sind auch Isuzu, Suzuki, Subaru, Daihatsu und Mazda dazu gekommen. Nur Renaults Partner Nissan und Mitsubishi Motors machen nicht mit, da sich die trilaterale Allianz für autonomes Fahren bereits mit Googles Start-up Waymo verbündet hat.

Monet Technologies wird künftig die Fahrdaten von den Autos der Teilnehmer erhalten und auswerten. Das Joint Venture wird seine Dienste in Japans ländlichen Regionen anbieten.

Aber auch die Expansion ins Ausland ist in Planung. Die Teilnehmer setzen dabei darauf, dass die Kombination von Industrie-Knowhow der Autohersteller und Softbanks globalem Wissen in den Bereichen Telekommunikation, Softwareentwicklung und künstlicher Intelligenz hilft, schneller als die Konkurrenz eine global wettbewerbsfähige Plattform aufzubauen. Das Konsortium ist aber auch offen für Mitglieder aus dem Ausland.

Grafik

Im Wettrennen um die selbstfahrende Mobilität wollen sich Japans Autoriesen frühzeitig in eine gute Startposition bringen. Bereits vor der Gründung von Monet Technologies hat der Autoriese darum seine „Toyota Mobility Services Platform“ gestartet, die auch mit Mitfahrdiensten wie Uber in den USA oder Grab in Südostasien zusammenarbeitet.

Beide Dienste sind nicht zufällig wichtige Investitionsobjekte der Softbank. Der Konzern will durch Investitionen in führende Anwender Künstlicher Intelligenz und weiterer technologischer Innovationen zum globalen Riesen im Digitalzeitalter aufsteigen. Beim Thema Mobilität haben sich Japans zwei profitabelste Konzerne Toyota und Softbank deshalb offensichtlich verbündet.

Der Wettbewerb sei hart, meint Frank Gall, Direktor für Geschäftsentwicklung bei Autonomic Collaborate, einem Plattformanbieter, den der amerikanische Autoriese Ford gekauft hat. Im Kampf um die Mobilitätsdienste der Zukunft gebe es recht viele Konkurrenten. Selbst das Start-up des US-Autobauers vertraut auf japanische Hilfe. Der Technikkonzern Fujitsu wurde dieses Jahr der erste Systempartner von Autonomic Collaborate, verrät Gall.

Wer sich am Ende weltweit durchsetzen werde, sei noch offen. „Es wird ein langes Rennen“, prognostiziert Gall. Der Markt werde sich langsam entwickeln „und dann plötzlich explodieren, wenn eine kritische Masse erreicht ist“, so der Experte für selbstfahrende Autos. Die Japaner sollte dabei niemand außer Acht lassen.

Denn womöglich entwickeln sich ihre Initiativen ähnlich erfolgreich wie das AGL-Konsortium. „Von der Basis haben wir zuerst den Rest der japanischen Industrie angeworben“, erinnert sich der Linux-Manager Cauchy. „Aber nun expandiert das Ökosystem weltweit.“ Der Beitritt von VW habe eine massive Welle an Interesse ausgelöst. „In zwei bis drei Jahren werden wir auch die Teilnahme eines US-Herstellers erleben“, ist Cauchy überzeugt.

Es wundert ihn nicht, dass gerade die japanische Industrie Taktgeber für den Durchbruch gemeinsamer Open-Source-Projekte in der Autoindustrie ist. „Japan war der Welt bei der Anwendung von Open-Source-Plattformen zehn Jahre voraus“, meint Cauchy.

Nachdem Linux erfolgreich in der Telekommunikation debütierte, folgte Canon mit Druckern und Sony lange vor Amazons Kindle mit eBook-Readern. Die Autoindustrie könnte nun von diesem Erfahrungsvorsprung profitieren.

Mehr: Der Preisauftrieb in Japan hat sich weiter verlangsamt. Die japanische Zentralbank ist damit weit davon entfernt, ihr Ziel einer Preissteigerung von zwei Prozent zu erreichen.

Startseite

Mehr zu: Mobilität - Wie Japan beim Rennen um das Auto der Zukunft punkten will

0 Kommentare zu "Mobilität: Wie Japan beim Rennen um das Auto der Zukunft punkten will"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote