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Mobilität Zurück zum Individualverkehr: In der Krise wächst die Lust am eigenen Auto

Zwei Studien zeigen: Corona sorgt für eine fundamentale Wende auf dem Mobilitätsmarkt: Sharing-Angebote werden gemieden, das Auto erlebt ein Comeback.
11.05.2020 - 11:24 Uhr 1 Kommentar
Nach Corona wird die Art, wie wir uns in den Städten fortbewegen, eine andere sein. Quelle: dpa
Stadtverkehr

Nach Corona wird die Art, wie wir uns in den Städten fortbewegen, eine andere sein.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Coronakrise mischt den deutschen Mobilitätsmarkt auf. Erstmals seit Jahren steigt bei den unter 35-Jährigen das Interesse an einem eigenen Auto wieder. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Beratungsgesellschaft Capgemini.

11.000 Menschen wurden befragt, welche Auswirkungen die Folgen der Pandemie auf die individuelle Mobilitätsnachfrage hat. Dabei kam heraus, dass 45 Prozent der jüngeren Kunden, die bislang kein Auto besaßen, nun darüber nachdenken, sich in den kommenden Monaten einen eigenen Pkw anzuschaffen.

„Individuelle Mobilitätsangebote sind auf dem Vormarsch, also beispielsweise das eigene Auto“, sagt Sebastian Tschödrich, Mobilitätsexperte bei Capgemini. „Nicht exklusive Mobilitätsangebote hingegen werden weniger nachgefragt.“

Innerhalb weniger Wochen hat die Pandemie etwas verändert, woran die Autohersteller bereits seit Jahren gescheitert sind: das Kaufverhalten der jungen Menschen. Jahrelang lag der Fokus in der Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren weniger auf dem Besitz des eigenen Autos, sondern vielmehr der Nutzung von Mobilität. Statt mit dem eigenen Auto zu fahren, stiegen die Jungen eher auf Bus, Bahn oder Shared-Mobility-Angebote um. Mit der Coronakrise wächst die Lust am eigenen Auto wieder.

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    Das belegt auch eine weitere Umfrage der Boston Consulting Group (BCG). 5000 Menschen hat die Unternehmensberatung nach ihren neuen Fortbewegungspräferenzen befragt. Auch hier lag das Auto an erster Stelle.

    Allerdings glaubt BCG-Experte Markus Hagenmaier, dass viele Menschen wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten den Kauf eines eigenen Autos nicht in Erwägung ziehen werden. Stattdessen läge der Fokus auf flexiblen Finanzierungs- und Nutzungsmodellen, was sich mit den Ergebnissen der Capgemini-Studie deckt. Die Experten erwarten, dass vor allem die Nachfrage nach Auto-Abos steigen wird.

    „Auto-Abos waren bereits vor Corona im Trend. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten, die durch die Pandemie ausgelöst wurden, machen dieses Nutzungsmodell nun attraktiver“, sagt BCG-Berater Hagenmaier. „Statt der Anschaffung eines Autos dürften mehr potenzielle Kunden nun eher geneigt sein, ein Auto-Abo abzuschließen.“

    Auch Tschödrich von Capgemini sieht hier großes Potenzial. „Derzeit stehen die Chancen gut, dass sich Angebote für eine flexible Nutzung von Mobilität, beispielsweise Auto-Abos, in der Breite durchsetzen“, sagt er. Das Thema dürfte für die deutschen Autohersteller daher sehr interessant werden. Das wirft auch die Frage auf, ob es nicht sinnvoller wäre, flexible Nutzungs- und Finanzierungsmodelle staatlich zu fördern, statt Kaufprämien auszuzahlen.

    Unterschiedliche Szenarien zur langfristigen Entwicklung

    Weil sich der Fokus in Zeiten von Corona auf die individuelle Mobilität verschiebt, spüren vor allem die neuen Mobilitätsdienste wie Ride-Hailing-, Carsharing- und Mikromobilitätsdienstleister starke Nachfragerückgänge. Und das liegt nicht nur am gestiegenen Interesse, ein eigenes Auto zu besitzen. So gaben in der BCG-Studie 35 Prozent der Befragten an, dass sie kurze Strecken entweder mit dem Fahrrad zurücklegen oder zu Fuß gehen.

    BCG-Mobilitätsexperte Markus Hagenmaier schließt daraus, dass vor allem Mikromobilitätsdienstleister wie zum Beispiel E-Scooter-Verleiher unter dieser Entwicklung leiden werden. „Neben des höheren Infektionsrisikos dürfte auch diese Entwicklung die Konsolidierung im E-Scooter-Markt beschleunigen“, sagt Hagenmaier.

    Allerdings gibt es unterschiedliche Sichtweisen darüber, wie der deutsche Mobilitätsmarkt nach Corona aussehen wird. Tschödrich geht davon aus, dass die Coronakrise den Mobilitätsmarkt nachhaltig verändern wird. „Es steht die Hypothese im Raum, dass es eine neue Normalität geben wird – auch nach der Coronakrise“, sagt der Experte. Neue Mobilitätsdienstleister müssen der Capgemini-Studie zufolge längerfristig mit einer geringeren Nachfrage planen.

    Geringeres Vertrauen in Carsharing

    In Zeiten von Corona und auch danach werden die Menschen neben dem eigenen Auto vor allem den ÖPNV nutzen und weniger die Angebote der Shared-Mobility-Anbieter nachfragen. Das Paradoxe dabei: Eigentlich ließen sich beispielsweise beim Carsharing die Hygienevorschriften besser einhalten als in Bus oder Bahn. Doch das Vertrauen in den ÖPNV sei größer. „Der Shared-Mobility-Markt ist noch eine Wette“, sagt Tschödrich. Das Vertrauen dementsprechend geringer.

    Markus Hagenmaier von der Boston Consulting Group stützt diese These nicht. Er sieht keine langfristige Wende im Mobilitätsverhalten der Menschen. Im Gegenteil: Langfristig rechnet der BCG-Experte mit einem Comeback der neuen Mobilitätsangebote. „Wir gehen davon aus, dass sich das Verhalten wieder normalisieren wird, sobald ein Impfstoff vorhanden ist“, sagt Hagenmaier. „Dann steigt die Nachfrage wieder bei jenen Verkehrsmitteln, bei denen derzeit ein höheres Infektionsrisiko besteht.“

    Offen bleibt aber, wie viele dieser neuen Mobilitätsdienstleister das Coronavirus bis dahin überleben werden.

    Mehr: Die Kontakt- und Ausgangssperren wegen der Coronakrise könnten für E-Roller-Firmen das Aus bedeuten. Der Start-up-Hype findet ein jähes Ende.

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    1 Kommentar zu "Mobilität: Zurück zum Individualverkehr: In der Krise wächst die Lust am eigenen Auto"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • wen wundert es- auf der Seite des ÖPNV München steht explizit das zwar Maskenpflicht besteht aber keine Pflicht zu 1,5 Meter Abstand.
      So machen wenigstens Autoprämien gesundheitlich Sinn.

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