Mobilitätsdienste Toyota investiert eine Milliarde Dollar in Autoruf-App Grab

Mit einer Milliarde Dollar steigt Toyota beim Fahrdienst-Vermittler Grab ein. Der Kampf um den Markt mit Mobilitätsdiensten nimmt an Fahrt auf.
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Der Autokonzern wird Hauptkapitalgeber in der neuesten Investitionsrunde Grabs. Der Mobilitätsdienst will seine Führung in Asien nach dem Merger mit dem globalen Marktführer Uber ausbauen. Quelle: AP
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Der Autokonzern wird Hauptkapitalgeber in der neuesten Investitionsrunde Grabs. Der Mobilitätsdienst will seine Führung in Asien nach dem Merger mit dem globalen Marktführer Uber ausbauen.

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SingapurDer japanische Autobauer Toyota greift im Bereich Autoruf-Apps an. An diesem Mittwoch kündigte der Konzern an, eine Milliarde US-Dollar in Grab aus Singapur zu investieren. Darüber hinaus tauschen beide Firmen Führungspersonal aus, um Entscheidungen der beiden Partner zu beschleunigen. Toyota wird sogar einen Manager in Grabs Vorstand entsenden.

Laut dem App-Anbieter handelt es sich um die größte Investition eines Autoherstellers in die boomenden Mobilitätsdienste. Der Autokonzern wird damit Hauptkapitalgeber in der neuesten Investitionsrunde Grabs, mit der das Unternehmen seine Führung in Asien nach dem Merger mit dem globalen Marktführer Uber ausbauen will. Grab bietet bereits in acht südostasiatischen Ländern ein breites Portfolio an Diensten an, das von Autorufen über die Essenauslieferung bis hin zu Finanzdiensten reicht.

Damit verstärkt sich der Kampf um neue Mobilitätsdienste, der immer stärker auch Asien erfasst. Der Softbank Vision Funds, ein Investitionsarm von Grabs und Ubers Hauptaktionär Softbank, kündigte jüngst an, über zwei Milliarden Dollar in die Roboterautofirma des US-Autokonzerns General Motors zu investieren. Und Waymo, die Roboterautosparte der Google-Mutter Alphabet, schloss eine Partnerschaft mit Fiat Chrysler.

Nissan wiederum entwickelt gemeinsam mit der japanischen Onlinegame-Plattform DeNA Robotertaxis samt Appdiensten. Nun kontert Japans größte Automarke, die ebenfalls seit Jahren als Investor und Partner von Autoruf-Apps aktiv ist. Und das Ziel ist klar: Toyota will damit seinen breiten Vorstoß in Daten- und Mobilitätsdienste beschleunigen, den der Konzern schon vor Jahren in Japan begann.

Im Heimatmarkt sammelt er bereits Fahrdaten in seiner Plattform für Mobilitätsdienste (MSPF) und verkauft Verkehrsdaten von vernetzten Toyota-Fahrzeugen an Unternehmen oder Lokalregierung. Als nächste Stufe ist eine Vielzahl weiterer datenbasierter Dienstleistungen geplant, darunter telemetrisch basierte Autoversicherungen. Dies bedeutet, dass Autoversicherer in Zukunft Versicherungstarife anbieten können, die vom Fahrverhalten der Kunden abhängen.

Der Konzern wird daher in alle neuen Modellen Datenmodule einbauen, um Fahrdaten in Echtzeit an Toyotas Datenzentren übermitteln zu können. Und diese Module bilden auch die Keimzelle der Toyota-Grab-Allianz. Bereits 2017 investierte Toyota Tsusho, ein Handelshaus der Toyota-Gruppe, in einer frühen Investitionsrunde unter der Leitung von Softbank in den südostasiatischen Marktführer bei Autoruf-Apps.

In einem ersten Schritt bauten sie Datenübermittlungsmodule in 100 Mietautos von Grab ein. Die Daten wurden auf Toyotas Datenplattform gespeichert, ausgewertet und sogar schon versilbert. So werden für Grabs Autovermietung Versicherungspolicen angeboten, deren Preis vom Fahrverhalten abhängt.

Offenbar werteten beide Firmen diese Probephase als Erfolg. Die Datenmodule sollen nun in Grabs eigenen Autos eingebaut und Privatfahrern angeboten werden. Toyota und Grab wollen damit in der Zukunft neue Dienstleistungen für ihre Kunden in Südostasien anbieten, erklärte Shigeki Tomoyama, ein Vizepräsident von Toyotas Division für vernetzte Autos.

„Diese enge Partnerschaft wird uns ermöglichen, die zentrale Mobilitätsplattform in Südostasien zu werden“, sagte Anthony Tan, Mitgründer der App. Nach der Fusion mit Uber in Südostasien dominiert Grab derzeit den boomenden Markt für Taxi-Apps in der Region. „Gemeinsam mit Toyota werde man ein effizientes Transportnetzwerk aufbauen, dass die Verkehrsprobleme in Südostasiens Staaten lösen werde”, teilte Grab in einem Statement mit.

„Es gibt viele Bereiche, in denen wir kooperieren können“, sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt. Beispielsweise könnten in Zukunft vermehrt Toyota-Module in Grab-Fahrzeugen und denen der Fahrer verbaut werden. „Diese Daten können dann verwendet werden, um die Versicherungsprämien für die Fahrer zu reduzieren.“

Das Unternehmen bietet längst nicht mehr nur Transportdienstleistungen an, sondern dringt immer stärker in weitere Branchen vor. Zuletzt kaufte das Unternehmen mehrere Fintechs auf und engagiert sich im Bereich von Mikrokrediten und digitalen Zahlungsdienstleistungen, beispielsweise mit dem Service GrabPay. Zudem macht das Unternehmen Essenlieferdiensten wie Foodpanda Konkurrenz.

Die Finanzspritze dürfte dem Start-up auch in dem sich bald wieder wohl drastisch verschärfenden Wettbewerb helfen. Das indonesische Unicorn Go-Jek kündigte vergangenen Monat an, in andere südostasiatische Märkte zu expandieren. Hinter dem indonesischen Start-up stehen mächtige Investoren wie das chinesische Internetunternehmen Tencent und Google.

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