Model 3 Tesla kämpft weiter mit Produktionsproblemen

Der Elektroautobauer Tesla muss sein Produktionsziel für das Model 3 erneut revidieren. Erst Ende des zweiten Quartals sollen pro Woche 5000 Einheiten des Hoffnungsträgers hergestellt werden. Das hat Konsequenzen.
Update: 04.01.2018 - 02:41 Uhr Kommentieren
Tesla kämpft weiter mit Produktionsproblemen Quelle: dpa
Fabrikgelände von Tesla in Fremont, Kalifornien

Die Auslieferungen des Model 3 summierten sich im abgelaufenen Quartal auf nur 1550 Fahrzeuge.

(Foto: dpa)

San FranciscoUnd ewig grüßt das Murmeltier: Erst Ende des zweiten Quartals 2018 werden 5000 Einheiten pro Woche des Hoffnungsträgers Model 3 produziert, verspricht Tesla-Chef Elon Musk. Zuletzt war von Ende März die Rede gewesen, ursprünglich war die Zahl schon für Ende 2017 geplant. Die Auslieferungen des mit 35.000 Dollar Startpreis günstigsten Teslas summierten sich im Quartal auf nur 1550 Fahrzeuge. Das liegt am unteren Ende der schon niedrigen Erwartungen der Analysten, die im Schnitt um 4000 Auslieferungen im Quartal geschätzt hatten. Schon bei den anderen Modellen hatte es oft große Verzögerungen gegeben. Die Aktionäre sind daran gewöhnt und halten weiter still. Aber wie lange noch?

Die erneute Streckung der Produktionsziele hat vor allem zwei Konsequenzen. Zum einen wird die Kapitaldecke des Unternehmens stärker strapaziert und zweitens könnten erste Vorbesteller, die ihre 1000 Dollar Anzahlung zurückbekämen, aufgeben und sich Modelle anderer Hersteller kaufen. Vor allem der Volt von Chevrolet erfreut sich in den USA wachsender Beliebtheit.

Musk versucht wie schon früher Probleme als Chancen zu verkaufen: Man werde sich auf „Qualität und Effizienz“ konzentrieren, statt nur „so schnell wie möglich“ Autos zu bauen. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden Hersteller sein. Analystin Michelle Krebs von Autotrader kommentiert das auch mit dem Hinweis: „Die Produktion steigern mit einem fehlerhaften Produkt wäre einfach nur Wahnsinn.“

Akshay Anand vom Auto-Bewerter Kelly Blue Book begrüßt die Hinwendung zur Qualität und weist daraufhin, dass viele Käufer ohnehin erst mit einer Lieferung Ende 2018 oder 2019 rechneten, was Musk die Chance gebe aufzuholen. Doch die Realität ließe sich nicht wegdiskutieren. „Tesla muss das Model 3 richtig hinbekommen, um als Unternehmen erfolgreich zu werden.“

An der Börse kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Die Tesla-Aktie gab nach Handelsschluss um bis zu zwei Prozent nach. Gute Zahlen für die Luxusmodelle S und X konnten den Kurs kaum stützen. Allerdings: Im ganzen Jahr 2017 übertraf der Absatz leicht die Erwartungen.

Insgesamt wurden im Kalenderjahr 2017 von den Modellen S und X 101.312 Fahrzeuge ausgeliefert, was einem Plus von 33 Prozent entspricht. Von Oktober bis Dezember wurden insgesamt 29.870 Autos ausgeliefert – neben den 1550 Model 3 gingen 15.200 Model S und 13.120 Model X vom Band. Der Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem dritten Quartal reichte für einen Rekordabsatz. Daneben, so Tesla in einer Börsenmitteilung, befanden sich im vierten Quartal 2520 Model S und X, sowie 860 Model 3 auf dem Weg zu Kunden.

Tesla weist in der Mitteilung ausdrücklich darauf hin, dass die Absatzzahlen alleine noch keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Finanzergebnisse des abgelaufenen Quartals zulassen. Das gesamte Zahlenwerk wird für den 20. Februar erwartet.

Teslas jüngster Streich
Tesla Semi, der erste vollelektrische Sattelzug des kalifornischen Autoherstellers
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Der Elektroauto-Hersteller Tesla will auch das Lastwagen-Geschäft aufmischen. Firmenchef Elon Musk stellte in der Nacht zum Freitag einen strombetriebenen Sattelschlepper vor. Er soll auch mit voller Ladung von 40 Tonnen eine Reichweite von rund 800 Kilometern erreichen, sagte Musk. Die Produktion soll 2019 beginnen...

Tesla Semi: Der Trucker sitzt in der Mitte der Kabine
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Musk nannte keinen konkreten Preis für den Lastwagen, sondern betonte lediglich, dass Diesel-Lkw pro Kilometer 20 Prozent teurer seien. Der Sattelschlepper hat vier Motoren - und Tesla verspricht, dass er pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann...

Tesla stellt Elektro-Lastwagen vor
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Auch mit zwei ausgefallenen Motoren können das Fahrzeug immer noch einen Diesel-Lastwagen schlagen, versicherte Musk. In 30 Minuten solle die Batterie auf eine Reichweite von gut 640 Kilometern hochgeladen werden können. Unterwegs könne man dafür die gleichen „Supercharger“-Schnelladestationen von Tesla nutzen wie die Tesla-Pkw...

Blick ins Fahrerhaus des Semi
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Der Lastwagenfahrer soll in der Mitte der Kabine zwischen zwei großen Touchscreen-Displays sitzen. Damit spart sich Tesla auch verschiedene Versionen für den Links- oder Rechtsverkehr. Der Sattelschlepper bekommt die Funktionen des Assistenzsystems Autopilot und eine besonders robuste Windschutzscheibe. „Sie übersteht eine Atomexplosion - oder Sie bekommen Ihr Geld zurück“, scherzte Musk in seiner üblichen etwas ungelenken Manier.

Tesla Semi
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Der Lastwagen kann ab sofort reserviert werden, dabei müssen 5000 Dollar hinterlegt werden.

Tesla stellt Elektro-Lastwagen vor
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Die stromlinienförmigen Lastwagen mit kurzer Schnauze, vier Elektromotoren an den beiden hinteren Achsen, einer aufgeräumten Fahrerkabine mit nur einem mittig angeordneten Sitz, zwei großen Monitoren und einem massiven Batterie-Pack unter der Zugmaschine, würden den Wagen in nur fünf Sekunden auf knapp 120 km/h beschleunigen, stellte Musk bei der Präsentation klar. Als Zugmaschine oder mit Hänger. Selbst mit voller Beladung von über 30 Tonnen beträgt die Beschleunigungszeit nur 20 Sekunden.

Mit 30 Tonnen Ladung in nur 20 Sekunden auf Tempo 120
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Solche beeindruckenden Beschleunigungswerte seien aber kein Selbstzweck, sondern dienten der Effektivität. Während der Tesla-Truck eine fünfprozentige Steigungsstrecke mit erlaubter Maximalgeschwindigkeit von 104 km/h  hochklettern könne, schafften die besten Diesel-Lkw gerade mal 70 km/h, sagte Musk. Und ergänzte: „Fahrer werden nach Zeit bezahlt“. Selbst wenn zwei der vier Motoren ausfallen würden, wäre der Sattelzug noch schneller als ein Diesel-Lkw...

Tesla war mit liquiden Mitteln von 3,5 Milliarden Dollar in das vierte Quartal gestartet und eine der wichtigsten Fragen wird sein, wie viel davon noch übrig sind. Das gibt einen Hinweis darauf, ob eine erneute Kapitalerhöhung vor der Tür stehen könnte. Tesla plant für 2019 die Produktionsaufnahme eines Sattelzuges, für den noch keine Fertigungskapazitäten existieren.

Doch der Lastwagen und der überarbeitete Sportwagen Roadster, die CEO Elon Musk beide im November vorgestellt hat, können auch eine Chance sein, die finanzielle Decke wieder ein Stück mehr zu strecken. Die „Founder“-Edition des Trucks kostet 200.000 Dollar, die bei Bestellung fällig sind, für seine Standard-Lkws verlangt Tesla 5000 Dollar an Vorkasse. Für die limitierten 1000 „Founder“-Roadster wird der Preis von 250.000 Dollar pro Stück schon bei Bestellung komplett fällig. Dafür sollen die Sondermodelle auch als erste ausgeliefert werden.

Je nachdem, wie viele Fahrzeuge geordert werden – bislang ist die Rede von ein paar hundert vorbestellten Lkws, wobei unklar ist, um welche Versionen es sich handelt – könnten damit schnell hunderte Millionen Dollar an zinslosen Krediten zusammenkommen. Allein die Sondermodelle des Luxus-Roadsters würden 250 Millionen Dollar in Teslas Kassen spülen, wenn es 1000 Liebhaber des Supersportlers gibt, der jeden Ferrari oder Lamborghini alt aussehen lassen soll. So viele superreiche Tesla-Fans kämen sicher alleine im Silicon Valley und in Hollywood zusammen. Und beim Model 3 hat die Vorkasse-Strategie ja bislang auch geklappt.

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