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Modemarke plant Expansion Betty Barclay will nach China

Das Mode-Unternehmen Betty Barclay will China mit einem lokalen Partner erobern. Doch die Zeit wird knapp, denn die heimischen Hersteller werden immer stärker und der Markt wird innerhalb der nächsten Jahre verteilt.
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Eva Padberg für Betty Barclay: Die Modefirma will den chinesischen Markt erobern. Quelle: Betty Barclay

Eva Padberg für Betty Barclay: Die Modefirma will den chinesischen Markt erobern.

(Foto: Betty Barclay)

NußlochDie Modemarke Betty Barclay steht eher nicht für Experimente. Solide Mode für nicht mehr ganz junge Frauen, meist gut tauglich fürs Büro – das ist das Image der Marke aus der Kleinstadt Nußloch bei Heidelberg. Doch ausgerechnet Betty Barclay folgt jetzt den Großen der Branche und geht auf den chinesischen Markt.

„Wir stehen kurz vor dem Vertragsabschluss mit einem chinesischen Vertriebspartner“, sagte Firmeninhaber Jürgen Winter dem Handelsblatt. Er hofft auf einen Jahresumsatz von etwa 15 Millionen Euro, den er in drei bis fünf Jahren auf dem chinesischen Markt erreichen will. „Das Potenzial ist noch größer. Mir geht es um kontinuierliches Wachstum“, sagte er.

Die Winter Holding, die neben Betty Barclay die Mantelmarke Gil Bret und die Abendmodemarke Vera Mont umfasst, kam im Geschäftsjahr, das im Mai endete, auf etwa 210 Millionen Euro Umsatz – ein Wachstum von 6,1 Prozent. Damit ist die Gruppe knapp ein Drittel so groß wie der im MDax notierte Damenmodekonzern Gerry Weber, der ebenfalls in Asien aktiv ist.

Für den Vorstoß nach China verhandelt Winter derzeit nach eigenen Angaben noch mit zwei potenziellen Partnern. Ihnen habe das Unternehmen Mode von Betty Barclay bei einer Veranstaltung gezeigt. Mitarbeiterinnen der Vertriebsfirmen hätten die Mode begutachtet, anprobiert und für den Markt als tauglich befunden, berichtete Winter.

Für die Expansion nach China will er das Investitionsbudget aufstocken – üblicherweise liegt es bei rund fünf Prozent des Umsatzes. Die Businesspläne seien allerdings noch nicht fertig. Im ersten Jahr könnten Kleider von Betty Barclay in 20 Warenhäusern liegen, ein Jahr später in bis zu 40 in den chinesischen Millionenstädten.

Wachstumsmarkt Fernost

Bislang exportiert Betty Barclay vor allem in die Beneluxländer, nach Osteuropa und nach Russland. Etwa die Hälfte des Umsatzes kommt aus dem Ausland. „Überall dort, wo der Handel auf dem Rückzug ist, arbeiten wir mit eigenen Läden“, sagte Winter. 48 Läden gibt es im Ausland, 41 in Deutschland. Jährlich sollen zehn bis 15 neue hinzukommen, dazu etliche eigene Flächen in größeren Kaufhäusern.

Den Gang nach China probieren derzeit viele Textilmarken – vorweg die großen Ketten. H&M etwa ist seit 2007 in dem Land. Ende 2010 hatte die schwedische Kette dort 47 Filialen, im laufenden Jahr sollen 20 weitere hinzukommen. Der Umsatz dort stieg in einem Jahr um 35 Prozent auf 276 Millionen Euro. Auch die Textilkette Zara hat 143 Läden in China. Weitere mittlere deutsche Marken wie Brax und Seidensticker verfolgen Asien-Pläne, die Schweizer Holy-Fashion-Group will mit ihrer Marke Windsor Fuß fassen.

Inhaber kündigt Abschied an

Chinesen zahlten für europäische Marken einen deutlichen Aufpreis, sagte Dorothea Ern-Stockum von der Beratung Kurt Salmon. Der Markt für Mittelklassemarken werde jetzt verteilt. Für die nächsten drei Jahre rechnet sie mit ungebremstem Wachstum, danach werde sich die Spreu vom Weizen trennen. Während chinesische Unternehmen im Luxussegment noch ein Jahrzehnt brauchen könnten, um starke eigene Marken zu bilden, werde es im Massenmarkt deutlich schneller gehen, warnte Berater Franz Schmid-Preissler. Dennoch könnten sich die Unternehmen Hoffnungen machen, dass sie „wegen der enormen Nachfrageentwicklung genügend Lebensraum für ihre Marken finden und damit auch höhere Wachstumsraten erzielen, als dies im europäischen und amerikanischen Markt möglich ist“, sagte er.

Winter wird den möglichen Erfolg in China wohl nicht mehr als operativ tätiger Chef erleben. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wolle er sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, sagte der 67-Jährige. Seine Kinder als Erben würden wohl nicht aktiv ins Unternehmen gehen – allenfalls in einen Beirat, der künftig die Markengeschäftsführer kontrollieren soll.

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