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Möbelhersteller Schieders Schreckgespenst

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Im fernen Liechtenstein sitzen Thomas Fox und Marcel Reich an einem Konferenztisch und beugen sich über ein Organigramm. Fox, ein jovial-bulliger Typ, ist der vor vier Wochen eingeflogene Krisenmanager, Reich der Geschäftsführer von IMS, einer der vielen Tochterfirmen von Schieder. Als „Perle des Konzerns“ beschreiben die beiden den 1 700 Mitarbeiter starken Tochterbetrieb, der sich auf hochwertigere Möbelsegmente spezialisiert hat. „Von der Bilanz her sind wir eine Bank mit angeschlossenem Möbelhandel“, sagt Fox, der vor seinem Schieder-Einsatz als Krisenmanager beim schlitternden Geldtransporter Heros einiges gewohnt war und damit schon ganz andere Patienten kennen gelernt hat. Die Aufgabe des Führungsduos besteht darin, IMS aus dem Strudel hinauszurudern, in den die westfälische Muttergesellschaft geraten ist.

Ihr Problem ist jedoch das gleiche wie im Mutterhaus: Falls die Kunden nicht mitmachen, gehen auch in Liechtenstein die Lichter aus. Die Kunden brauchen absolute Sicherheit. Ikea zum Beispiel bastelt jetzt am neuen Katalog, der dann ein Jahr Gültigkeit hat. Nicht auszudenken, wenn die Couch, die dort abgebildet ist, nicht lieferbar wäre. Also müssen Fox und Reich in Liechtenstein genauso wie Ulrich Wlecke als neuer Manager am westfälischen Hauptsitz der Gruppe vor allem eines schaffen: Vertrauen.

Dazu brauchen sie eine Antwort auf die Frage: Wo lag der Fehler? Bei der Suche führt kein Weg an Rolf Demuth vorbei. Ohne ihn gäbe es Schieder nicht. Aber er gilt auch als der Mann, der zu unerlaubten Mitteln greift, als er sein Lebenswerk zwischen den Händen zerrinnen sieht.

„Der Henry Ford der Möbler“

„Der Henry Ford der Möbler“ wird der 68-Jährige mit dem grauen Vollbart und dem schütteren, kurz rasierten Haar in der Branche genannt, weil er als Erster in Deutschland die handwerkliche Möbelfertigung auf industrielle Serienfertigung umstellte. Der Mann, der einst die Wünsche der wirtschaftswunderhungrigen Deutschen schneller und preiswerter als andere befriedigen konnte, ist heute einer der vier führenden Schieder-Manager, für die Staatsanwalt Pollmann Haftbefehle auf seinem Schreibtisch liegen hat. Wenn Krisenmanager Fox auf ihn zu sprechen kommt, zuckt er bedauernd die Schultern, fühlt sich an den Firmenchef von Heros erinnert: „Der hat jetzt auch beschränkte Besuchszeiten.“

Als Demuth 1964 seinen Betrieb mit 27 Mitarbeitern im Dorf Schieder gemeinsam mit seinem Schwiegervater gründet, werden Möbel noch in Handarbeit zusammengebaut. „Ich bin ein kleiner Junge vom Land“, hat Demuth stets über sich gesagt.

Mitarbeiter veranlasst das inzwischen zu hämischen Bemerkungen. „Wäre er geblieben, wo er hingehört, und hätte nicht in der großen Welt das große Rad zu drehen versucht, wäre uns der Schlamassel jetzt wohl erspart geblieben“, sagt ein Angestellter, der gerade das Firmengelände in Schieder verlässt und die Kontrollen hinter sich gebracht hat. Fox ist emotionsloser: „Demuth hat seine Firma eigenhändig aufgebaut und wieder abgebaut. Das gibt’s.“

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