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Möbelhersteller Schieders Schreckgespenst

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Der Aufbauprozess sieht so aus: Demuth spürt in den siebziger Jahren den Preisdruck in der Möbelbranche und sinnt auf Abhilfe. Er unternimmt das Wagnis und geht mit einem kommunistischen Staatsbetrieb in Polen ein Joint Venture ein. Der Plan geht auf. Heute kommt ein Großteil der Schieder-Produktion aus Osteuropa. Den zweiten Zug nach Osten verpasst Demuth allerdings – der Abbau beginnt.

Das Gros der weltweiten Möbelproduktion stammt inzwischen aus Ländern wie Malaysia oder China, wo die Lohnkosten noch deutlich unter denen von Polen oder Ungarn liegen. Demuth entdeckt China erst, als ihn der damalige Kanzler Gerhard Schröder im Jahr 2004 zu einer Reise ins Land der Mitte einlädt. Seit 2005 lässt Schieder auch dort produzieren, die Qualität ist jedoch noch immer nicht so, dass etwa IMS die Produkte aus dem Fernen Osten an prominenter Stelle in seinem liechtensteinischen Schaulager ausstellen würde.

Und dann die Organisation. Wenn Reich und Fox in Liechtenstein oder Wlecke am Hauptsitz in Schieder nachvollziehen wollen, welche Firma innerhalb des Konzerns wofür zuständig ist, verfallen sie in verzweifeltes Grübeln. 110 Gesellschaften gehören zum Imperium, 80 sind operativ unterwegs. Der Patriarch, so formuliert es einer der Beteiligten, habe eine Organisation geschaffen, die um die Menschen aufgebaut war, denen er vertraute. „Wie ein Sonnenkönig.“

Der Wettbewerbsvorteil, den Schieder eigentlich hat und der darin besteht, einer der wenigen Komplettanbieter der Branche zu sein, wird so zum Nachteil: Kaum einer weiß, wer wofür zuständig ist. Einige Kunden werden gleich mehrmals von unterschiedlichen Schieder-Tochtergesellschaften angesprochen, andere gar nicht. „In Liechtenstein“, so fasst es Reich zusammen, „waren wir froh, wenn wir einmal im Jahr unser Geld abliefern durften und dafür in Ruhe gelassen wurden.“

Iraner leitet Geschäfte

In Westfalen mehren sich unterdessen die Anzeichen für eine Krise. Demuth hatte sich eigentlich vor zwei Jahren aus dem aktiven Geschäft verabschiedet und die Führung in die Hände des iranischstämmigen Managers Samir Jajjawi übergeben. Nach außen vertritt Jajjawi, ohne mit der Wimper zu zucken, jene Bilanzen, über denen jetzt die Staatsanwaltschaft brütet. So beziffert er 2005 und 2006 den aktuellen Jahresumsatz des Konzerns je auf rund eine Milliarde Euro, während die Erlöse in Wirklichkeit nur bei der 900-Millionen-Euro-Marke pendeln.

Tatsächlich, so glauben die Ermittler inzwischen, hält Jajjawi in dieser Zeit für ein System den Kopf hin, das Demuth im Hintergrund ausgetüftelt hat. Gesellschafter-Darlehen werden als Umsatz verbucht, privates und geschäftliches Vermögen nicht mehr sauber getrennt. Genussscheine im Wert von 50 Millionen Euro zählen eigentlich zu den Verbindlichkeiten, werden in der Bilanz jedoch wie Eigenkapital behandelt. Am 4. Dezember 2006 wird es dem Iraner zu viel. Er kündigt, und der Firmengründer, der sich eigentlich nur noch seinem Hobby, dem Segeln widmen wollte, übernimmt wieder das Ruder. Die Staatsanwaltschaft in Bielefeld hindert das heute nicht, auch gegen Jajjawi zu ermitteln.

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