Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Möbelhersteller Schieders Schreckgespenst

Seite 4 von 4:

Demuth kann jetzt jedoch nicht mehr verhindern, dass die Mosaikstückchen seiner Bilanzen wie Dominosteine umfallen. Im Dörfchen Schieder machen die ersten Gerüchte die Runde. „Es gab schon einige Signale, die zwischenzeitlich aufhorchen ließen“, sagt Bürgermeister Klaus. „Etwa, als man mitbekam, dass Schieder einen Börsengang plant oder Genussscheine ausgegeben hat mit einem Zinssatz im zweistelligen Bereich.“ Als ehemaliger Wirtschaftsförderer klingeln da bei Klaus die Alarmglocken. „Das klingt ja schon nach Risiken, die damit verzinst werden.“ Was das für seine Stadt bedeutet – darüber habe er sich aber zunächst keine Gedanken machen wollen.

Am Firmensitz an der Bahnhofstraße brennt es unterdessen lichterloh. Trotz aller Tricks fehlt Geld in der Kasse, um die laufenden Geschäfte abzuwickeln – rund 70 Millionen Euro. Das Management verhandelt mit Banken über einen Überbrückungskredit und meldet im April vorsorglich Insolvenz an. Das erzeugt Druck. Nach außen gibt es keinen Grund, das scheinbar profitable, aber wenig liquide Unternehmen in den Ruin zu treiben. Demuth spielt den Banken den Schwarzen Peter zu, und die Strategie geht auf: Die Institute gewähren einen Kredit – auf Grund vermutlich falscher Zahlen, wie sich erst später herausstellt.

Doch die Banken nehmen jetzt auch das operative Geschäft in die Hand. Ulrich Wlecke vom Krisenberatungsunternehmen Alix Partners wird als Manager in Westfalen eingesetzt, Fox fliegt in Liechtenstein ein. In finanziellen Angelegenheiten berät die Investmentbank Houlihan Lokey Loward & Zukin die neue Geschäftsführung. Demuth ist raus. Wlecke will wissen, womit er es zu tun hat und arbeitet mit den neu bestellten Sonderprüfern von Pricewaterhouse Coopers die Bilanzen durch. Das Ergebnis ist verheerend. Am Gang zur Polizei führt kein Weg vorbei.

Wlecke versucht seither zu retten, was zu retten ist. Die Gespräche mit den Banken laufen. Bei IMS in Liechtenstein liegt Plan B auf dem Tisch: Fox und Reich können sich auch eine Zukunft ohne Schieder vorstellen. Bürgermeister Klaus knetet seine Hände, schaut aus dem Rathausfenster nach draußen – auf eine Wiese, auf der Schafe grasen. Zwei dunkle sind dabei. „Müssen wir vielleicht Gewerbesteuereinnahmen zurückzahlen, wenn die Bilanzen von Schieder Möbel neu erstellt werden? Das wäre der Supergau für uns“, sagt er. Und den Mitarbeitern graut es vor den Betriebsferien: „Ab Mitte Juni haben wir Urlaub“, erzählt einer aus der Produktion. „Wie es hier wohl aussieht, wenn wir wiederkommen?“

Startseite
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote