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Mögliche Übernahme Thermo Fisher tritt wohl an Qiagen mit Milliarden-Gebot heran

Der US-Laborausrüster zeigt Interesse an dem deutschen Biotech-Unternehmen. Qiagen wäre eine weitere interessante Ergänzung für Thermo Fisher.
14.11.2019 - 11:23 Uhr Kommentieren
Das deutsche Biotech-Unternehmen ist rund acht Milliarden Dollar wert. Quelle: dpa
Qiagen

Das deutsche Biotech-Unternehmen ist rund acht Milliarden Dollar wert.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Übernahme-Spekulationen um den deutschen Biotech-Konzern Qiagen verdichten sich schneller als erwartet. So prüft nach Berichten von Reuters und Bloomberg der US-Konzern Thermo Fisher Scientific ein vermutlich mehr als acht Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot für das Hildener Biotechunternehmen, dessen Bewertung in den zurückliegenden Wochen aufgrund enttäuschender Zahlen unter Druck geraten war.

Thermo Fisher ist danach auch bereits an das Qiagen-Management mit einem entsprechenden Gesprächsangebot herangetreten. Ein Sprecher von Qiagen wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Über ein Interesse von Thermo Fisher an dem größten deutschen Biotechunternehmen wird indessen schon seit längerem spekuliert.

Die Aktie von Qiagen hatte nach der jüngsten Umsatzwarnung Anfang Oktober zwischenzeitlich mehr als ein Fünftel an Wert verloren. In Reaktion auf die nachfolgenden Übernahmespekulationen und die jüngsten Meldungen hat sie diese Einbußen seither aber wieder voll kompensiert. Am Donnerstagmorgen notierte sie mit 33 Euro wieder auf dem früheren Niveau.

Eine Übernahme von Qiagen würde auf eine der bisher größte Akquisitionen von Thermo Fisher hinauslaufen und wäre zugleich der mit Abstand größte Deal in der deutschen Biotechbranche. Thermo Fisher gilt als einer der führenden Hersteller von Laborgeräten und Materialien für die Pharma- und Biotechforschung, und ist außerdem auch im Diagnostikageschäft engagiert.

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    Vor Jahren kaufte der US-Konzern bereits die deutsche Diagnostikfirma Brahms. Im letzten Geschäftsjahr erzielte Thermo Fisher rund 24 Milliarden Dollar Umsatz, davon ein Viertel mit Laborgeräten und 15 Prozent mit Diagnostika. Der Rest entfällt auf Reagenzien, andere Materialien und Serviceleistungen.

    Qiagen wäre eine weitere interessante Ergänzung für Thermo Fisher. Der Hildener Konzern erzielte zuletzt rund die Hälfte seines Umsatzes von 1,5 Milliarden Dollar im Jahr 2018 mit Diagnostika und Reagenzien für die Biochemie- und Genforschung. Er war ursprünglich vor allem als Spezialist für die Aufbereitung von DNA groß geworden und expandierte später mit einer Reihe von Zukäufen in die medizinische Diagnostik.

    Thermo Fisher könnte damit durch eine Übernahme mehrere seiner Geschäftsfelder stärken und zudem erhebliche Synergien im Vertrieb generieren. Qiagen ist angreifbar geworden, nachdem man zuletzt mehrfach die eigenen Wachstumsprognosen verfehlte und man jüngst im Bereich der Gen-Sequenzierung einen gravierenden Strategiewechsel vollziehen musste.

    Dort verabschiedet sich der Konzern von der Weiterentwicklung der eigenen Technologie, des so genannten Gene-Readers, zugunsten einer Allianz mit dem marktführenden US-Konkurrenten Illumina. Qiagen ist trotz relativ hoher Investitionen in Forschung, Sachanlagen und Zukäufe im Schnitt nur um moderate fünf bis sechs Prozent pro Jahr gewachsen.

    Die mehrfach angekündigte Beschleunigung des Umsatzwachstums ist bisher ausgeblieben, was gewisse Zweifel an der Strategie und deren Umsetzung nährte. Zudem verkündete der langjährige Firmenchef Peer Schatz Anfang Oktober überraschend seinen sofortigen Rücktritt, was aus Sicht von Analysten ein gewisses Führungsvakuum an der Konzernspitze hinterlässt und für zusätzliche Unsicherheit sorgt.

    Dies gilt umso mehr, als Schatz in der Vergangenheit stets klar die Eigenständigkeit des Konzerns betonte. Der Lifescience- und Diagnostik-Sektor ist seit Jahren bereits von einem deutlichen Konsolidierungstrend mit zahlreichen Übernahmen geprägt.

    Durch solche Transaktionen groß geworden

    Auch Thermo Fisher ist durch solche Transaktionen groß geworden und hatte den letzten größeren Deal 2017 mit der Übernahme der niederländischen Firma Patheon vollzogen, die Serviceleistungen im Bereich klinische Forschung und Pharmaproduktion anbietet. Vom Produktprogramm würde Qiagen nach Einschätzung von Experten vergleichsweise gut zu Thermo Fisher passen.

    Für andere Akteure aus der Branche dagegen wäre eine Übernahme wohl komplizierter. Reine Diagnostikanbieter wie Abbott und Healthineers könnten mit dem Forschungsgeschäft von Qiagen wenig anfangen. Die beiden offensivsten Käufer im Life-Science-Sektor, der US-Konzern Danaher und die deutsche Merck-Gruppe, sind vorerst noch damit beschäftigt, ihre jüngsten Zukäufe zu verdauen.

    Danaher vereinbarte im Frühjahr die Übernahme des Biopharmageschäfts von GE für 21 Milliarden Dollar, Merck hat sich gerade erst im Chemiebereich mit der Übernahme von Versum verstärkt. Diagnostik-Marktführer Roche wiederum müsste größere Kartellprobleme fürchten, da er ebenfalls Forschungslabore beliefert und stark in der molekularen Diagnostik engagiert ist. Zudem wäre es problematisch für Roche, die Aktivitäten von Qiagen in der Entwicklung von Begleitdiagnostika für andere Pharmafirmen weiterzuführen.

    Mehr: Zwei Umsatzwarnungen von Qiagen in einem Jahr alarmieren Investoren und Analysten. Sie zweifeln jetzt auch am Wachstums- und Jahresziel.

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