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Moia-Chef Ole Harms Das ist Volkswagens Mann für die Zukunft

Ole Harms, Chef der VW-Zukunftswerkstatt Moia, geht mit seinem groß angelegten Shuttleprojekt in Hamburg an den Start. Er führt den Konzern auf ganz neues Terrain.
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VW: Moia-Chef Ole Harms ist der Mann für die Zukunft Quelle: picture alliance/dpa
Ole Harms

Der VW-Manager hat die Tochter Moia mitgegründet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Düsseldorf, HamburgOle Harms’ Jobbeschreibung bei Volkswagen ist eigentlich: der Mann für die Zukunft. Das strahlen moderner Undercut-Haarschnitt und Vollbart des 42-Jährigen aus. Tatsächlich aber ist der Manager zugleich Diplomat.

Am Mittwoch fuhr Harms vor dem märchenschlossgleichen Hamburger Rathaus mit einem futuristischen Kleinbus vor: Auf der Front leuchtete der Schriftzug „MOIA“. Ab April sollen die Elektrofahrzeuge in der zweitgrößten deutschen Stadt einen neuen Shuttleservice anbieten – mit bis zu 500 Wagen und über 1.000 festangestellten Fahrern.

Das Sammeltaxi 2.0 ist Volkswagens Antwort auf Uber und Car2go. Der Dax-Konzern wagt sich in eine Welt, in der nicht Autos, sondern Mobilität verkauft wird.

Moia zählt zu den jüngsten Tochterunternehmen im Volkswagen-Konzern. Erst Ende 2016 hob Harms, zuvor Berater im hauseigenen Consulting, als Chef die neue Einheit aus der Taufe – und hat trotzdem schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Das VW-Management stufte Harms im Vergleich zu anfänglichen Versprechen ab.

Anfangs wollte Volkswagen Moia noch als eine eigenständige Marke im Konzern führen – also gleichberechtigt mit VW, Audi oder Porsche. Doch dieses Bekenntnis hielt nur wenige Wochen: Moia verlor den Markenstatus wieder und wurde zu einem Tochterunternehmen degradiert.

Außen futuristisch, innen eher schlicht. Quelle: dpa
Neu entwickelter Shuttle

Außen futuristisch, innen eher schlicht.

(Foto: dpa)

Außerdem gehörte auch die Beteiligung am Uber-Konkurrenten Gett zu Moia. Doch auch damit ist schon wieder Schluss: Volkswagen steht vor dem Rückzug aus der Vermittlung von Fahrten mit Privatautos. Harms hat seinen Posten im Gett-Board schon vor über einem Jahr an einen Konzernmanager abgegeben. Für ihn kein Nachteil: Die etwa 300 Millionen Euro schwere Kaufpreis-Abschreibung auf den Dienst, der dem Marktführer Uber weltweit nicht gewachsen war, muss er so nicht verantworten.

Stattdessen kann er sich jetzt auf das reine Ride-Sharing konzentrieren. Im vergangenen Jahr war Moia damit bereits in Hannover mit inzwischen 150 Autos gestartet. In Hamburg beginne nun das weltweit größte Experiment dieser Art, sagte Harms – mit in Osnabrück gebauten, speziell entwickelten Shuttles.

Dass das gelungen ist, ist auch Harms’ Verhandlungsgeschick zu verdanken: Ein Jahr habe es gedauert, um mit der hamburgischen Wirtschaftsbehörde Rechtssicherheit zu bekommen, sagte Harms. Das Projekt kann dank einer Experimentierklausel im Personenbeförderungsgesetz beginnen – und weil die Hamburger Politik großes Interesse hat. Die Stadt richtet 2021 den globalen Transportkongress ITS aus und suchte dafür Vorzeigeprojekte.

Trotzdem macht die Stadt einige Auflagen: Moia muss immer teurer sein als ein Bahnticket und einen großen Teil des Stadtgebiets abdecken – obwohl nur 500 statt der zunächst beantragten 1.000 Shuttles fahren dürfen.

Auch gegenüber dem lokalen Taxigewerbe musste Harms als Diplomat agieren und betonen, er ziele auf eingefleischte Autofahrer: Während die Taxler noch vor einem Jahr mit Straßenblockaden gegen Moia protestierten, gibt sich die Branche heute gelassen. „Das ist nicht der Untergang des Abendlands“, sagt ein Sprecher der Genossenschaft Hanse-Taxi. Moia werde den Markt erweitern, nicht kannibalisieren.

Konzernintern hilft Harms wohl, dass er trotz aller Zukunftseuphorie eher dem klassischen VW-Modell folgt. Anders als Uber und andere Silicon-Valley-Start-ups rollt er den Dienst nicht gleich weltweit aus und optimiert ihn erst im zweiten Schritt. Er will das Geschäftsmodell in Hamburg zur Serienreife entwickeln.

„Wir wollen nicht unsere Fehler skalieren, sondern erst in die Tiefe entwickeln, bevor wir in die Breite gehen“, sagt er. Will heißen: In Hamburg baut er Betriebshöfe mit Ladeinfrastruktur und Pausenräumen für die relativ gut bezahlten Fahrer auf, bis das Produkt für Städte weltweit perfekt ist. Das unterscheidet Moia vom Konkurrenten Clever Shuttle. Das von der Bahn mitfinanzierte Start-up ist zwar in sechs deutschen Städten aktiv, frustriert aber einige Kunden wegen zu wenig Autos mit langen Wartezeiten.

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