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Monsanto Aktionäre klagen gegen Verkauf an Bayer

In den USA ist von Monsanto-Aktionären die erste Sammelklage gegen die Übernahme des Saatgutkonzerns durch Bayer eingereicht worden – eine typische Aktion der amerikanischen Prozessindustrie.
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Werner Baumann (l.), Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG, und Hugh Grant, Chairman und Chief Executive Officer von Monsanto, verkündeten im September die Übernahme von Monsanto durch Bayer. Aktionäre der US-Amerikaner klagen jetzt dagegen. Quelle: dpa
Monsanto-Aktionäre klagen gegen Verkauf an Bayer

Werner Baumann (l.), Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG, und Hugh Grant, Chairman und Chief Executive Officer von Monsanto, verkündeten im September die Übernahme von Monsanto durch Bayer. Aktionäre der US-Amerikaner klagen jetzt dagegen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs war nur eine Frage der Zeit, wann gegen die Mega-Übernahme im Agrarsektor geklagt wird: Am Dienstag teilte der US-Saatgutkonzern Monsanto mit, dass beim Gericht am Konzernsitz St. Louis im US-Bundesstaat Missouri eine Sammelklage gegen den Verkauf an Bayer eingegangen ist. Der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern will das US-Unternehmen für 66 Milliarden Dollar übernehmen. Am 15. September 2016 hatten beide Konzerne eine Einigung verkündet.

Jetzt tauchen die ersten Klagen gegen den Deal auf. Dabei handelt es sich nicht um Umweltschützer, die wie sonst üblich die Geschäftspraktiken der Agrarchemiehersteller anprangern. Vielmehr haben Aktionäre von Monsanto eine Sammelklage gegen die Übernahme eingereicht. Sie werfen dem Management des US-Konzerns vor, Treuepflichten gegenüber den Anteilseignern verletzt zu haben.

Konkret lautet der Vorwurf im Klagetext: Das Monsanto-Board habe einer Transaktion zugestimmt, die den wirklichen Wert des Unternehmens nicht adäquat widerspiegele. Das heißt, die Aktionäre halten den Preis von 128 Dollar pro Aktie für nicht angemessen. Die Boardmitglieder hätten dem Deal nur zugestimmt, um sich den persönlichen Profit zu sichern, der ihnen über Aktienoptionen durch die Übernahme zukomme. So könnte Monsanto-CEO Hugh Grant allein auf diesem Weg mehr als 75 Millionen Dollar im Zuge der Übernahme bekommen.

Dem Board wird vorgeworfen, Informationen über die Transaktion zurückgehalten zu haben. Auch Bayer und die Investmentbanken von Monsanto, Morgan Stanley und Ducera Partners, gehören zu den Beklagten. In einem Statement gab Monsanto am Mittwoch bekannt, man halte die Vorwürfe für unbegründet.

Diese Manager sagten „Ja“ zu Monsanto
Werner Wenning (Vorsitzender)
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Wenn man so will, hat der gebürtige Leverkusener sein ganzes Leben in den Dienst des Chemie-und Pharmakonzerns gestellt. Der Industriekaufmann arbeitet seit 44 Jahren ohne Unterbrechung bei Bayer – in unterschiedlichen Sparten im In- und Ausland. Als der damalige Finanzvorstand 2002 das Amt als Vorstandsvorsitzender antrat, steckte Bayer im Skandal um das tödliche Medikament Lipobay. Dem Konzern drohte die Zerschlagung. Er meisterte diese Herausforderung. Im Jahr 2010 räumte Wenning seinen Schreibtisch und machte damit Platz für seinen Nachfolger Marijn Dekkers. Zwei Jahre später wurde er zum Vorsitzenden des Bayer-Aufsichtsrates ernannt. Auch ist er Vorsitzender des Kontrollgremiums von Eon und Mitglied bei den Dax-Konzernen Henkel und Siemens.

(Foto: dpa)
Oliver Zühlke
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Er ist seit 2015 Vizechef des Bayer-Aufsichtsrates. Der gelernte Chemikant ist Betriebsratschef, vertritt im Gremium daher die Arbeitnehmerseite. Was die geplante Bayer-Übernahme des US-amerikanischen Saatgutspezialisten betrifft, äußert er sich zuversichtlich. Er findet, dass Monsanto besser ist als sein Ruf. Der Bayer-Konzern habe den Mitarbeitern in einer mehrseitigen Erklärung umfangreiche Zusagen beim Kündigungsschutz und Standorten gemacht. „Es wird keinen Jobabbau geben“, sagte Zühlke der „Rheinischen Post“.

(Foto: Bayer)
Paul Achleitner
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Paul Achleitner kennt sich mit der Tätigkeit in Aufsichtsräten aus: Er sitzt bei Daimler im Gremium und ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank. Dort lief es zuletzt nicht rund: Großaktionäre wollen einen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze, sobald Achleitners Vertrag 2017 ausläuft. Der Vorwurf: Achleitner habe zu lange am Ex-Vorstandschef Anshu Jain festgehalten. Gründe für die Wut der Aktionäre gibt es viele: Ein dramatischer Kurssturz, ungeklärte Skandale, keine Dividende und eine Schlammschlacht im Aufsichtsrat. Achleitner selbst will eine zweite Amtszeit nach 2017, auf der Hauptversammlung sagte er: „Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde.“ Die Aktionäre quittierten die Ankündigung mit Schweigen.

(Foto: AFP)
Clemens Börsig
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Der promovierte Betriebswirtschaftler Börsig hat viel Erfahrung in Führungs- und Aufsichtsratsfunktionen: Von 1997 bis 1999 war er Finanzvorstand bei RWE, von 2006 bis 2012 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Als solcher hatte ihm die Staatsanwaltschaft im Deutsche-Bank-Prozess schweren Prozessbetrug vorgeworfen – genauso wie Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, den Vorgängern Josef Ackermann und Rolf-E. Breuer sowie Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck. Sie hätten in einem früheren Prozess gelogen, um Schadensersatzansprüche des Medienunternehmers Leo Kirch abzuwenden, so die Staatsanwaltschaft. Dafür fanden sich keine Beweise, das Verfahren endete mit einem Freispruch. Seit 2013 ist Börsig Vorsitzender des Vorstands der Deutsche Bank Stiftung. Mitglied des Aufsichtsrates ist er bei Bayer seit April 2007.

(Foto: Imago)
Simone Bagel-Trah
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Sie ist wohl die einflussreichste Frau im Dax: Simone Bagel-Trah ist die erste und bislang einzige Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-Konzerns. Als Mitglied der fünften Generation der Henkel-Familie leitet sie nicht nur das Kontrollgremium des Persil-Konzerns, sondern hat auch im Gesellschafterausschuss das Sagen. Seit 2014 ist Bagel-Trah Mitglied im Bayer-Aufsichtsrat. Für dieses Amt bringt die gebürtige Düsseldorferin Fachwissen mit. Denn: Bagel-Trah hat im Bereich Mikrobiologie und Pharmazie promoviert – und ist bis heute geschäftsführende Gesellschafterin des Biotech-Dienstleisters Antiinfectives Intelligence. Das schlechte Image des Saatgutspezialisten Monsanto ist der Naturwissenschaftlerin daher durchaus bekannt. Trotzdem hat sie der Milliarden-Übernahme durch Bayer zugestimmt.

(Foto: dpa)
Thomas Ebeling
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Thomas Ebeling sitzt seit April 2012 im Aufsichtsrat von Bayer. Mit der Pharmabranche kennt sich der gebürtige Hannoveraner aus: Von 2000 bis 2007 war er CEO des Pharmageschäfts von Novartis, anschließend für ein Jahr Chef der Sparte Consumer Health. 2009 wechselte er dann in die Medienbranche als Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1, der im März der Sprung in den Dax gelang.

(Foto: dpa)
Johanna W. (Hanneke) Faber
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Die gebürtige Niederländerin ist ein Neuzugang im Bayer-Aufsichtsrat. Sie gehört dem Gremium seit April an. Als Chief Commercial Officer ist sie beim niederländischen Handelskonzern Ahold für die Werbung zuständig und Mitglied der Geschäftsleitung.

(Foto: Ahold)

In Branchenkreisen heißt es, die Klage sei als „typische und handelsübliche Aktion der amerikanischen Prozessindustrie einzuordnen“. In den USA haben Sammelklagen eine lange Tradition. Meist ergreifen spezialisierte Kanzleien die Initiativen für solche so genannten Class Actions, mit denen möglicherweise geschädigte Verbraucher oder Aktionäre gegen Unternehmen vorgehen und Schadenersatz verlangen. Wird eine Sammelklage zugelassen und kommt es zu einer Ausgleichszahlung, kann es teuer werden. Denn dann könnten alle Aktionäre eines Unternehmens davon profitieren.

Das steckt hinter der Sammelklage

Hinter der Sammelklage dürfte die Enttäuschung stecken, dass der von Monsanto und Bayer vereinbarte Preis nicht über 130 Dollar pro Aktie hinausgeht. An der Wall Street hatten Investoren während den Verhandlungen zwischen beiden Firmen immer wieder einen adäquaten Preis von etwa 130 bis 135 Dollar genannt, teilweise auch mehr.

Monsanto hat in einem Schreiben an die US-Börsenaufsicht SEC den gesamten Prozess der Verhandlungen detailliert dokumentiert. Mehrere Gutachten ergaben demzufolge zunächst, dass die Monsanto-Aktie aus eigener Kraft nicht den von Bayer im Mai 2016 gebotenen ersten Preis von 122 Dollar in absehbarer Zeit erreichen könne. Die Aktie notierte damals bei 100 Dollar.

Pflichtgemäß lotete Monsanto-CEO Grant während der Gespräche mehrere Alternativen zu dem Verkauf an die Deutschen aus. Dazu gehörte auch ein Zusammenschluss mit einem anderen Agrarchemiehersteller, bei dem es sich um den deutschen BASF-Konzern gehandelt haben soll. Diese Transaktion hätte für jede Mosanto-Aktie jedoch nur einen Wert von 110 bis 115 Dollar widergespiegelt, also deutlich weniger als von Bayer geboten.  Diese Dokumentation dürfte auch Basis dafür sein, wie sich Monsanto gegen die Sammelklage wehren wird – so sie denn überhaupt zugelassen wird.

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