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Monsanto Drei Erkenntnisse aus Bayers neuer Glyphosat-Strategie

Der Aufsichtsrat des Konzerns erkennt seine Verantwortung im Rechtsstreit um Glyphosat. Klar ist auch: Bayer sitzt der Hedgefonds Elliott im Nacken.
Update: 27.06.2019 - 10:52 Uhr 2 Kommentare
Bayer & Monsanto: 3 Erkenntnisse aus Bayers neuer Glyphosat-Strategie Quelle: AP
Kritische Aufseher

Aufsichtsratschef Werner Wenning (links) suchte im Streit um die Monsanto-Übernahme zuletzt den Schulterschluss mit Bayer-Chef Werner Baumann.

(Foto: AP)

Düsseldorf Genau zwei Monate ist es her, dass die Aktionäre von Bayer ihrem Unmut über die Konzernführung freien Lauf ließen: Die Nichtentlastung des Vorstands um CEO Werner Baumann auf der Hauptversammlung Ende April war ein einmaliger Vorgang. Auch die schwache Zustimmung zum Aufsichtsrat zeugte eindeutig von Misstrauen und Enttäuschung. Das war nachvollziehbar, hatte doch die vom Management so gefeierte Übernahme von Monsanto zu einem Wertverlust von mehr als 40 Prozent geführt.

In den Wochen danach türmten die Investoren ihre Forderungen an die Konzernspitze auf: Der Aufsichtsrat solle Verantwortung übernehmen und seine Kompetenzen im Umgang mit den Glyphosat-Prozessen stärken. Die enge Bande zwischen Aufsichtsratschef Werner Wenning und CEO Baumann wurde scharf kritisiert, von Wagenburgmentalität und arrogantem Verhalten war die Rede.

Viele Investoren erwarten und hoffen, dass Bayer eine Lösung findet, um den Aktienkurs endlich vom Ballast der bedrohlichen Glyphosat-Klagen zu befreien. Auf diese Forderungen ist der Aufsichtsrat von Bayer nun eingegangen. Prompt stieg die Bayer-Aktie am Donnerstagmorgen um mehr als sieben Prozent.

Die am Mittwochabend verbreitete Erklärung bringt drei Erkenntnisse:

1. Signal an die Investoren

Der Aufsichtsrat um Werner Wenning sendet an die Investoren das klare Signal: Statt lediglich Treue zum Vorstand zu beschwören, erkennt das Gremium seine eigene Verantwortung für das Börsendebakel an. Ein eigens geschaffener Sonderausschuss soll die Strategie für die Glyphosat-Prozesse nicht nur überwachen, sondern mitgestalten und Empfehlungen geben. Die Kontrolleure engagieren den amerikanischen Star-Anwalt John Beisner, von dem sie sich einen frischen und unabhängigen Blick erhoffen.

Das ist ein eindeutiges Zeichen: Der Aufsichtsrat verlässt sich im Umgang mit den Glyphosat-Prozessen nicht mehr allein auf die Sichtweise des Vorstands. Daraus lässt sich sicherlich kein Zerwürfnis zwischen Wenning und Baumann ableiten. Die beiden zeigen ein gleich starkes Bekenntnis zum Monsanto-Deal, den Wenning ja mit vorangetrieben hat. Es ist aber wichtig, dass der Aufsichtsrat zu einer eigenen Bewertung der Sachlage kommen will, um seine Kontrollaufgabe wirklich wahrnehmen zu können.

2. Vergleich mit US-Klägern

Ob diese Schritte dazu führen werden, dass Bayer nun einen milliardenschweren Vergleich mit den Glyphosat-Klägern suchen wird, ist offen. Dafür spricht, dass der Konzern sich auf einen Schlag des ganzen Rechtsfalls entledigen könnte und die auf dem Aktienkurs lastende Unsicherheit beendet würde. Die Erfahrung aus Produkthaftungsprozessen in den USA lautet, dass sie meistens mit Vergleichen enden. Entscheidend sind allerdings die Konditionen. Vergleichszahlungen in Höhe von fünf Milliarden Euro ließen sich für Bayer problemlos wegstecken, bei höheren zweistelligen Beträgen würde es kritisch.

Zudem könnte auch ein Staranwalt wie John Beisner zu der Empfehlung kommen, dass Bayer gute Chancen in einem Berufungsverfahren hat. Schließlich pochen die Leverkusener auf die Einstufungen führender Zulassungsbehörden, die auch nach neuerlicher Prüfung keine Gesundheitsgefahr durch Glyphosat erkennen. Es wäre verwunderlich, wenn Bayer dieses argumentative Pfund von heute auf morgen aufgeben würde. Logischer wäre es, wenn der Konzern erst mal den Verlauf des gerade gestarteten ersten Berufungsverfahren abwartet.

3. Bayer-Investor Elliott

Ein schneller Vergleich mit den Glyphosat-Klägern wäre genau nach dem Geschmack eines Bayer-Investors, der sich am Mittwochabend aus der Deckung begeben hat: der Hedgefonds Elliott. Er gilt als aufrührerischer Investor, hat bei anderen Unternehmen das Management zu Fall gebracht und setzt dabei meist auf scharfe öffentliche Kritik und internen Druck. Bisher hat sich Elliott nie zu seinem Bayer-Engagement geäußert. Nun hat er dies mit Worten getan, die auch zwischen den Zeilen eindeutig klingen.

Zunächst überraschen die wohlwollenden Äußerungen von Elliott – Zufriedenheit und Lob über die Ankündigungen des Bayer-Aufsichtsrats. Der Hedgefonds tut dies aber in der Erwartung, dass Bayer nun auf einen zeitnahen Vergleich zusteuert. Denn dies könnte den Wert seines Aktienanteils in Höhe von derzeit 1,1 Milliarden Euro kräftig steigern.

Zwar ist fraglich, wie stark der Einfluss von Elliott mit nur zwei Prozent der Bayer-Anteile ist. Aber der Fonds lässt in seinem Statement von Mittwochabend durchblicken, dass er neben der Lösung des Glyphosat-Falls noch mehr Stellschrauben für eine Wertsteigerung sieht. Das kann durchaus als Drohung verstanden werden – etwa für die Forderung nach einer Aufspaltung des Bayer-Konzerns in ein jeweils eigenständiges Pharma- und Agrochemieunternehmen.

Kritik gehört und verstanden

Die vom Bayer-Aufsichtsrat verkündeten Pläne zeigen, dass das Kontrollgremium die Kritik gehört und verstanden hat. Seit Mittwoch ist aber auch klar: Dem Konzern sitzt ein unbequemer Investor im Nacken, der seinen Ruf sicherlich auch bei den Leverkusenern unter Beweis stellen wird.

Mehr: Ein neuer Ausschuss des Kontrollgremiums soll die Prozess-Strategie überwachen. Investor Elliott begrüßt den Schritt – und wünscht sich einen zeitnahen Vergleich mit den Klägern.

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2 Kommentare zu "Monsanto: Drei Erkenntnisse aus Bayers neuer Glyphosat-Strategie"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie können sich Journalisten, Analysten und die Öffentlichkeit so sicher sein, dass ein Vergleich richtig wäre? Ich finde es sehr gut, dass das Management nicht einfach so Milliarden verschenkt, sondern vernünftig prüft und abwägt. Die kurzfristige Entwicklung des Aktienkurses ist dabei völlig bedeutungslos. Niedrige Aktienkurse sind gut für Unternehmen. Sie bieten Unternehmen die Möglichkeit aufgelaufene Gewinne, welche nicht sinnvoll in neue Investitionen gesteckt werden können, in den Rückkauf eigener Aktien zu stecken.

  • Sehr geehrter Herr Fröndhoff,

    eine "neue Glyphosat-Strategie" wollen Sie entdeckt haben. Wenn ich nur wüßte, worin die herrlichen Kriegspläne nun bestehen sollen.

    Dass der Aufsichtsrat seine ureigenen Aufgaben tatsächlich wahrnehmen will, ist in meinen Augen noch kein Weltwunder, sondern eine reine Selbstverständlichkeit. Und ob man bei den anstehenden Gerichtsverfahren Vergleiche ansteuern oder auf Berufungsverfahren setzen will, hat Bayer offensichtlich noch nicht entschieden. Ist diese Entschlußlosigkeit wirklich eine tolle Strategie? Und wenn aus dem Nichts heraus plötzlich ein Hefgefonds auftaucht, so ist er eben da. Aber wollen Sie sein Erscheinen als Strategie des Vorstandes und des Aufsichtsrates verkaufen?

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