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Monsanto-Prozess Rückschlag im Glyphosat-Streit: US-Jury entscheidet gegen Bayer

Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup war laut Jury ein „erheblicher Faktor“ bei der Krebserkrankung des Klägers. Für Bayer ist das eine unerwartete Schlappe.
Update: 20.03.2019 - 01:09 Uhr Kommentieren
Im ersten Prozess wegen des Mittels war Bayer im vergangenen Jahr zu einer Schadensersatzzahlung von 79 Millionen US-Dollar verurteilt worden. Quelle: AP
Unkrautvernichter Monsanto

Im ersten Prozess wegen des Mittels war Bayer im vergangenen Jahr zu einer Schadensersatzzahlung von 79 Millionen US-Dollar verurteilt worden.

(Foto: AP)

New YorkBayer hat mit seiner US-Tochter Monsanto einen schweren Rückschlag vor Gericht erlitten. Im Fall Edwin Hardeman hat die Jury in San Francisco entschieden, dass es einen Zusammenhang zwischen dem glyphosathaltigen Mittel Roundup und der Krebserkrankung des Angeklagten gibt. Der Prozess mit den sechs Geschworenen geht nun in die zweite Phase.

Damit hat Bayer in den USA bereits die zweite Niederlage vor Gericht erlitten. Im ersten Prozess wegen des Mittels Roundup waren die Leverkusener im vergangenen Jahr zu einer Schadensersatzzahlung von 79 Millionen US-Dollar verurteilt worden. Danach war der Aktienkurs dramatisch eingebrochen.

Der Prozess in San Francisco gilt als so genannter Bellwether-Fall. Das sind Fälle, die als Test für andere vor Gericht anhängige Klagen gelten.

Die Jury-Entscheidung, die sich fast eine Woche hingezogen hatte, war mit Spannung erwartet worden. Hätten die sechs Geschworenen zu Gunsten von Bayer entschieden, wäre dies einem Freispruch von Bayer gleich gekommen und der Prozess wäre nicht weiter gegangen.

Analysten hatten Bayer eigentlich im Vorteil gesehen, weil der Richter Vince Chhabria das Verfahren „Edwin Hardeman gegen Monsanto“ in zwei Phasen unterteilt hatte: In der ersten Phase sollte lediglich festgestellt werden, ob es einen Zusammenhang zwischen Glyphosat und dem Krebs des Klägers gibt.

Nur da dies jetzt festgestellt ist, beginnt nun die zweite Phase des Prozesses. Darin geht es vor allem darum, ob das Verhalten von Bayer beziehungsweise Monsanto verantwortlich war.

Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemie-Konzern hatte den Glyphosat-Entwickler Monsanto im vergangenen Sommer für 63 Milliarden Dollar übernommen. Nun sieht sich Bayer in den USA wegen des Unkrautvernichters Roundup mit etwa 11.200 Klagen konfrontiert.

Die Kläger-Anwältin Aimee Wagstaff hatte argumentiert, ihr Mandant habe das Mittel in einem Zeitraum von 26 Jahren mehr als 300 Mal angewendet. „Die Dosis macht das Gift“, hatte sie an die Geschworenen appelliert. „Je mehr man es anwendet, desto höher das Risiko.“

Bayer-Anwalt Brian Stekloff hatte dagegen argumentiert, dass die Ursache für den Lymphdrüsenkrebs Non-Hodgkin Lymphom allgemein unbekannt sei. „Niemand kann die Ursache nennen“, sagte er. Bei Hardeman gebe es zudem weitere andere Risikofaktoren wie sein hohes Alter und seine Hepatitis-Erkrankung.

Bayer bleibt zuversichtlich

Der Fall Hardeman ist Teil eines „Multi-District“-Verfahrens, in dem mehrere Fälle gebündelt sind. Dabei werden grundsätzliche Fragen, die für alle anderen Fälle gelten vor einem Gericht geklärt und entsprechende Zeugen geladen. Die einzelnen Gerichte entscheiden dann über die spezifischen Fälle getrennt.

„Bayer ist enttäuscht über diese erste Entscheidung der Jury“, teilte der Leverkusener Konzern mit. Dennoch sei das Unternehmen weiterhin fest davon überzeugt, dass die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen.

Bayer äußerte sich „zuversichtlich, dass die Beweise in der zweiten Phase des Prozesses zeigen werden, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für die Krebserkrankung von Herrn Hardeman haftbar gemacht werden sollte“.

Das Produkt Roundup sei seit mehr als vier Jahrzehnten im Einsatz. Für Landwirte stelle der Unkrautvernichter „ein wichtiges Instrument dar, mit dessen Hilfe die Versorgung mit Agrarprodukten sichergestellt werden kann“. Wissenschaftliche Studien hätten bewiesen, dass das Mittel kein Krebs verursache. 

Die Hardeman-Anwältinnen Aimee Wagstaff und Jennifer Moore sagten indes, ihr Mandant sei zufrieden über das einstimmige Jury-Urteil. „Jetzt können wir uns auf die Beweise konzentrieren, dass Monsanto in Hinblick auf die Sicherheit von Roundup nicht verantwortungsvoll und objektiv gehandelt hat“, teilten die Anwältinnen des Klägers mit.

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