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Monsanto-Prozess Was das unerwartete Glyphosat-Urteil für Bayer bedeutet

Die Entscheidung gegen den Konzern vor einem US-Gericht bringt Bayer in Bedrängnis. Es ist zwar ein Einzelfall, aber möglicherweise einer mit teuren Konsequenzen.
Update: 20.03.2019 - 09:15 Uhr 4 Kommentare
Bayer: Jury versetzt Rückschlag im Glyphosat-Prozess – die Folgen Quelle: Reuters
Roundup

Aus Sicht der Jury soll der glyphosathaltige Unkrautvernichter von Monsanto erheblich zu der Entstehung der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman beigetragen haben.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Gut eine Woche hat sich die Jury in diesem Glyphosat-Prozess gegen Bayer und Monsanto in San Francisco mit ihrem ersten Urteil Zeit gelassen. Am Dienstagabend fällte sie eine Entscheidung, die für den Leverkusener Konzern einen herben Rückschlag bedeutet: Aus ihrer Sicht soll der glyphosathaltige Unkrautvernichter Roundup von Monsanto erheblich zu der Entstehung der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman beigetragen haben.

Damit hat Bayer den ersten Teil des Prozesses wider Erwarten verloren. In zweiten Teil geht es nun darum, ob Monsanto die von Glyphosat ausgehenden Risiken verschwiegen hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bayer erneut zu einer hohen Schadenersatzzahlung verurteilt wird, ist so deutlich gestiegen.

Bayer hatte Monsanto im vergangenen Jahr für 63 Milliarden US-Dollar übernommen. Die Bayer-Aktie sank am Mittwoch zum Handelsstart um 11,6 Prozent.

Einige Experten glauben sogar, dass das aktuelle Urteil Bayer näher an einen milliardenschweren Vergleich mit den Klägern bringt. Gegen Bayer und Monsanto sind mehr als 11.000 Klagen wegen möglicher Krebswirkung von Glyphosat anhängig. Die wichtigsten Fakten rund um das Urteil:

Warum hat die Jury gegen Bayer entschieden?

Die Begründungen von Jury-Urteilen werden in US-Prozessen nicht veröffentlicht. Klar ist aber: Die Laien-Juroren zeigten sich am Ende nicht überzeugt von der Argumentation der Bayer-Anwälte. Die hatten zahlreiche Studien vorgelegt, nach denen kein Krebsrisiko durch Glyphosat erkennbar ist. Die Klägeranwälte brachten Untersuchungen mit der gegenteiligen Aussage vor.

Letztlich folgte die sechsköpfige Jury nach langen Beratungen der Klage. Sie musste zu einem einstimmigen Urteil kommen, sonst wäre der Prozess geplatzt.

Wie geht es in dem Prozess weiter?

Bayer hatte in dem Verfahren eigentlich einen Startvorteil, weil der Richter es in zwei Teile getrennt hat. Im ersten ging es nur um die wissenschaftliche Betrachtung der Frage, ob das Monsanto-Mittel Roundup Krebs verursachen kann. Experten sahen Bayer in dieser faktenorientierten Phase im Vorteil.

Da die Jury die Frage aber nun bejaht hat, beginnt am heutigen Mittwoch die zweite Phase des Prozesses. Dort wird die gleiche Jury darüber entscheiden, ob Monsanto für ein Fehlverhalten haftbar gemacht werden kann und muss.

Kann das für Bayer noch gut ausgehen?

Das ist möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Jurys in Kalifornien gelten als sehr klägerfreundlich und entscheiden in den meisten Fällen gegen die Unternehmen. Das hat sich schon im ersten Prozess im vergangenen Jahr gezeigt, in dem Monsanto und Bayer zunächst zu 289 Millionen Dollar (etwa 255 Millionen Euro) Schadenersatz verurteilt wurde.

Die Summe wurde vom Gericht zwar später auf 79 Millionen Dollar gesenkt. Das Urteil selbst wurde aber nicht aufgehoben, wie Bayer erhofft hatte.

Was plant Bayer nun?

Der Konzern kündigte am Dienstagabend an, im zweiten Teil Beweise vorzulegen, dass Monsantos Verhalten angemessen war. Die Kläger wiederum wollen darlegen, dass Monsanto mögliche Krebsrisiken bewusst verschwiegen und die Öffentlichkeit getäuscht hat. Sieht die Jury dies als erwiesen an, sind sogenannte Strafschadenzuschläge absehbar, die oft einem Vielfachen des eigentlichen Schadenersatzes entsprechen.

Was passiert, wenn der Konzern den gesamten Prozess in erster Instanz verliert?

Bayer wird dann wohl in Revision gehen, wie man es nach dem ersten verlorenen Verfahren bereits getan hat. Bayer setzt darauf, dass das Gericht dann möglicherweise zu einem anderen Urteil kommt, weil nicht mehr Laien-Jurys entscheiden, sondern professionelle Richter. Der Prozess könnte sich dann noch viele Monate hinziehen.

Welche Strahlkraft und Bedeutung hat der aktuell laufende Prozess?

Der Hardeman-Prozess ist ein sogenannter Bellwether-Fall, was am ehesten mit Testverfahren übersetzt werden kann. Bei dem zuständigen Bundesgericht in San Francisco sind mehr als 600 Klagen gegen Monsanto anhängend. Der Richter hat drei Fälle herausgepickt, die typisch sind. Ihr Ergebnis ist zwar nicht bindend für andere Verfahren. Sie sollen und können aber eine Richtung aufzeigen, wie die Chancen von Kläger und Verteidigung in ähnlichen Fällen stehen.

Streben die Klägeranwälte eine Sammelklage an?

Nein, dies ist in der Causa Glyphosat nicht möglich. Jeder Fall muss einzeln verhandelt werden. Im Mai starten die nächsten beiden Bellwether-Prozesse in San Francisco, die ebenfalls in zwei Phasen getrennt sind.

Daneben gibt es aber noch viele andere Verfahren. Schon am kommenden Montag wird in der kalifornischen Stadt Oakland ein weiterer Prozess eröffnet, in dem ein Ehepaar die Verwendung des glyphosathaltigen Roundup für seine Krebserkrankung verantwortlich macht. Die Richterin hat eine Aufteilung dieses Verfahrens in zwei Phasen abgelehnt. Später im Jahr starten zwei weitere Prozesse in St. Louis im Bundesstaat Missouri.

Könnte Bayer einen Vergleich mit den Klägern eingehen?

Einige Experten halten einen Vergleich mit den Klägern bei dem Bundesgericht in San Francisco nach dem am Dienstag gefällten Urteil nun für wahrscheinlicher. Anwältin Ann Pavlik vom Beratungsunternehmen United First Partners wertete das Urteil gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg sogar als Schritt zu einem möglichen umfassenden Vergleich in der gesamten Causa Glyphosat. Der könnte Milliarden kosten. An der Börse wird dieser Fall schon seit Monaten durchgespielt: Laut Analysten sind im gegenwärtigen Bayer-Aktienkurs Rechtskosten durch Glyphosat von mehr als fünf Milliarden Euro eingepreist.

Wie wahrscheinlich ist so ein Vergleich?

Bisher will Bayer davon nichts wissen. Tatsächlich wird dies vom Verlauf des aktuellen und der nächsten Prozesse abhängen, ebenso vom Verlauf der Berufungsverhandlungen. Da kann noch viel passieren. Doch wenn sich in den Prozessen eine weitere für Bayer negative Richtung abzeichnet, muss sich das Management diese Frage stellen. Tatsächlich werden in vergleichbaren Pharmaverfahren in den USA sehr oft Vergleiche ohne Schuldanerkenntnis eingegangen. Das folgt dann einer einfachen Rechnung: Ist der Vergleich billiger als die absehbaren weiteren Verfahrenskosten, so lohnt er sich.

Hat Bayer schon Rückstellungen gebildet?

Der Konzern hat 2018 Rückstellungen für die erwarteten Verteidigungskosten in den nächsten drei Jahren gebildet – so lange dürften die Glyphosat-Prozesse mindestens dauern. Die genaue Höhe ist unklar. Im vierten Quartal verbuchte Bayer für Rechtsfälle in der betroffenen Division Crop Science rund 250 Millionen Euro. Rückstellungen für Schadenersatz- oder Vergleichszahlungen kann und darf der Konzern erst vornehmen, wenn sich konkrete Belastungen abzeichnen.

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4 Kommentare zu "Monsanto-Prozess: Was das unerwartete Glyphosat-Urteil für Bayer bedeutet"

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  • Der Bayer-CEO müsste eigentlich mit seinem Privatvermögen haften - schließlich hat er ja auch privat für die "gelungene" Fusion mit Monsanto zünftig Zaster kassiert. Aber diese Jungs sind, wenn es um die eigene Kohle geht, nicht blöde und haben zudem die besten Anwälte.
    "Haften" muss daher wie immer der kleine Angestellte, dessen Job eingespart wird.
    Die Bayer-Führung hätte vor einem solchen "Mega-Deal", wenn sie verantwortungsvoll agiert hätte, nämlich auch die Risiken abwägen müssen - und es nun einmal bekannt, dass in den USA ganz andere Summen an Schadensersatz zu zahlen sind als hier bei uns.

  • Monsanto zu kaufen, war die größte Dummheit in der Bayer Historie.

  • Es zeigt wie das Management von Bayer mit den Arbeitsplätzen seiner Mitarbeiter umgeht und selbst keinen Wert auf moralische und ethische Grundsätze legt aber dafür jedem erklärt wie toll diese Übernahme ist ...unglaublich. Monsanto ist das allerletzte - aber für eine gute Abfindung des Managements in Millionenhöhe reicht es sicher noch auch wenn jetzt Milliarden zurecht fällig werden.

  • ... aus meiner Sicht leiden so manche Manager von großen deutschen Unternehmen an Hybris:
    ThyssenKrupp meinte in der Hochzeit des Stahls massiv in Nord- und Südamerika investieren zu müssen, obwohl jeder Studienanfänger weiß, dass es Zyklen gibt - besonders bei Stahl.
    Gerade eben versteigt sich VW und will reine eAutos bauen: Die Batterien sind teuer, Rohstoffe und Energie werden für große Batterien verschwendet, welcher Kunde soll sie kaufen? Hybride wie Daimler und BMW sie vorhat sind wegen der deutlich kleineren Batterien eine viel bessere Lösung und auch erschwinglich.
    Bayer und Monsanto? War Bayer aus der Erfahrung, welche die Münchner Rück mit der American Re - Übernahme und Daimler mit Chrysler gemacht hat, nicht klar das Tausende plötzlich aufstehen und klagen werden - WIE KANN MAN NUR SOLCHE RISIKEN IGNORIEREN UND SCHÖNREDEN????

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