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Monsanto-Prozesse in den USA Bayer bereitet sich auf den nächsten Glyphosat-Showdown vor

Das zweite Verfahren wegen des Pflanzenschutzmittels startet in wenigen Wochen. Schon im Vorfeld beharken sich die Anwälte: Es geht um heikle Details.
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In der Landwirtschaft wird massenweise Glyphosat eingesetzt. Quelle: E+/Getty Images
Erntezeit

In der Landwirtschaft wird massenweise Glyphosat eingesetzt.

(Foto: E+/Getty Images)

Düsseldorf, New YorkAm Dienstag hat sich wieder einmal gezeigt, was den Aktienkurs von Bayer wirklich bewegt: Da hatte ein amerikanischer Richter bekannt gegeben, dass er für das nächste Gerichtsverfahren um den Unkrautvernichter Glyphosat einige umstrittene Beweismittel der Kläger doch noch zulassen will. Keine gute Nachricht für den Leverkusener Pharmagiganten. Die Anleger zeigten sich verschreckt, der Aktienkurs fiel zunächst um 2,6 Prozent.

Die milliardenschweren Rechtsrisiken aus den Glyphosat-Prozessen lasten weiter schwer auf der Bayer-Aktie. Anleger fürchten Kosten in Milliardenhöhe. Die nächsten Wochen könnten wichtige Signale liefern, was auf den Leverkusener Konzern zukommt. Am 25. Februar eröffnet ein Bundesgericht in San Francisco die Klage von Ed Hardeman, der Glyphosat für seine Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung verantwortlich macht.

Es ist Teil eines „Multi-District“-Verfahrens, in dem mehrere Fälle gebündelt sind. Wichtig dabei: Hardeman ist ein sogenannter Bellwether-Fall. Sie gelten im US-Recht als Test für andere vor Gericht anhängige Klagen. „Jede für Bayer vorteilhafte Entwicklung in diesen Fällen kann die Risiken insgesamt senken“, heißt es in einer Analyse des Investmenthauses Bernstein.

Keine Wunder also, dass sich die Klägeranwälte und die Verteidigung von Bayer/Monsanto schon jetzt in Sachen Beweismittel und Verfahrenstechnik beharken. Im Hardeman-Prozess geht es wie auch in dem ersten – für Bayer verlorenen – Prozess um die Frage: Ist das von Monsanto verkaufte Pflanzenschutzmittel krebserregend? Und hat sich der Konzern bösartig verhalten, weil er diese Risiken bewusst verschleiert hat? 

In der Verhandlung im vergangenen Jahr hat eine Laien-Jury diese Fragen bejaht und Monsanto zu einer Schadenersatz-Zahlung von insgesamt 289 Millionen Dollar an einen krebskranken Mann verurteilt. Später wurde die Summe vom Gericht auf 79 Millionen Dollar gesenkt. Bayer, das den US-Konkurrenten inzwischen geschluckt hat, legte gegen die Entscheidung Revision ein. Der Konzern ließ durchblicken, dass auch eine ungeschickte Verteidigungsstrategie Monsantos zu dem Ergebnis beigetragen habe.

So etwas soll dem nun für den zweiten Fall zuständigen Anwaltsteam nicht passieren. Einen ersten Erfolg konnte Bayer zunächst verbuchen: Der zuständige Richter hat vor wenigen Wochen dem Antrag stattgegeben, den Hardeman-Fall in zwei Phasen aufzuteilen. In der ersten Phase soll es nur um die Frage gehen, ob es einen begründeten Zusammenhang zwischen Glyphosat und der Krebserkrankung von Edwin Hardeman gibt. Nur wenn dieser nach Ansicht der Jury besteht, geht es in die zweite Phase. Dann darf die Anklage auch Beweise für ein mögliches unternehmerisches Fehlverhalten von Monsanto einbringen.

Experten sehen Bayer vorn

Für Bayer ist die Aufteilung von Vorteil, weil ein Urteil in der ersten Phase auf rein wissenschaftlichen Erkenntnisse über einen Krebszusammenhang beruhen muss. Kern der Verteidigungsstrategie ist schließlich, dass keine behördliche Untersuchung diesen Zusammenhang bisher feststellt. Doch so einfach wird Bayer nicht durch den ersten Abschnitt kommen. Am Dienstag setzten die Klägeranwälte überraschend durch, dass sie schon zu Beginn des Prozesses einige umstrittene Dokumente einbringen dürfen. Sie sollen beweisen, dass Monsanto Einfluss auf Wissenschaftler und Behörden genommen hat.

Die jüngste Entwicklung zeigt zweierlei: Die Entscheidungen des Bundesgerichts in San Francisco sind kaum vorhersehbar. Zudem zeigt es, wie die Anwälte schon Wochen vor Prozessbeginn um jedes Detail kämpfen. Welche Wissenschaftler sind als Zeugen zugelassen, welche Dokumente dürfen in welchem Moment der Jury vorgelegt werden? Der Richter will dazu bis zum 13. Februar detaillierte Anweisungen vorlegen.

Rechtsexperten in den USA wähnen Bayer dabei trotz der jüngsten Einschränkung weiter im Vorteil. Denn die für die Kläger bisher wichtigste Studie könnte nach bisherigen Informationen in der ersten Phase des Verfahrens keine Rolle spielen. Es geht um die Untersuchung der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC, einer Organisation der Weltgesundheitsbehörde WHO.

Auf dieser IARC-Untersuchung basiert praktisch die gesamte derzeitige Diskussion um mögliche Gesundheitsgefahren durch Glyphosat – und damit auch die Klagewelle gegen Bayer/Monsanto. Die Agentur hat 2015 das Pflanzenschutzmittel als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. In welchen Mengen Glyphosat gefährlich sein könnte, lässt sie außen vor.

Knackpunkt der Studie ist, dass die IARC hat keine eigenen Untersuchungen angestellt, ihre Einstufung fußt auf Erkenntnissen anderer. Somit handelt sich es aus Sicht von US-Anwälten um eine Sekundärstudie, die in der ersten Phase des kommenden Prozesses nicht als Beweismittel zugelassen ist. 

Auch deshalb dürfte die Klägeranwälte versucht haben, die Aufspaltung in zwei Phasen zu verhindern. Dennoch geben sie sich optimistisch: „Ich freue mich, dass wir beweisen können, dass wir diesen Fall auch dann gewinnen können, wenn uns die Hände auf den Rücken gebunden sind“, sagte Anwältin Aimee Wagstaff dem Handelsblatt. Sie vertritt Hardeman und leitet als Co-Lead Counsel die bundesweiten Klagen wegen des Monsanto-Mittels Roundup.

Die Klägeranwälte wollen den Vorwurf beweisen, dass Monsanto sich Studien erkauft hat. Bayer weist alle Vorwürfe des Ghostwritings zurück. Die Leverkusener geben sich ohnehin für die Verfahren zuversichtlich. Nach Angaben des Konzerns hat sich an der Faktenlage zu den Rückstellungen für die Rechtskosten aus den Glyphosat-Prozessen bisher nicht geändert. Es bleibe dabei, was Bayer bisher angekündigt hat: Rückstellungen wurden nur in Höhe der Verteidigungskosten gebildet.

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