Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Monsanto Schauprozess gegen das „Böse“

Ausbeutung, Gentechnik und Umweltschäden: Gegen den US-Agrarkonzern Monsanto organisieren Umweltschützer in Den Haag einen symbolischen Gerichtsprozess. Die Anklage lautet auf „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.
6 Kommentare
Umweltschützer laufen Sturm. Der US-Agrarkonzern hat weltweit mit einem verhältnismäßig schlechten Ruf zu kämpfen. Quelle: Corbis Historical/Getty Images
Monsanto

Umweltschützer laufen Sturm. Der US-Agrarkonzern hat weltweit mit einem verhältnismäßig schlechten Ruf zu kämpfen.

(Foto: Corbis Historical/Getty Images)

DüsseldorfFür Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten verkörpert Monsanto alles „Böse“ in der weltweiten Landwirtschaft. Sie machen den US-Konzern verantwortlich für den massenhaften Einsatz von Chemie, für die Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen und für die Ausbeutung der Landwirte. Das Unternehmen, das für 66 Milliarden Dollar von Bayer gekauft werden soll, ist für die Aktivisten Hauptzielscheibe im Kampf gegen die industrielle Landwirtschaft.

Am Wochenende erreicht der Protest gegen den US-Konzern einen neuen Höhepunkt. In der niederländischen Stadt  Den Haag wird eine Gruppe von Wissenschaftlern und Umweltschützern ein „Monsanto-Tribunal“ abhalten. Die Stadt haben die Organisatoren bewusst ausgewählt.

Dort, wo sonst der Internationale Strafgerichtshof tagt, soll es ein symbolisches „Gerichtsverfahren“ gegen Monsanto geben. Die Anklage lautet öffentlichkeitswirksam auf „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Diese Manager sagten „Ja“ zu Monsanto
Werner Wenning (Vorsitzender)
1 von 13

Wenn man so will, hat der gebürtige Leverkusener sein ganzes Leben in den Dienst des Chemie-und Pharmakonzerns gestellt. Der Industriekaufmann arbeitet seit 44 Jahren ohne Unterbrechung bei Bayer – in unterschiedlichen Sparten im In- und Ausland. Als der damalige Finanzvorstand 2002 das Amt als Vorstandsvorsitzender antrat, steckte Bayer im Skandal um das tödliche Medikament Lipobay. Dem Konzern drohte die Zerschlagung. Er meisterte diese Herausforderung. Im Jahr 2010 räumte Wenning seinen Schreibtisch und machte damit Platz für seinen Nachfolger Marijn Dekkers. Zwei Jahre später wurde er zum Vorsitzenden des Bayer-Aufsichtsrates ernannt. Auch ist er Vorsitzender des Kontrollgremiums von Eon und Mitglied bei den Dax-Konzernen Henkel und Siemens.

(Foto: dpa)
Oliver Zühlke
2 von 13

Er ist seit 2015 Vizechef des Bayer-Aufsichtsrates. Der gelernte Chemikant ist Betriebsratschef, vertritt im Gremium daher die Arbeitnehmerseite. Was die geplante Bayer-Übernahme des US-amerikanischen Saatgutspezialisten betrifft, äußert er sich zuversichtlich. Er findet, dass Monsanto besser ist als sein Ruf. Der Bayer-Konzern habe den Mitarbeitern in einer mehrseitigen Erklärung umfangreiche Zusagen beim Kündigungsschutz und Standorten gemacht. „Es wird keinen Jobabbau geben“, sagte Zühlke der „Rheinischen Post“.

(Foto: Bayer)
Paul Achleitner
3 von 13

Paul Achleitner kennt sich mit der Tätigkeit in Aufsichtsräten aus: Er sitzt bei Daimler im Gremium und ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank. Dort lief es zuletzt nicht rund: Großaktionäre wollen einen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze, sobald Achleitners Vertrag 2017 ausläuft. Der Vorwurf: Achleitner habe zu lange am Ex-Vorstandschef Anshu Jain festgehalten. Gründe für die Wut der Aktionäre gibt es viele: Ein dramatischer Kurssturz, ungeklärte Skandale, keine Dividende und eine Schlammschlacht im Aufsichtsrat. Achleitner selbst will eine zweite Amtszeit nach 2017, auf der Hauptversammlung sagte er: „Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde.“ Die Aktionäre quittierten die Ankündigung mit Schweigen.

(Foto: AFP)
Clemens Börsig
4 von 13

Der promovierte Betriebswirtschaftler Börsig hat viel Erfahrung in Führungs- und Aufsichtsratsfunktionen: Von 1997 bis 1999 war er Finanzvorstand bei RWE, von 2006 bis 2012 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Als solcher hatte ihm die Staatsanwaltschaft im Deutsche-Bank-Prozess schweren Prozessbetrug vorgeworfen – genauso wie Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, den Vorgängern Josef Ackermann und Rolf-E. Breuer sowie Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck. Sie hätten in einem früheren Prozess gelogen, um Schadensersatzansprüche des Medienunternehmers Leo Kirch abzuwenden, so die Staatsanwaltschaft. Dafür fanden sich keine Beweise, das Verfahren endete mit einem Freispruch. Seit 2013 ist Börsig Vorsitzender des Vorstands der Deutsche Bank Stiftung. Mitglied des Aufsichtsrates ist er bei Bayer seit April 2007.

(Foto: Imago)
Simone Bagel-Trah
5 von 13

Sie ist wohl die einflussreichste Frau im Dax: Simone Bagel-Trah ist die erste und bislang einzige Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-Konzerns. Als Mitglied der fünften Generation der Henkel-Familie leitet sie nicht nur das Kontrollgremium des Persil-Konzerns, sondern hat auch im Gesellschafterausschuss das Sagen. Seit 2014 ist Bagel-Trah Mitglied im Bayer-Aufsichtsrat. Für dieses Amt bringt die gebürtige Düsseldorferin Fachwissen mit. Denn: Bagel-Trah hat im Bereich Mikrobiologie und Pharmazie promoviert – und ist bis heute geschäftsführende Gesellschafterin des Biotech-Dienstleisters Antiinfectives Intelligence. Das schlechte Image des Saatgutspezialisten Monsanto ist der Naturwissenschaftlerin daher durchaus bekannt. Trotzdem hat sie der Milliarden-Übernahme durch Bayer zugestimmt.

(Foto: dpa)
Thomas Ebeling
6 von 13

Thomas Ebeling sitzt seit April 2012 im Aufsichtsrat von Bayer. Mit der Pharmabranche kennt sich der gebürtige Hannoveraner aus: Von 2000 bis 2007 war er CEO des Pharmageschäfts von Novartis, anschließend für ein Jahr Chef der Sparte Consumer Health. 2009 wechselte er dann in die Medienbranche als Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1, der im März der Sprung in den Dax gelang.

(Foto: dpa)
Johanna W. (Hanneke) Faber
7 von 13

Die gebürtige Niederländerin ist ein Neuzugang im Bayer-Aufsichtsrat. Sie gehört dem Gremium seit April an. Als Chief Commercial Officer ist sie beim niederländischen Handelskonzern Ahold für die Werbung zuständig und Mitglied der Geschäftsleitung.

(Foto: Ahold)

Derartige Aktionen ist der amerikanische Konzern gewöhnt. Seit 2013 gibt es jedes Jahr im Mai in verschiedenen Städten weltweit den „Monsanto-March“. Umweltaktivisten aus aller Welt treffen sich zu Protestzügen gegen den amerikanischen Konzern. Die Vorwürfe sind stets dieselben: Monsanto verschleiere die schädlichen Auswirkungen seiner Produkte. Die Bauern in aller Welt würden mit Knebelverträgen an den Konzern gebunden.

Monsanto weist dies stets zurück und fuhr bisher eine distanzierte, manche sagen arrogante Linie in der Auseinandersetzung mit seinen Kritikern. Eine perfekte Basis, um sich Feinde zu machen.

Auch die Einladung zum Monsanto-Tribunal in Den Haag hat der Konzern abgelehnt. Am Freitagmittag starten die Organisatoren in Seminarräumen der Erasmus Universität ihre Protestaktion. Am ganzen Wochenende wettern Forscher, Landwirte und Anwälte gegen die Geschäftspraktiken des US-Konzerns, gegen gentechnisch veränderte Pflanzen und die industrielle Landwirtschaft überhaupt.

Ziel des Show-Tribunals: In einem Rechtsgutachten soll auf Basis der 30 Zeugen zusammengefasst werden, welchen „Schaden Monsanto an Umwelt und Gesundheit verursacht“, heißt es bei den Organisatoren. Fünf Rechtsexperten sollen dann ein ebenfalls symbolisches Urteil fällen.

„Weltweit von Monsanto angerichtete Schäden und Altlasten“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Monsanto - Schauprozess gegen das „Böse“

6 Kommentare zu "Monsanto: Schauprozess gegen das „Böse“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Uwe Baden, 14.10.2016, 14:54 Uhr:

    "in zivilisierten Ländern gilt die Unschuldsvermutung auch für Firmen."

    Richtig. Und diesen Umstand können die, weil sie, ganz im Gegensatz zu ihren zahlreichen "Gegnern", in der Lage sind sich riesige Rechtsabteilungen mit ebenso ausgebufften wie teuren "Spitzenanwälte" zu leisten, auch weidlich ausnutzen.

    Wie heißt es so schön zynisch: Money gets you everything.

  • Show program for customer, nichts weiter. Wenn irgendwelche "bösen Verbrechen" Monsantos bekannt wären, dann hätten die interessierten NGOs längst vor regulären Gerichten geklagt. Mangels stichhaltiger Beweise wird versucht, diese durch Show/Lärm zu ersetzen, um die EigenInteressen der NGOs durchzusetzen. Vermutliches Motiv: Spendenwerbung.

    @Bollmohr: in zivilisierten Ländern gilt die Unschuldsvermutung auch für Firmen.

  • @Herr Tom Schmidt, 14.10.2016, 13:39 Uhr:

    Mit Dreck zu werfen und sonstige ideologisch (fehl-)geleitete Aktionen sind, erst recht wenn sie mit Gewalt verbunden sind, selbstverständlich völlig inakzeptabel.

    Das ist hier aber nicht der Fall.

    Die Forscher, Landwirte und Anwälte, die gegen die Geschäftspraktiken des US-Konzerns protestieren, tun dies auf der Grundlage von Argumenten und z.T. auch eigener Erfahrungen.

    Dass Monsanto sich mit den Protestierenden auf zivilisierte Art und Weise auseinandersetzt, indem man sich dort deren Argumente nicht nur anhört, sondern auch ernsthaft auf diese eingeht, finde ich absolut nicht zu viel verlangt.

  • Fälschlicherweise nehmen die meisten Leute an, dass "böse" Wirtschaftkonzerne wie Monsanto die "Macht" besäßen, etwa armen Bauern in Drittweltländern "Killersaatgut" aufzudrängen, welches sie Jahr für Jahr auf Neue zu ruinösen Wucherpreisen erwerben müssen.
    Dem liegt ein VOLLKOMMEN FALSCHES VERSTÄNDNIS VON MACHT zugrunde.
    Nicht Monsanto kann nämlich die "armen Bauern" dazu zwingen, solches Dreckszeug zu kaufen - das können einzig und alleine STAATSSCHERGEN, die diesen Bauern mit HOHEITLICHER, STAATLICHER Gewalt drohen.
    In einer wirklich freien Marktwirtschaft hätte der Staat dagegen überhaupt keinen Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen. Es käme daher auch nicht zum verhängnisvollen Korporatismus von heute, und Großkonzerne könnten etwa auch nicht Politiker korrumpieren, damit sie ihnen mit Hilfe der Staatsschergen ein Monopol sichern.

  • @Bollmohr
    Das sehe ich anders, es kann auch nicht sein, dass ein paar Leute die mit Dreck werfen, automatisch damit rechnen können, ihren Willen zu bekommen. Im Falle von Monsanto möchte ich mich zwar enthalten, da ich nicht im Detail informiert bin.

    Allerdings gab es mal vor Jahren den Fall, dass "Aktivisten" Hilfslieferungen von Mais an Hungernde verhinderten, weil es Genmais war. Das ist dann verabscheuungswürdige Ideologie! auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit finde ich als Vorwurf daneben. Wir wissen alle, wofür dieser Vorwurf bisher verwendet wurde!

  • „Am ganzen Wochenende wettern Forscher, Landwirte und Anwälte gegen die Geschäftspraktiken des US-Konzerns, gegen gentechnisch veränderte Pflanzen und die industrielle Landwirtschaft überhaupt.“

    „Die Vorwürfe sind stets dieselben: Monsanto verschleiere die schädlichen Auswirkungen seiner Produkte. Die Bauern in aller Welt würden mit Knebelverträgen an den Konzern gebunden.“

    Und was tut Monsanto, um diese Vorwürfe zu entkräften:

    „Monsanto weist dies stets zurück und fuhr bisher eine distanzierte, manche sagen arrogante Linie in der Auseinandersetzung mit seinen Kritikern.“

    Sehr überzeugend. Wenn an den Vorwürfen nichts dran sein sollte, dürfte es ja wohl ein Leichtes für den Konzern sein, seinen Gegnern mit transparenter Geschäftspolitik und vor allem: überzeugenden Argumenten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

    Dass er das nicht tut, lässt daher eigentlich nur einen Schluss zu:

    Dass die Vorwürfe begründet und wohl auch berechtigt sind.

Serviceangebote