Monsanto – was ist der Konzern wert? Die 66-Milliarden-Dollar-Frage

Endspurt im Kampf um Monsanto: Eine Einigung zwischen Bayer und dem US-Agrarkonzern ist greifbar nahe – angeblich will Bayer nun rund 129 Dollar pro Monsanto-Aktie zahlen. Zudem soll die Ausfallprämie auch erhöht werden.
Update: 13.09.2016 - 20:57 Uhr 11 Kommentare

Bayer steht kurz vor Monsanto-Übernahme

Frankfurt/New YorkFür die Aufsichtsräte von Bayer geht es am Mittwoch um eine der wichtigsten Entscheidungen in der Geschichte des Leverkusener Konzerns. Sie beraten über die Übernahme von Monsanto. 65 Milliarden Dollar bietet Bayer bereits, am Ende könnten es noch mehr sein. Eine Einigung ist greifbar nahe. Die beiden Konzerne wollten sich bei einem Preis von rund 129 Dollar je Monsanto-Aktie einigen, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Bayer-Konzerns. Zuletzt hatte das offizielle Angebot von Bayer bei 127,50 Dollar gelegen. Das wären nochmal rund 660 Millionen Dollar mehr, also in etwa 66 Milliarden Dollar Gesamtsumme.

Um den Amerikanern die Zustimmung zu erleichtern, habe Bayer zudem die sogenannte Ausfallprämie erhöht: Für den Fall, dass die Kartellbehörden dem Deal nicht zustimmen, wolle Bayer nun über drei Milliarden Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) an Monsanto zahlen, erfuhr die „Rheinische Post“ (Mittwochausgabe) aus Kreisen des Bayer-Konzerns. Zuletzt hatte Bayer erst 1,5 Milliarden Dollar geboten.

Eine der entscheidenden Fragen für die Bayer-Aufseher ist: Was ist der US-Konzern eigentlich wert?

Aktuelle Zahlen und Analysten-Bewertungen geben darauf keine eindeutige Antwort. Klar erscheint nur so viel: Bayer schickt sich an, einen Konzern zu übernehmen, der in den ersten zwölf Jahren des neuen Jahrhunderts als führender Anbieter von genmodifiziertem Saatgut einen enormen Aufschwung erlebte – in dieser Zeit hat er seinen Umsatz fast verdreifacht und den Nettogewinn mehr als verzehnfacht. Seither hat aber die Dynamik deutlich nachgelassen.

Seit 2013 sind Umsatz, Betriebsgewinn und Ebitda im Grunde nur noch stagniert. Und im Geschäftsjahr 2016, das am 31. August endete, dürften sie deutlich gesunken sein. Für das Gesamtjahr hat die Monsanto-Führung einen Rückgang des ausgewiesenen Gewinns um rund 30 Prozent in Aussicht gestellt, was auf einen Wert von etwa 1,5 Milliarden Dollar hinausläuft. Klammert man Sonderfaktoren wie Restrukturierungskosten aus, zeichnet sich ein Gewinnrückgang um etwa 23 Prozent auf 4,40 Dollar je Aktie oder rund 1,9 Milliarden Dollar ab.

Bayer hat seine Attacke damit geschickt in einer Schwächephase von Monsanto wie auch der gesamten Agrobranche gestartet. Allerdings bedeutet das auch, dass sich die aktuellen Ertragsdaten von Monsanto kaum eigenen, um einen Preis von zuletzt 127,50 Dollar je Aktie zu rechtfertigen, geschweige denn eine noch höhere Bewertung.

Die umsatzstärksten deutschen Chemiekonzerne
Platz 10
1 von 10

Lanxess

Umsatz 2015: 7,9 Milliarden Euro

Quelle: Verband der chemischen Industrie

Platz 9
2 von 10

Covestro AG

Umsatz 2015: 12,08 Milliarden Euro

Platz 8
3 von 10

Merck KgaA

Umsatz 2015: 12,85 Milliarden Euro

Platz 7
4 von 10

Evonik

Umsatz 2015: 13,51 Milliarden Euro

Platz 6
5 von 10

Boehringer Ingelheim

Umsatz 2015: 14,80 Milliarden Euro

Platz 5
6 von 10

Linde

Umsatz 2015: 17,94 Milliarden Euro

Platz 4
7 von 10

Henkel

Umsatz 2015: 18,09 Milliarden Euro

Selbst wenn man die sehr ansehnlichen Kurs-Gewinn-Relationen der Konkurrenten Bayer, Dupont und Syngenta zugrunde legt, die derzeit im Schnitt mit etwa 24-fachen des Nettogewinns gehandelt werden, errechnet sich für Monsanto auf Basis der 2016er Ergebnisse nur ein Wert von 36 bis 46 Milliarden Dollar. Das entspräche 80 bis 105 Dollar je Aktie – je nachdem ob man mit offiziellen oder bereinigten Zahlen rechnet. Einschließlich Schulden würde sich ein Unternehmenswert von 45 bis 55 Milliarden Dollar ergeben. Höhere Bewertungen hängen also klar von einer deutlichen Erholung des Geschäfts ab.

Das Meinungsspektrum der Bankanalysten ist in dieser Hinsicht breit gefächert. Ihre Kursziele reichen von 88 Dollar bis 132 Dollar je Aktie, wobei überwiegend bereits eine Übernahme durch Bayer mit gewisser Wahrscheinlichkeit einkalkuliert ist. Im Schnitt liegt die Bewertung der Analysten laut der Nachrichtenagentur Bloomberg aktuell bei 115 Dollar. Vor Bekanntwerden der Übernahmeverhandlungen bewegte sich das Durchschnitts-Kursziel sogar bei nur etwa 100 Dollar je Aktie.

Analysten sind bei Angebotshöhe gespalten
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11 Kommentare zu "Monsanto – was ist der Konzern wert?: Die 66-Milliarden-Dollar-Frage"

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  • Strategisch und taktisch ist Monsanto für Bayer ein absoluter Gewinn. Und hoffentlich ist der Deal dmnächst auch endlich in trockenen Tüchern.

    Das ist wie das Werben um eine junge schöne Lady. Man(n) muss immer mehr draufzahlen als man ursprünglich geplant hatte.

  • Das wird schlimmer enden, als die Zerstörung der Farbwerke Hoechst.
    Wie kann ein Konzern einen anderen aufkaufen wollen, dessen Geschäftsmodell auf der Kippe steht. Nicht nur, steht der gesamte Gentechbereich unter starker Kritik, sondern Monsanto zeichnet sich auch für Agent Orange und dessen Verwendung in Vietnam verantwortlich.
    VW musste Schadensersatz in Höhe von 15 Milliarden USD für einen manipulierten Chip in einem erstklassigen Motor zahlen! Wieviele Milliarden ist dann eine Schadensersatzklage der Opfer in Vietnam wert. Es werden sich sicherlich einige angesehene Kanzleien in New York finden lassen, die endlich bereit sein werden, dass erlittene Unglück der Vietnamesen in bare Münze vergelten zu lassen. Monsanto ist ein Desaster.
    Die Angriffe gegen Volkswagen, die Deutsche Bank und dieses absurde Übernahmel passen alle in die gleiche Schublade. Ebenso die Ignoranz der deutschen Regierung zu diesem Thema. Wahrscheinlich denken die, dass wäre irgendwie Marktwirtschaft und da müsse man sich raushalten..

  • Der Bürger denkt oft, das die da oben wissen was sie tun. Das glaube ich schon lange nicht mehr. Ob die Regierung unsere Interesse mit sem Bail out veraten und uns auf Generationen für den Schuldendienst für die PIGS Staaten versklaven, oder aber die Asylpolitik Merkels.
    Die Eliten sind entweder dumm, oder handeln zu ihrem eigenen Vorteil.
    Was wird passieren wenn Monsanto Deutsch ist? Ich bin mir sicher das es dann sehr schnell Schadensersatzklagen gegen Monsanto-Bayer geben wird, und diese Summen sind heftig. Monsanto würde dann von der US Regierung zum Abschuss freigegeben werden. Genau wie die Deutsche Bank Schadenersatz bzgl. der Hypothekenkriese zahlen mußte, so wird Bayer in den USA zur Kasse gebeten werden.
    Mit dem dummen Deutschen kann man es machen. Finger weg von Monsanto. Monsanto ist in vielen Ländern die Verkörperung des Bösen. Gibt es ein Unernehmen welches mehr gehasst wird?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Rainer von Horn13.09.2016, 16:11 Uhr
    Nahezu keine Firma weltweit emotionalisiert so, wie Monsanto. Und dabei stelle ich mir nicht die Frage, wieviel Monsanto wert sein könnte, sondern ob diese Gesellschaft überhaupt über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügt.

    .......................

    bevor Deutschland es bekommt...da haben es die Chinesen gekauft.

    CHINA fragt nicht welcher Betrag...es legt den Betrag auf dem Tisch für das was es will !

    Daraus muss aber diese EU noch lernen !

    :-))))))


  • Nahezu keine Firma weltweit emotionalisiert so, wie Monsanto. Und dabei stelle ich mir nicht die Frage, wieviel Monsanto wert sein könnte, sondern ob diese Gesellschaft überhaupt über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügt. Super-Veeds, Züchtung resistenter Schädlinge und Ablehnung von "Frankenfood" in amerikanischen Fast-Food-Ketten als Stichworte. Zudem frage ich mich schon lange, ob das, was diese komische Gesellschaft macht, denn langfristig auch im Sinne der Gesellschaf ist. Das ist so ähnlich wie mit Apple, die keine Steuerrn zahlen wollen. Nicht in Europa und auch nicht in den USA. Und das als "richtig" und vernünftig interpretieren, der Gesellschaft ihren fairen Anteil an der Wertschöpfung vorzuenthalten. Nicht die Bürger setzen mehr die Standards, sondern die Konzerne.
    Und noch eine Frage drängt sich mir auf: ob nämlich diese "Übernahme" für den europäischen Lebensmittelmarkt so etwas ähnliches sein könnte, wie das hölzerne Pferd, dass Odysseus in Troja zurückliess.

  • Ausgerechnet ein deutsches Unternehmes kauft dieses verbrecherische Unternehmen, welches andere Saatgutunternehmen, die sauberes und gesundes Saatgut verkaufen möchte mit allen brachialen juristischen Maßnahmen verfolgen lässt.

    Haben diese Heinis bei Bayer eigentlich den Schuss nicht gehört.

    Verfolgung und Quälereien hatten wir hier schon 3 mal: Im Kaiserreich bis 1918, im 3. Reich (SS / SA) und durch die Stasi (DDR) ...

  • Herr carlos santos13.09.2016, 15:44 Uhr
    MONSANTO – WAS IST DER KONZERN WERT?
    Die 65-Milliarden-Dollar-Frage

    ...................

    EUROPA und EUROPÄISCHE UNION HABEN KEINE ANDERE SORGEN ?


    :-))))))))))))))))))))))))))))))

    Man kann nur darüber lachen was in dieser EU gemacht wird von der EU oder Wirtschaftsmanager...

    aber die verdienen das großer Geld !


  • MONSANTO – WAS IST DER KONZERN WERT?
    Die 65-Milliarden-Dollar-Frage
    von:
    Siegfried HofmannThomas JahnBert Fröndhoff
    Datum:
    13.09.2016 15:26 Uhr
    Gut oder schlecht investiertes Geld? Bayer will mit aller Macht den amerikanischen Saatgut-Hersteller Monsanto übernehmen. Für einige Analysten kommt das hohe Kaufangebot zu früh – vielleicht sogar um Jahrzehnte.

    ............................

    Gedanken verschwendungen...etwa wie mancher überlegt was man mit 20 Millionen Euro gewinn aus dem Lotto anfangen soll.

    :-))))))))))))))))))))))))

  • Sobald Bayer diesen Verbrecherladen uebernommen hat werden die Klagewellen aus aller Welt gegen Monsanto bzw Bayer laufen.
    So bloed fuer dieses Verbrechersyndikat Geld auszugeben kann auch nur eine deutsche Firma sein. Erinnert an die Katastrophale Uebernahme vom Saftladen Chryler durch Mercedes-Benz. Damals hat MB $36 Milliarden fuer den Kauf verbrannt um 9 Jahre spaeter froh zu seien den Muell samt Pensionsverpflichtungen fuer $1 abstossen zu koennen.

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