Motorrad-Ikone Wie Harley-Davidson für Trump vom Vorbild zum Feindbild wurde

Der US-Präsident schießt gegen die Traditionsmarke, die Teile der US-Produktion verlagert. Bis vor Kurzem war Harley-Davidson noch Trumps Liebling.
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„Not made in America“ – Harley Davidson verlagert Produktionsteile ins Ausland

New YorkAls Donald Trump noch keine zwei Wochen im Amt war, feierte er den Besuch einer amerikanischen Ikone im Weißen Haus. Er schritt, umringt von Kameras, die Südwiese der Regierungszentrale ab und blieb mit ausgebreiteten Armen vor seinen Gästen stehen.

Die Führungsriege von Harley-Davidson, darunter Vorstandschef Matt Levatich, kam auf glänzenden Motorrädern angeknattert. Stilecht begrüßte die Gruppe in Bikerkluft den Präsidenten vor einer Auswahl der neuesten Harley-Modelle.

Man aß gemeinsam zu Mittag, die Begegnung im Februar 2017 stand für Trumps „America first“-Politik. „Viele Länder nutzen uns aus“, sagte Trump während einer anschließenden Pressekonferenz. „Danke, Harley-Davidson, dass ihr Amerika mit euren Produkten bereichert.“ Er versprach, dass seine Wirtschafts- und Handelspolitik den Konzern „sehr glücklich“ machen werde.

Doch die Zeit der Huldigungen ist vorbei. Seit der Konzern am Montag ankündigte, Teile seiner Produktion aus den USA herauszuverlagern, steht das Unternehmen auf Trumps Lästerliste. Dass ausgerechnet Harley-Davidson im globalen Handelskonflikt „die weiße Flagge“ schwenke, überrasche ihn, twitterte der US-Präsident. Seine Sprecherin Sarah Sanders machte Brüssel verantwortlich: „Die EU versucht, amerikanische Arbeiter zu bestrafen“, sagte sie.

So begründet Harley-Davidson seine Entscheidung

Seit Freitag greifen die Vergeltungsmaßnahmen der EU, die Brüssel als Reaktion auf Trumps Stahl- und Aluminiumzölle in Kraft gesetzt hatte. Betroffen sind nicht nur Bourbon, Orangen und Erdnussbutter, sondern auch amerikanische Motorräder. Die Importzölle erhöhen sich von sechs auf 31 Prozent. Laut Harley-Davidson würde jede seiner in Europa verkauften Maschinen dadurch um rund 2000 Euro teurer.

Damit man den Preisanstieg nicht auf die Kunden umwälzen muss, werde man zunehmend außerhalb der USA produzieren, kündigte der Konzern an. Wo genau man neue Werke eröffnen werde, teilte das Unternehmen zunächst nicht mit.

Die Erklärung klingt plausibel, denn Europa ist der weltweit zweitgrößte Absatzmarkt für Harleys – Tendenz steigend. Einbrüche kann sich die Firma in dieser Region kaum leisten. Der Hersteller verkaufte laut „Bloomberg“ im vergangenen Jahr fast 40.000 Motorräder in Europa, verglichen mit rund 148.000 in den USA. Europa wird für das Unternehmen immer wichtiger, da die US-Verkäufe schrumpfen. Harley-Davidsons Umsatz fiel in den USA seit 2016 um 8,5 Prozent – in Europa nur um 0,4 Prozent.

Trump könnte in einem Punkt recht haben

Harley-Davidson benutze die Strafzölle nur als „Ausrede“, schimpfte der US-Präsident auf Twitter. Ganz frei machen von diesem Vorwurf kann sich das Unternehmen nicht. Der Motorradhersteller hatte schon vor Trump Probleme. Zuletzt hatte der Konzern angekündigt, sein Werk in Kansas City schließen und ein Teil der Produktion nach Pennsylvania verlegen zu müssen. Dadurch werden rund 300 von weltweit 6000 Arbeitsplätzen wegrationalisiert.

„Gebühren sind nur eine Ausrede“ – so wettert Trump gegen Harley-Davidson

CEO Levatich hat US-Medien zufolge Mühe, jüngere Käufer an die Marke zu binden, die stetig sinkenden Einzelhandelsumsätze in den USA sind ein Symptom davon. Mit Ausnahme von Europa gerieten auch Verkäufe im Ausland ins Stocken.

Trumps Strafzölle und ihre Folgen könnten nun der letzte Anstoß für größere Umstrukturierungen sein. Die kühle Reaktion der Handelspartner betrifft Harley-Davidson direkt, aber sie sind eben nicht die einzige Herausforderung für den Traditionskonzern. Es ist zudem nicht neu, dass Harley-Davidson außerhalb der USA produziert. Das Unternehmen betreibt Werke in Brasilien und Indien. Ein Werk in Australien soll demnächst schließen, dafür eines in Thailand eröffnet werden.

Das bedeutet der Harley-Streit für den Handelskonflikt

Trotzdem steht der Harley-Streit für die Kurzsichtigkeit der Trump-Regierung. Eigentlich wollte der Präsident amerikanische Marken stärken, nun kehrt ihm eine Ikone den Rücken. Seine aggressive Handelspolitik hat umfassende Vergeltungsmaßnahmen aus der Europäischen Union, aus China oder aus Kanada provoziert.

Die Strafzölle und ihre Gegenmaßnahmen treffen amerikanische Produzenten, Zulieferer und Bauern – und Investoren aus dem Ausland, die in den USA Arbeitsplätze schaffen. Die deutsche Daimler AG warnte vergangene Woche, dass das Wettrüsten der Strafzölle zwischen den USA und China in diesem Jahr die Gewinne seines Sportwagen-Werks in Alabama senken werde.

Der Konflikt um Harley-Davidson zeigt auch die Schizophrenie von Trumps Wirtschafts- und Handelspolitik. Denn nicht alles, was Trump in seiner Amtszeit bislang gemacht hat, war schlecht für die Marke. Von der üppigen Senkung der Unternehmensteuern hat Harley-Davidson massiv profitiert. Laut „CNN Money“ beträgt der effektive Steuersatz für den Konzern in diesem Jahr zwischen 23,5 bis 25 Prozent – das sind rund zehn Prozentpunkte weniger als vor der Steuerreform.

Bislang beklagen sich große Unternehmen nur vereinzelt über Trumps Handelskrieg, das Lob für Steuersenkung und Deregulierung steht bei Auftritten prominenter Konzernvertreter im Vordergrund. Und tatsächlich geht es der US-Wirtschaft hervorragend: Die Nation steht vor der Vollbeschäftigung, das Kapital fließt, die Investitionen blühen, die Wirtschaft wächst.

Auch in seiner Partei genießt Trump großen Rückhalt. „Kurzfristig wird es wehtun, aber langfristig wird sich die Lage ausgleichen und stabilisieren“, sagte der Gouverneur von Kentucky, Matt Bevin, diese Woche dem Handelsblatt. Kentucky ist die Heimat des Bourbon, eines weiteren Produkts, das auf der Strafliste der EU steht.

Nachrichten wie die von Harley-Davidson sind für den Moment Einzelfälle. Solange das so bleibt, dürfte Trump seinen Kurs nicht gravierend ändern.

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