MSC Oscar Der „Gigant der Meere“ legt im JadeWeserPort an

Dickes Ding in Deutschlands einzigem Tiefseehafen: Das größte Containerschiff der Welt hat im JadeWeserPort angelegt. Der Frachter MSC Oscar soll künftig häufiger in deutschen Gewässern unterwegs sein.
Update: 07.03.2015 - 17:46 Uhr Kommentieren
Der weltgrößte Containerfrachter liegt in Deutschland. Quelle: dpa
MSC Oscar

Der weltgrößte Containerfrachter liegt in Deutschland.

(Foto: dpa)

WilhelmshavenGigant der Meere, Mega-Carrier und Superfrachter: Das größte Containerschiff der Welt sieht aus der Ferne eigentlich aus wie jeder andere Riesenpott auf der Elbe oder Weser. Doch je näher sich die MSC „Oscar“ am Samstag an die Kaje in Wilhelmshaven schiebt, desto klarer werden die Dimensionen im XXL-Format sichtbar. Ein hochhausähnlicher Rumpf liegt schließlich an der Pier, und von dort führt eine endlose Gangway hoch zum Deck. So mancher Besucher kommt bis dahin schon aus der Puste.

Doch es folgen noch acht weitere Decks bis zur Brücke, die Besuchergruppe schleppt sich atemlos durch leere Korridore und verwinkelte Flure. Nur selten kreuzt ein Seemann ihren Weg. „Welcome“, lächelt einer und verschwindet tief unten in den Bauch des Schiffes. Nur 24 Seeleute sind in der Crew, die meisten stammen aus Indonesien und von dem pazifischen Inselstatt Samoa. Die Offiziere und Kapitän Giuseppe Siviero (58) kommen dagegen aus Italien.

Container-Gigant macht in Bremerhaven fest
Ankunft
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Das größte Containerschiff der Welt, die „MSC Oscar“, hat erstmals in Deutschland festgemacht.

Tour
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Auf seiner Weiterfahrt soll der gut 395 Meter lange Gigant auch Wilhelmshaven (Niedersachsen) anfahren.

Pier
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Dort hofft Deutschlands einziger Tiefwasserhafen, der 2012 eröffnete JadeWeserPort (Foto), mit der Aufnahme in mehrere Liniendienste mit Großschiffen endlich auf den Aufschwung.

Premiere
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Die „MSC Oscar“ legte am Donnerstagmittag von Schleppern begleitet nach einer Drehung erstmals am North Sea Terminal (Foto) in Bremerhaven an.

Rekordhalter
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Sie ist zwar einige Meter kürzer als der bisherige Rekordhalter „CSCL Globe“, hat aber Platz für 19.224 Standardcontainer (TEU) – mehr als jedes andere Schiff.

Bepackt
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Nach Angaben der Wirtschaftsbehörde sollen etwa 5500 Container gelöscht werden. In Wilhelmshaven sollen weitere Boxen abgeladen werden. Die „MSC Oscar“ ist das jüngste Schiff der Reederei MSC mit Sitz in der Schweiz und wird im Liniendienst der neuen Allianz 2M mit der dänischen Reederei Maersk zwischen Asien und Europa eingesetzt.

Nicht die volle Last
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Die Weiterfahrt ist für den frühen Samstag geplant. Der JadeWeserPort ist der einzige Hafen in Deutschland, den Schiffe unabhängig von Beladung, Tiefgang und Wasserstand anlaufen können. Mit vollem Gewicht an Bord hätte die „MSC Oscar“ etwa 16 Meter Tiefgang. Beim Einlaufen nach Bremerhaven war das Schiff auf seiner Jungfernfahrt jedoch nicht voll beladen und kam auf knapp 13 Meter Tiefgang.

Ganz oben auf der Brücke ist vor lauter Containern kaum noch Schiff zu sehen. Mit 19 224 Standardboxen (TEU) nimmt die MSC „Oscar“ mehr Ladung auf als jeder andere Frachter. Nils Kahn von der italienisch-schweizerischen Reederei Mediterranean Shipping Company (MSC) sucht nach griffigen Beschreibungen für diese kaum vorstellbaren Mengen: „19 Millionen Spielzeugautos oder 57 Millionen Kleidungsstücke oder 1,15 Millionen Waschmaschinen oder 2,4 Millionen Mikrowellen oder...“ Und mit 395 Metern Länge wäre das ganze Schiff höher als der Eiffelturm oder der Berliner Funkturm, wenn die „Oscar“ senkrecht zum Stehen käme.

Andere Werte machen da schon nachdenklicher: Bei 16 Metern Tiefgang muss das Rekordschiff einen großen Bogen um die meisten Häfen steuern. Bremerhaven stand zwar auf dem Fahrplan, Hamburg wäre aber ein Problem. Und genau das ist die Chance für den JadeWeserPort in Wilhelmshaven: Deutschlands einziger Tiefwasserhafen ist speziell für diese Riesen-Pötte gebaut worden. Mehr als eine Milliarde Euro investierten die Länder Niedersachsen und Bremen in ihr Prestigeprojekt. Doch in den Zeiten von Finanz-, Wirtschafts- und Schifffahrtskrise kam der 2012 eröffnete Hafen bisher nicht in Fahrt.

„Das waren deprimierende Jahre“, resümiert Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Nun strahlt er neben Kapitän Siviero, der als Willkommensgeschenk einen „Seemannszwerg“ bekommt, die maritime Variante eines Gartenzwergs: „Der heutige Tag gleicht der Verleihung eines Oscars - auch der Oscar ist schließlich ein Preis, der für harte Arbeit und Anstrengungen verliehen wird.“

Lies wittert eine Riesenchance für den JadeWeserPort, wenn die großen Schiffe eines Tages Hamburg nicht mehr erreichen können. Doch der Minister will diese Schwäche nicht ausnutzen: „Hamburg sollte mit ins Boot kommen, wenn wir Wilhelmshaven in der Zukunft weiter ausbauen.“

Bisher hatte es nie so recht geklappt mit einer norddeutschen Hafenkooperation, doch für Lies ist die Zeit nun reif. „Wir müssen weg vom Kirchturmdenken. Ein Hafen ist nicht nur gut, wenn er im eigenen Land liegt.“


  • dpa
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