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Nach ARD-Dokumentation Daimler rüffelt Undercover-Reporter

Daimler ist aufgebracht wegen einer Reportage über Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern bei Mercedes. Der Konzern weist die Kritik zurück und vermisst den „fairen und professionellen Umgang“ mit der Redaktion des SWR.
Update: 14.05.2013 - 16:40 Uhr 47 Kommentare
Mercedes-Stern auf einem Werksdach. Quelle: Reuters

Mercedes-Stern auf einem Werksdach.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDer Autokonzern Daimler weist Vorwürfe einer ARD-Dokumentation über die vermeintlich unzulässige Anstellung von Leiharbeitern zurück. Die Vorwürfe seien umgehend und sorgfältig geprüft worden. Teile des Films, für den der SWR-Reporter Jürgen Rose zwei Wochen im Stammwerk Untertürkheim gearbeitet hatte, seien „fingiert“. Außerdem träfen Vorwürfe einer unsauberen Abgrenzung der Arbeiten von Daimler-Mitarbeitern und per Werkvertrag beschäftigten Dienstleistern nicht zu.

Am Montagabend hatte die ARD eine 45-minütige Reportage des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) ausgestrahlt (hier in der ARD-Mediathek zum Abruf). Darin wird der Vorwurf erhoben, dass der Autokonzern über Subunternehmen Mitarbeiter zu Löhnen beschäftige, die ein Hartz-IV-Aufstocken möglich machen. Damit werde die Produktion des Luxusherstellers durch Steuergelder querfinanziert.

Der Reporter hatte bei einer Zeitarbeitsfirma angeheuert, war dann an ein Logistikunternehmen ausgeliehen worden und von diesem bei Daimler eingesetzt worden. Dem Bericht zufolge habe er gleiche Arbeiten wie Daimler-Mitarbeiter ausgeführt und sei von diesen angeleitet worden. Ein Arbeitsrechtler beurteilt diese Praxis in der Dokumentation als illegal.

Der Automobilkonzern reagiert scharf: „Daimler hält die Vorgehensweise der SWR-Redakteure für überaus fragwürdig“, heißt es in einer ausführlichen Stellungnahme. Sie entspreche „in keiner Art und Weise dem fairen und professionellen Umgang zwischen SWR und Daimler, der in der Vergangenheit zwischen beiden Organisationen praktiziert wurde.“ Ein Sprecher formuliert es gegenüber Handelsblatt Online so: „Man kennt sich und man schätzt sich.“ Im aktuellen Falle hätten die Journalisten aber „zu keinem Zeitpunkt mit offenen Karten gespielt“.

Der Reporter hatte „undercover“ im Werk gearbeitet – also ohne das Unternehmen darüber zu informieren. Die Filmaufnahmen auf dem Gelände erfolgten ohne eine eigentlich erforderliche Genehmigung. Ob dagegen auch juristisch vorgegangen werde, wollte der Sprecher nicht sagen. Es gelte die Stellungnahme und „alles Weitere wird sich zeigen“.

Für 8,19 Euro pro Stunde arbeitete der Journalist an einem Band und musste Motorenteile für den Transport nach China verpacken. Sein monatlicher Bruttolohn von 1.220 Euro habe fast nur ein Drittel von dem betragen, was eine zumindest zeitweilig an gleicher Stelle arbeitende Daimler-Mitarbeiterin verdient habe.

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47 Kommentare zu "Nach ARD-Dokumentation: Daimler rüffelt Undercover-Reporter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Am Ende des Films lässt der Reporter sich den Bart abnehmen bei Meyer & Marks. Ob es ihn interessiert, dass dort ein Stundenlohn von unter sechs Euro die Stunde für die Angestellten mit Lehrabschluss gezahlt wird?

  • Offensichtlich ist der SWR genauso wie seit Jahren die Kollegen im Norden auf dem direkten Weg zum manipulativen Rotfunk.

    Den Daimler-Verantwortlichen kann man nur raten die zahlreichen Sponsoring- und Werbeaktivitäten für den SWR mit sofortiger Wirkung einzufrieren.

  • 1. Vorweg: Ich schließe mich allen Forderungen an, Arbeitnehmer/innen auskömmlich zu bezahlen.
    2. Undercover-Journalismus ist für mich grundsätzlich verwerflich. Hier sind die Grenzen des notwendigen journalistischen Dialogs nicht eingehalten.
    3. Der Reporter und der SWR haben in illegaler Weise Aufnahmen in den Daimler-Hallen gemacht. Das ist rechtlich unmöglich.
    4. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dem SWR nicht möglich war, in der Sendung einen O-Ton von Daimler zu den Vorhaltungen zu bekommen.
    5. Die "Hungerlöhne" basieren auf gültigen Tarifverträgen, die zwischen Gewerkschaft und AG-Verband vereinbart sind.
    6. Es fehlt die Recherche und der Bericht darüber, ob die verglichenen Daimlermitarbeiter/innen tatsächlich nur das tun, was der Undercover gemacht hat.
    7. Sehr dubios ist das Auftreten der Gewerkschaft und des Betriebsrats zum Vorgehen und zum Ergebnis des SWR-Reporters.
    8. Lohnend wäre eine Recherche im SWR, unter welchen Bedingungen dort externe Leute arbeiten, vom Kabelschlepper bis zum Mikrofonbalkenhalter.

    Manfred Pfaus, 74722 Buchen-Hettingen
    www.pfaus.de

  • Genau, Schweinerei!
    Wir sollten aus Protest keine Autos mehr aus deutscher Produktion kaufen. Das wird die Probleme in diesem Land bestimmt lösen...

  • Alle diejenigen die jetzt über Daimler herziehen (sind wohl keine Arbeiter bei Daimler) werden es noch erleben, dass Daimler seine Werke hier dicht macht und ins Ausland zieht.
    Liebe Leute seid doch froh, dass Daimler überhaupt noch Arbeitsplätze in Deutschland (ups:im Sozialismus) bietet.
    Daimler gehört schon lange nicht mehr deutschen Aktionären. Da kanns von heut auf morgen hier in Deutschland vorbei sein.
    Ich möchte dann nicht all diese Schreihälse hier sehen, die dann wieder nach dem Staat rufen, weil sie selbst nicht in der Lage sind was aufzubauen.

  • ............beschämend für diese einstmals deutsche Vorzeigefirma. Eine der wenigen Firmen, die jahrzehntelang weltweit führend war. Und nun ist alles in Sack und Asche. Wie ist der ruinöse Abstieg entstanden? Und warum hat keiner schon auf halber Strecke die Reißleine gezogen. Weil die Vorstände von Zetsche über Schremp bis Reuter einschließlich der zu verantwortenden Aufsichtsräte sich hinter den Mercedes-Stern versteckt hatten. Alles unter dem Motto, es wird schon gut gehen. Wir sind wer. Arroganz, Ignoranz, Desinteresse, Dummheit, die keine Steigerung mehr kennt, führten diesen Laden in den Ruin, d. h. zu dem Zustand der jetzt ist. Und wie ist er? Nun, die Firma Daimler alias Mercedes Benz kann nur noch mit Skonda, Opel, dem japanischen, chinesischen und französischen Industrieplunder vergleicht werden. Ist überhaupt noch eine Rettung möglich? Nein, weil dies bedeuten würde, daß von oben nach unten eine komplette Firma neu aufgebaut werden müßte und das könnte Jahre und Jahrzehnte dauern. Es ist nur noch die Entlassung, nochmals, die Entlassung beider Gremien der richtige Schritt. Die Anlagen gehörten dann in eine Holzkiste, Deckel drauf, zuschrauben nicht nageln und ab nach China. Das Personal könnte auf Audi und BMW aufgeteilt werden. Das wär´s. Die Beschmutzung der deutschen Firmen durch Daimler würde dadurch auch umgangen. Man verzweifelt, wenn man an diese Marke denkt, was jetzt ist und einmal war. Es ist eine Schmach für Deutschland.

  • @ hermann.12

    Die Asssagen sind doch eindeutig: ... Ein Sprecher formuliert es gegenüber Handelsblatt Online so: „Man kennt sich und man schätzt sich.“ Im aktuellen Falle hätten die Journalisten aber „zu keinem Zeitpunkt mit offenen Karten gespielt“...
    Wenn jemand was aufdecken will, wird er sich wohl nicht als Reporter vorher anmelden ;-) Das hätte man natürlich gern und nun ist man erstaunt, dass die jahrzentelange Klüngelei nicht mehr funktioniert.
    Die Betrügereien werden einfach zu offensichtlich und die Leute wachen langsam auf.

  • Krampfhaftes Kostensenken über Billigarbeiter zeigt doch, dass Daimler viel tieferliegende Probleme haben muss. Wie GM, als die in den 80ern von Michigan nach Mexiko rüber sind.

    Nichtsdestotrotz ist Mercedes hiermit für mich gestorben. Und BMW ebenfalls, die machen das in Leipzig ja auch nicht viel anders. Sollte auch mal einer ne Reportage drüber machen.

  • Es ist schon interessant, was die jeweiligen Stellungnahmen nicht sagen oder nicht widerlegen.
    Das legt Nahe, das der SWR zwar in gutem glauben aber nicht vollständig sauber berichtet hat, weil der Reporter schlicht keine Ahnung von regulären Arbeitsverhältnissen und deren juristische wie praktische Ausgestaltung hat.
    Auf der anderen Seite zeigt der Bericht aber auch wie fragwürdig letztlich diese Praxis ist, bei der juristische und praktische kaum korrekt zu verwirklichende Merkmale zu beachten sind.
    Insofern isst an beiden Darstellungen etwas Wahres, weshalb der schwarze Peter letztlich in der Politik liegt, die ordnungspolitische Fragwürdigkeiten produziert, nur um weiter im ideologischen Wolkenkuckuckusheim der globalisierten Exportwirtschaft bleiben zu können.
    Das kann und wird auf Dauer nicht gut gehen, nur leider bringt das Richtige hier niemals Wählerstimmen.

    H.

  • Die Aufhebung der Einkommenssteuer macht Sinn.

    Es muss das besteuert werden, was wir verhindern wollen (z.B. Umweltverschmutzung).

    Und Steuern wegfallen für Dinge, die wir haben wollen (z.B. Arbeitsplätze).

    --

    In der Reportage wurde ein wichtiger Aspekt vergessen. Das ist der Kontinuierliche Verbesserungsprozess beim Daimler. Wieso wurde der vom Journalisten nicht erwähnt, wieso haben die Kollegen am Band da nicht drüber gesprochen.

    Es gibt bestimmt viele regelmäßig stattfindende KVP Teams beim Daimler, die für jeden die Arbeitsbedingungen erheblich verbessern und gleichzeitig die Verschwendung im Prozess vermindern.

    Über diesen KVP sollten die deutschen Reporter öfter berichten und Erfolgsbeispiele (Toyota) aufzeigen.

    Gruß
    TP

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