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Nach der Flucht Libanon verhängt Ausreisesperre gegen Ex-Automanager Ghosn

Der geflohene japanische Automanager Carlos Ghosn darf den Libanon vorerst nicht verlassen. Denn international wird nach dem Manager gefahndet.
09.01.2020 Update: 09.01.2020 - 13:46 Uhr 3 Kommentare
Libanon verhängt Ausreisesperre gegen Ex-Automanager Ghosn Quelle: AP
Manager auf der Flucht

Carlos Ghosn und seine Frau Carole befinden sich derzeit im Libanon.

(Foto: AP)

Beirut Der ehemalige Automobilmanager Carlos Ghosn ist Justizkreisen zufolge im Libanon vernommen worden. Anschließend sei ein Reiseverbot gegen den 65-Jährige verhängt worden. Ghosn sei am Donnerstag unter Aufsicht eines Staatsanwalts von einem hohen Beamten der Kriminalpolizei im Beiruter Justizpalast befragt worden, sagte ein Gerichtsinsider der Nachrichtenagentur Reuters.

Demnach folgte er einer Vorladung durch die Justiz aufgrund des von Japan beantragten Haftbefehls der internationalen Polizeibehörde Interpol. Japan strebt Ghosns Verhaftung wegen finanziellen Fehlverhaltens und seine Auslieferung an. Sein Anwalt sagte dem libanesischen Sender MTV, er fühle sich „sehr wohl“ mit dem juristischen Verfahren in Beirut.

Der einst gefeierte Manager der Autoallianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi hatte sich kurz vor Silvester unter spektakulären Umständen aus Japan in den Libanon abgesetzt, wo er aufgewachsen ist. Am Mittwoch hatte er sich mit scharfer Kritik an seinem früheren Arbeitgeber Nissan und den japanischen Strafverfolgern zu Wort gemeldet.

Die japanische Regierung wies die schweren Vorwürfe umgehend als „absolut untragbar“ zurück. Justizministerin Masako Mori sagte am Donnerstag, der frühere Nissan-Chef habe falsche Informationen über Japans Rechtssystem verbreitet. Dabei könne man seine Flucht vor einem Prozess schon allein als Verbrechen ansehen. Ein solches Verhalten würde in keinem Land geduldet.

Ghosn hatte Japan eine Verletzung grundlegender Menschenrechte vorgeworfen. Er sei bis zu acht Stunden am Tag ohne Anwalt verhört worden, um ein Geständnis aus ihm herauszuholen. Die monatelange Untersuchungshaft sei völlig überzogen gewesen.

Verfahren soll neu aufgerollt werden

Seine Auslieferung durch den Libanon gilt als unwahrscheinlich. Es wird auch nicht damit gerechnet, dass er sich in Japan einem Prozess stellen wird. Ghosn hatte bei seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Flucht am Mittwoch gesagt, dass er bereit sei, für eine lange Zeit im Libanon zu bleiben. Aus seinem Umfeld hieß es, seine Rechtsberater wollten erreichen, dass das Verfahren gegen Ghosn im Libanon aufgerollt werde.

Ghosn war nahezu zeitgleich mit seinem Sturz als Chef der Autobauer Nissan und Renault im Herbst 2018 von japanischen Behörden festgesetzt und angeklagt worden. Er steht in Japan wegen Untreue und finanziellen Fehlverhaltens beim japanischen Renault-Partner Nissan unter Anklage.

Er war im vergangenen Frühjahr gegen eine Millionen-Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden und wurde während seines Hausarrests streng überwacht. Er wird beschuldigt, Gelder schwarz kassiert, veruntreut und unterschlagen zu haben. Ghosn bestreitet jegliche Verfehlungen.

Er sieht sich als Opfer einer Verschwörung von Verantwortlichen bei Nissan und Behörden des Landes, auch um den Einfluss des französischen Autobauers Renault bei Nissan zurückzudrängen. Aus dem Hausarrest entkam er Ende Dezember, angeblich mit dem Flugzeug eines türkischen Privatjet-Anbieters. Ghosn hat die libanesische, brasilianische und französische Staatsangehörigkeit.

Mehr: Im ersten Auftritt seit seiner Flucht in den Libanon geht Ghosn in die Offensive. Das Verfahren in Japan sei „politisch gesteuert und korrupt“. Nur zu einem Thema sagt er nichts.

  • rtr
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3 Kommentare zu "Nach der Flucht: Libanon verhängt Ausreisesperre gegen Ex-Automanager Ghosn"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Alles ausserhalb Japans bedeutet Freiheit. 12.000.000,- sind diesbezüglich ein echtes Schnäppchen. Die Flucht selbst wird ihn nochmal einen ebenso hohen Betrag gekostet haben. Bedenken Sie, der Mann lebt jetzt umgeben von Freunden, in einem wunderschönen Haus in dem schönsten Stadtteil von Beirut, seiner Heimatstadt. Dieses Haus kostete 12.000.000,- , die von Nissan bezahlt wurden. Kennen Sie die Strände von Beirut? Es ist wirklich toll da und die Menschen sind freundlich und weltoffen. Äh, natürlich nur wenn man reich ist. Aber das ist für Ghosn nur eine Fingerübung. Und für die anderen ist das Leben überall auf der Welt mies.

  • Immerhin bedeutet das den Verlust der Kaution (12 Mio $) und wahrscheinlich lebenslanger "Hausarrest" im Libanon. Im Grunde also wirtschaftlich ein Gewinn für Japan, auch wegen der ersparten Justiz- und Vollzugskosten. Zudem ist Herr Ghosn auch so weitgehend außer Gefecht gesetzt.

  • Ein echtes Husarenstück. Und die Japaner stehen jetzt dumm da. Sie haben sich mit dem Falschen angelegt. Peinlich Peinlich Peinlich, ein Gesichtsverlust erster Güte. Es sei Ihnen gegönnt !

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