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Nach Fahrzeugbränden Koreaner wollen BMW-Chef Krüger verklagen

Nachdem BMW-Modelle in Korea in Flammen aufgegangen sind, wollen hunderte Kunden vor Gericht ziehen. Auch Konzernchef Krüger soll persönlich haftbar gemacht werden.
Update: 17.08.2018 - 14:00 Uhr Kommentieren
BMW: Koreaner wollen Harald Krüger wegen Autobränden verklagen Quelle: dpa
BMW-Chef Harald Krüger

Gegen den Konzernlenker soll in Korea eine Klage eingereicht werden.

(Foto: dpa)

München, Tokio Der Druck auf  BMW in Südkorea wächst: Am heutigen Freitag will eine Rechtsanwaltskanzlei in Seoul eine Sammelbeschwerde gegen den Autobauer einreichen. Rechtsanwalt Jason Ha sagte, dass er auch eine Strafanzeige gegen Konzernchef Harald Krüger persönlich stellen wolle. Die Kläger verlangen Schadenersatz für die fehlerhaften Dieselmodelle, die in Korea bereits zu 27 Bränden geführt haben. Menschen kamen bei diesen Vorfällen bislang nicht zu Schaden.

Die Kläger werfen Krüger und BMWs Pressesprecher Jochen Frey vor, an der Vertuschung des Defekts mitgewirkt zu haben, erklärt Rechtsanwalt Jason Ha dem Handelsblatt. Dessen Kanzlei Barun Law vertritt die diversen Klägergruppen. Im Falle einer Verurteilung drohen nach dem Automobilmanagement-Gesetz bis zu zehn Jahre Haft und Geldstrafen von bis zu 80.000 Euro.

Am Freitag reichte Ha zudem für 120 Kunden eine Sammelbeschwerde ein, weitere 500 Kunden könnten folgen. Denn viele Kunden mussten ihre BMWs stehen lassen und Mietautos nehmen. Zudem befürchten sie einen Wertverlust von gebrauchten 5ern. Für Kunden, deren Autos nicht abgebrannt sind, klagt er zuerst auf 4000 Euro, für Brandopfer auf 16.000 Euro. „Im Laufe des Verfahrens werden wir die Summe allerdings erhöhen“, droht er BMW

BMW betont aber mit den Behörden zu kooperieren und wiegelt ab: „Dass sich solche Beschwerden unter anderem auch gegen Vorstandsmitglieder richten ist nichts Ungewöhnliches“, erklärte ein Sprecher. Letztlich gehe es aber nicht um diese als Personen, sondern um die Sache.

Der Konzern musste auf Anweisung der koreanischen Behörden zuletzt 106.000 Dieselmodelle in Korea zurückrufen. Grund ist ein fehlerhaftes Ventil in der Abgasrückführung, das einen Brand der auslaufenden Kühlflüssigkeit verursachen kann.

BMW will die betroffenen Kunden mit Ersatzfahrzeugen versorgen. Doch das Problem ist nicht auf Korea beschränkt: Auch in Europa sollen rund 324.000 Diesel zurückgerufen und umgerüstet werden. Auch hier sei es „in Einzelfällen“ zu Bränden gekommen. Warum in Korea offenbar mehr Autos betroffen sind als in Europa kann der Konzern nicht erklären.

Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher am Morgen, das bereits 100.000 Autos überprüft worden seien, bei rund jedem zehnten Auto sei ein Mangel festgestellt worden. Ein Austausch der fehlerhaften Bauteile werde aber bei allen Autos vorgenommen. Für die noch nicht kontrollierten Autos haben die Behörden vorerst ein Fahrverbot verhängt.

Eine Grundlage für Has Klage ist, dass BMW nach eigenen Angaben seit 2016 von Problemen mit dem Abgasrückführmodul gewusst hat, bis Juli 2018 aber keinen Rückruf eingeleitet habe. BMW behauptet laut Ha, dass man erst dann die Problemursache gefunden hätte. Der Anwalt will aber nicht glauben, dass der deutsche Autobauer zweieinhalb Jahre für die Fehlersuche gebraucht habe.

Als Indiz für seinen Verdacht führt er an, dass BMW der 5er-Serie beim Modellwechsel eine neue Abgasrückführung mit höherer Kapazität spendiert habe. Ha hat seit Ende Juli bereits drei Zivilklagen eingereicht. In ihnen vertritt er sowohl BMW-Kunden, deren Autos abgebrannt sind, als auch Fahrer, deren BMW verschont blieben, die durch die Brände jedoch verunsichert sind.

Am 9. August hatte Ha daher eine erste Strafanzeige erstattet – gegen BMW Korea, den BMW-Konzern, den Vorsitzenden der Landesgesellschaft Kim Hyo-joon, einen weiteren koreanischen Topmanager und vier Manager der Zentrale, die Anfang August die Wogen mit einer Pressekonferenz glätten wollten.

Am Donnerstag schickten die Kläger einen Forderungskatalog an das koreanische Verkehrsministerium. Sie fordern darin eine unabhängige Untersuchung der Fahrzeugbrände bis zum Jahresende. Das betroffene 520d-Modell müsse einem Stresstest unterzogen werfen. Zweitens soll auch die Klimaanlage bei 120d-Modellen getestet werden, da ein Modell in Korea Feuer gefangen hat. In den USA und Großbritannien gab es zu dem Problem bereits Rückrufe.

Außerdem verlangen die Klägergruppen, dass die Regierung ein ausgebranntes Auto zur amerikanischen NTSB schickt, um es dort auf die Brandursache hin untersuchen zu lassen. Denn sowohl BMW als auch die koreanischen Behörden hatten erklärt, dass sie das nicht könnten. 

„Unter den Importeuren bin ich berüchtigt“

Rechtsanwalt Jason Ha ist in der Autoindustrie bestens bekannt. Ab 1986 war er für zehn Jahre der Rechtsberater von Hyundai Motors in den USA und kennt sich daher mit amerikanischen Sammelklagen von der Herstellerseite aus.

Außerdem hat er Erfahrung im Verklagen von deutschen Herstellern. VW und Audi forderte er bereits im Diesel-Skandal heraus, Mercedes in einem anderen Fall. „Unter den deutschen Importeuren bin ich ein berüchtigter Kerl“, sagt der koreanische Anwalt von sich selbst.

Die Probleme mit brennenden Fahrzeugen haben BMW in den vergangenen Tagen viel Kritik in den südkoreanischen Medien eingebracht, die Brände waren Thema in den Hauptnachrichten. Der Ärger in Korea kommt für Konzernchef Harald Krüger zur Unzeit: Südkorea ist für die Münchener strategisch wichtig und wurde zuletzt intern aufgewertet.

Verantwortet wird die Region seit Anfang des Jahres von Hildegard Wortmann mit Sitz in Singapur, zuvor hatte Wortmann das weltweite Marketing geleitet. BMW produziert nicht vor Ort, die Autos werden ausschließlich importiert. Anders als beispielsweise amerikanische Kunden bevorzugen die Koreaner immer noch Limousinen, die meist aus den deutschen Werken eingeführt werden.

Zudem ist der in Europa stark kritisierte Diesel weiter hoch im Kurs, die Verkäufe in Südkorea kompensieren zum Teil die Rückgänge in Europa. Bis Ende Juli lagen die Absätze in dem Land um über elf Prozent im Plus, damit ist Südkorea neben China einer der wenigen großen Wachstumsmärkte für BMW.  

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