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Nach Flugzeugabsturz Indonesien storniert Bestellung der Boeing 737 Max

Hat die Boeing 737 Max kritische Sicherheitsmängel? Weltweit werden die Airlines skeptisch und stornieren die Bestellungen beim US-Flugzeugbauer.
Update: 22.03.2019 - 09:21 Uhr Kommentieren
Indonesien storniert Bestellung von 49 Boeing 737 Max Quelle: Reuters
Boeing vom Typ 737 Max

Das Katastrophenflugzeug muss weltweit am Boden bleiben.

(Foto: Reuters)

JakartaWegen der Abstürze von zwei Passagierflugzeugen mit mehr als 340 Toten hat der US-Konzern Boeing einen Auftrag in Milliardenhöhe verloren. Indonesiens staatliche Fluggesellschaft Garuda machte eine Bestellung über 49 Maschinen des Typs Boeing 737 Max rückgängig. Die Fluglinie begründete dies am Freitag ausdrücklich damit, dass ihre Passagiere nur noch wenig Vertrauen in dieses Flugzeug hätten. Der Wert der jetzt stornierten Bestellung liegt nach Listenpreis bei mehr als vier Milliarden Euro.

Garuda ist die größte Fluggesellschaft des südostasiatischen Landes. In einem Schreiben an den US-Flugzeugbauer, das am Freitag veröffentlicht wurde, heißt es über die Max 8: „Unsere Passagiere haben seit den Abstürzen nur noch geringes Vertrauen in diese Maschine. Sie vermeiden es, die Max 8 zu benutzten.“ Eine der abgestürzten Maschinen gehörte der indonesischen Billigfluglinie Lion Air. Die andere flog für die äthiopische Ethiopian Airlines.

Garuda selbst hatte nur eine einzige solche Maschine in Betrieb. Sie steht jetzt ebenfalls am Boden. Vermutet wird, dass das Flugzeug jetzt verkauft oder an Boeing zurückgegeben wird. Diese Maschine und die 49 Maschinen, die jetzt abbestellt wurden, stammten aus einem Auftrag von 2014.

Einem Garuda-Sprecher zufolge wird kommende Woche eine US-Delegation zu Gesprächen erwartet. Dabei solle es um die künftige Zusammenarbeit gehen. „Möglich ist, dass wir uns für die Bestellung eines anderen Boeing-Modells entscheiden.“

Der private indonesische Billigflieger Lion Air - unmittelbare Konkurrenz von Garuda - hat zehn Boeing 737 Max in seiner Flotte. Eine elfte Maschine war am 29. Oktober vergangenen Jahres kurz nach dem Start in Indonesiens Hauptstadt Jakarta ins Meer gestürzt. Alle 189 Insassen kamen ums Leben. Einen Tag zuvor konnte eine Katastrophe mit derselben Maschine noch knapp verhindert werden. Nach Medienberichten gelang es einem erfahrenen Piloten, der zufällig im Cockpit saß, das Flugzeug sicher nach unten zu bringen.

Beim Absturz einer baugleichen Maschine in Äthiopien starben in diesem Monat 157 Passagiere und Besatzungsmitglieder. Vermutet wird, dass in beiden Fällen Probleme mit der Software Grund für die Unglücke waren. Nach Angaben von Boeing wurden weltweit von mehr als 100 verschiedenen Kunden bereits mehr als 5000 Passagiermaschinen des Typs 737 Max bestellt. Ausgeliefert wurden bis Ende Februar allerdings erst 376. In der Luftfahrtindustrie ist es aber nicht ungewöhnlich, dass zwischen Bestellung und Auslieferung Jahre vergehen.

Bei Lion Air, aber auch bei Vietjet, zwei wichtigen Abnehmern des Mittelklassejets, wird nun ebenfalls offen darüber diskutiert, die Bestellungen zu stornieren, berichten asiatische Medien. Viele Fluggesellschaften weltweit lassen die Boeing 737 Max inzwischen sicherheitshalber am Boden. Boeing hatte die Auslieferung des Fliegers vorübergehend ausgesetzt.

Airlines verlangen Schadenersatz

Die Zulassung der 737 Max durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA wird inzwischen mit großem Argwohn betrachtet. Das FBI ermittelt gegen Hersteller und Entwickler. Skepsis ruft vor allem die Freigabe der umstrittenen Steuerungssoftware MCAS hervor, die eine entscheidende Rolle beim Absturz der Unglücksmaschinen gespielt haben soll.

Boeing hat ein rasches Update des Programms versprochen. Am Mittwoch erklärte die FAA die Installation der überarbeiteten Software und ein entsprechendes Ausbildungsprogramm für Flugzeugbesatzungen zur „Priorität“.

Airlines wie die polnische Lot verlangen wegen der Probleme mit der Boeing 737 Max 8 aber auch finanzielle Entschädigung von Boeing. „Wir werden Schadenersatz für die Unkosten und für den Verlust an Einnahmen fordern“, sagte Lot-Sprecher Adrian Kubicki der Tageszeitung „Dziennik Gazeta Prawna“. Lot betreibt fünf Boeing-737-Max-Maschinen. Zuvor hatte schon die polnische Enter Air Entschädigungsforderungen angekündigt.

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