Nach Milliardengewinn PSA-Chef Tavares spricht Klartext zu Opel

Der französische Autobauer PSA hat seinen Gewinn fast verdoppelt. Jetzt fühlt sich Konzernchef Carlos Tavares bereit für ein Überholmanöver. Und er verrät, welche Potentiale er im Opel-Kauf sieht.
Update: 23.02.2017 - 15:31 Uhr 15 Kommentare
PSA-Chef Carlos Tavares bei der Präsentation seiner Strategie. Quelle: AFP
Überholmanöver geplant

PSA-Chef Carlos Tavares bei der Präsentation seiner Strategie.

(Foto: AFP)

DüsseldorfVor wenigen Jahren, das erzählt PSA-Chef Carlos Tavares immer wieder, habe man ein Nahtod-Erlebnis gehabt. Als er bei den Franzosen übernahm, lag der Autobauer quasi auf der Intensivstation mit wenig Hoffnung auf Rettung. Die Modelle waren veraltet, Milliardenverluste fielen an. Doch wie Lazarus ist PSA nochmal vom Totenbett gesprungen: Das aktuelle Jahresergebnis ist ein weiterer Beleg, dass der Sanierungskurs von Tavares nachhaltig Wirkung zeigt. Im vergangenen Jahr konnte der französische Konzern seinen Gewinn auf 1,73 Milliarden Euro fast verdoppeln. Und das obwohl der Umsatz um 1,1 Prozent auf 54 Milliarden Euro sank.

„Wir sind jetzt in der Lage, weitere Gelegenheiten beim Schopf zu packen“, erklärte PSA-Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon nach der Bekanntgabe der Zahlen in einer Telefonkonferenz. Damit spielt er mit den Erwartungen der zahlreichen Analysten und Reporter, die sich heute weitere Neuigkeiten zur Übernahme der deutschen GM-Tochter Opel erhofften. Mit Nettobarmitteln von 6,8 Milliarden Euro sei die Kriegskasse gefüllt, ergänzte der Franzose, um dann gleich auf die Bremse zu treten. „Derzeit kann es keine Gewissheit geben, was das Ergebnis dieser Gespräche angeht“, erklärte de Chatillon.

Konzernchef Carlos Tavares spricht klarer aus, was die Franzosen sich von einem Opel-Kauf erhoffen. „Opel braucht Hilfe“, gibt er zu. Doch mit dem Wissen von PSA könne man den deutschen Autobauer wieder rentabel machen. „Wir können Opel auf das Niveau der Effizienz bringen, das PSA heute schon hat“, sagt Tavares. Die Rüsselsheimer befänden sich in einer ähnlichen Lage wie PSA vor vier Jahren. Man könne erklären, wie das geht, doch den Turnaround müssten Opel-Management und -Belegschaft aus eigener Kraft stemmen. „Ich vertraue darauf, dass Opel einen guten Job machen wird“, so Tavares weiter.

Mit der Übernahme der Marke erhofft sich Tavares, vom deutschen Opel-Image zu profitieren. „Es gibt Käufer, die einfach keine französische Marke wollen“, sagt er. Durch Opel könne man neue Segmente im Markt erreichen.

Technologisch wollen die Franzosen aber den Ton angeben. „Es geht nicht darum, zwischen dem technischen Angebot der Konzerne abzuwägen“, sagt Tavares. Es sei vielmehr so, dass man in Zukunft immer weniger auf GM- und immer stärker auf PSA-Technologie vertrauen wolle. Man habe bereits drei Autos auf gemeinsamer Plattform mit Opel entwickelt. „Das belegt, dass die Teams gut zusammenarbeiten können“, so Tavares. Mehr Details könnte er noch nicht verraten, da der Deal noch nicht abgeschlossen sei. Dann verrät er aber doch noch ein unterhaltsames Detail: Als junger Mann habe er selbst einen Opel Manta gefahren.

Nähmaschinen, Laubfrosch und ein Raketenantrieb
Die Marke mit dem Blitz - Opel
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Nach jahrelangen Verlusten geht Opel in die Hände von Peugeot. Der Detroiter Mutterkonzern General Motors verkauft seine Rüsselsheimer Tochter an den französischen Konkurrenten. Die über 150 Jahre dauernde Firmengeschichte des deutschen Autobauers ist sowohl von technischen Innovationen und Rekorden, als auch von Erfolgen maßgeblich geprägt. Doch insbesondere in den vergangenen 30 Jahren hat sich diese Erfolgsgeschichte gedreht.

Anfang mit Nähmaschinen
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1862 beginnt Adam Opel in der väterlichen Schlosserwerkstatt mit dem Bau von Nähmaschinen. Hier zu sehen: Adam Opels erste handgefertigte Nähmaschine aus selbigem Jahr.

Opels Markenlogo 1862
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Noch keine Spur vom Opel-Blitz: Das erste Opel-Markenzeichen, 1862 - die Initialen Adam Opels. Das Unternehmen, das inzwischen in sehr unruhiges Fahrwasser geraten ist, versucht auch heute noch ein Image von Traditionalität abzuliefern.

Fahrrad „Velociped“
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Bald folgen Fahrräder. 1886 verlässt das erste „Velociped“ die Fabrik. Die Räder aus Rüsselsheim sind populär. Mitte der 1920er Jahre ist Opel größter Zweiradproduzent der Welt. Längst stellt Opel auch Motorräder her. Hier leistet Wilhelm Opel einem Sportskameraden Starthilfe.

„Patent Motorwagen System Lutzmann“
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Die Geschichte des Automobilbaus beginnt 1899. Opel ist damit – nach Daimler-Benz – der zweitälteste Autohersteller Deutschlands. Der „Patent Motorwagen System Lutzmann“ macht den Anfang.

Erste Eigenkonstruktion: Modell 10/12PS
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Im Herbst 1902 präsentiert Opel dann mit dem Modell 10/12 PS seine erste Eigenkonstruktion. Die Autos finden reißenden Absatz: Bis 1906 haben bereits über 1000 Fahrzeuge die Werkshallen verlassen (Bild ist von ca. 1930).

Zweizylinder-Luxus-Motorrad
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Opel Zweizylinder-Luxus- Motorrad mit 3 1/2 PS und elektromagnetischer Zündung aus dem Jahr 1905.

Das Selbstbewusstsein wird beim Auftritt von Tavares deutlich. Drei Jahre nachdem man vom französischen Staat und dem chinesischen Autokonzern Dongfeng gerettet werden musste, ist man wieder in der Rolle des Angreifers. Nicht umsonst hat Konzernchef Carlos Tavares sein jüngstes Strategieprogramm „Push to Pass“ genannt. Der leidenschaftliche Rallyefahrer hat den Begriff aus dem Rennsport bewusst gewählt. So nennt man es, wenn zusätzliche Motorkraft vor einem Überholmanöver aktiviert wird.

Und genau dazu setzen die Franzosen gerade an. Seit Tagen wirbt Konzernchef Tavares um Unterstützung für die Opel-Übernahme. Noch vor dem Autosalon in Genf soll eine Einigung stehen, heißt es aus Verhandlungskreisen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte berichtet, dass die Franzosen sich durch die Übernahme Einsparungen von bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr erhoffen. Wie genau man solche Einsparungen erreichen will, verrät Tavares nicht. Doch zwischen den Zeilen schwingt eine leichte Drohung mit, wenn er über Opel redet. „Ich vertraue auf das Opel-Management, aber wir werden sie herausfordern, wenn notwendig“, sagt der Portugiese.

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15 Kommentare zu "Nach Milliardengewinn: PSA-Chef Tavares spricht Klartext zu Opel"

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  • Die Kollegen bei Opel können am Beispiel Airbus sehen was ihnen blüht wenn die Franzosen die Macht übernehmen! Bei Opel werden alle interessanten Jobs in der Entwicklung und Marketing nach Frankreich gelegt und die Deutschen Werke werden zu reinen Fertigungsstandorten (natürlich einige Hierarchie- und Gehaltsstufen tiefer).

    Und am Schluss ist die Fertigung in Deutschland zu teuer und der Rest kommt nacht China!

    Und Airbus war auch einmal der Stolz der Deutschen Industrie!

  • Stimmt. Sieht man an Telekom, BAHN, Lufthansa, Coba z.B. EON u.a. werden folgen.

    Mit ein paar Mrd. wird man selbstherrlich dabei sein und die Politikerinnen werden den Managern sagen wo es lang geht. Und auch u.U. Mit ihren Gehältern und Bonis.

    Dafür will Opfer annehmen nun noch ein Gesetz machen.

    Es lebe die Gleichmacherei.

    Wer 45 Jahre gearbeitet hat und nie über die 2000 Netto im Monat gekommen ist, bekommt soviel äh... wenig Rente wie jemand der zu uns kommt und immer die Füße hochgelegen hat.

    Besser noch, jeder kriegt einfach 2000 Euro monatlich ohne zu arbeiten.

  • @Herr J. Schwarz
    Die Politik in Deutschland und Frankreich...die Politik der Eliten in der EU schieben sich unwirtschaftliche Unternehmen über die Grenzen hinweg hin und her...bis alles soweit verwässert ist und kein Hahn nach dem Unternehmen mehr kräht. Die Gewerkschaften in Deutschland sind da genauso eingebunden wie die Manger der Unternehmen. Auf der Strecke bleibt die freie und selbstbestimmende Marktwirtschaft/Gesellschaft und mit ihr die Arbeitnehmer.
    EU-Deutschland = DDR 2.0 Plan-Staat-Subventionsmodell.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ist doch alles kein Problem.
    Wir haben doch Fachkräftemangel.
    Die Opel-Mitarbeiter werden gemäß unseren Politikern schneller einen neuen Job finden, als ihnen lieb ist.
    Ob sie von dem neuen "Spitzenjob" noch so leben können wie vorher, wird sich erst zeigen müssen.

  • Ob PSA hier "billig" an das Know-how von Opel rankommt, würde ich bezweifeln. Mich würde mal interessieren, was Opel bisher an GM für Lizenzen und Patente zahlt, bevor das Bilanzergebnis festgestellt wird. Und dafür dürfte auch PSA zahlen müssen, da ändert sich erst einmal nichts.
    Und überhaupt, warum kauft jemand ein Unternehmen, um die Arbeitsplätze zu erhalten? Vielleicht die Caritas, aber kein börsennotiertes Unternehmen.
    Andererseits: solange die Opels nicht wie die französischen Autos mit Dauerblinker und meistens einäugig durch die Gegend fahren, ist es mir ziemlich egal, ob Opel den Amis oder den Franzosen gehört.

  • Definitiv ein fähiger Manager, der Portugiese Tavares. Schaun mir mal wie es weitergeht ....

  • Also fassen wir mal zusammen, was wir über PSA wissen...

    1.PSA hat einen harten Sanierungskurs hinter sich.
    2.PSA will sich internationaler aufstellen.
    3.PSA ist in Europa hinter VW und Renault auf Platz 3.

    Warum tut sich also ein PSA eine Übernahme von Opel an. Opel, das als Unternehmen immer wieder mit dem "Überleben" zu kämpfen hat.
    Für mich kann ein Sinn der Übernahme von Opel nur darin bestehen, das PSA hier billig an das Know-how von Opel kommt. Das PSA einen Konkurrenten mit der Opelübernahme aus den Weg geräumt hat. Und das PSA die Vertriebskontakte von Opel für sich nutzen will.
    PSA kauft also Opel nicht aus der Sicht, Arbeitsplätze bei Opel für Opel zu erhalten sondern ganz klar auf Eigeninteressen von PSA.

  • PSA......
    Wieviel Schulden sind noch zu tilgen?
    Wie hoch ist der Cash-Flow?
    Ohne Einblick in A L L E Bücher glaub auch ich nicht Alles.
    PS: vor 3 Jahren faktisch pleite!

  • Ich glaub' diesem angeblichen Franzosen kein Wort.

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