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Daimler richtet sich neu aus

Mit einem radikalen Umbau möchten die Stuttgarter führend bleiben.

(Foto: The Image Bank/Getty Images)

Nach schwacher Quartalsbilanz Aufspalten, neu ordnen – Daimler will mit Radikal-Strategie den Gewinn steigern

Der Auto-Konzern reorganisiert sich in drei Sparten. Vorstand und Aufsichtsrat möchten so Kräfte freisetzen – und die Führungsposition ausbauen.
26.07.2018 - 18:28 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf „Die Automobilindustrie und damit auch wir“, betont Daimler-Chef Dieter Zetsche, „haben eine Vielzahl von Herausforderungen zu meistern“. Mit neuen Modellen und besserer Technik will der Manager die Führungsposition des Mercedes-Herstellers nicht nur stärken, sondern weiter ausbauen.

Das alleine reicht Zetsche aber nicht. Wichtig sei vielmehr, die eigene Strategie „konsequent“ umzusetzen. Und das heißt im Falle von Daimler, sich aufzuspalten und komplett neu zu ordnen.

Konkret haben Vorstand und Aufsichtsrat des Stuttgarter Auto- und Lkw-Produzenten am Donnerstag den Plan abgesegnet, Daimler bis zum Januar 2020 eine komplett überarbeitete Struktur zu verpassen. Statt den bisher fünf Geschäftssparten sollen die Aktivitäten der Schwaben in drei rechtlich selbstständige Einheiten unter dem Dach einer Holding, der Daimler AG, neu gegliedert werden.

Demnach werden in der Kernsparte des Konzerns (Mercedes-Benz AG) künftig die Autos und Vans gebündelt, während in der zweiten Säule (Daimler Truck AG) die Geschäfte mit Lastwagen und Bussen zusammengefasst werden. Die geringsten Änderungen ergeben sich in der dritten Sparte. Der bisher schon selbstständige Bereich der Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen erhält lediglich einen neuen Namen (Daimler Mobility AG).

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    „Mit der neuen Organisationsstruktur stellt sich Daimler für den rasanten Wandel der Mobilitätsbranche und die damit verbundenen strategischen Herausforderungen auf“, sagte Manfred Bischoff, der den Aufsichtsrat von Daimler leitet. Seit Monaten arbeitet ein Team von Hunderten Experten an der Umsetzung des „Projekts Zukunft“. Der Konzern führte dabei die umfassendes Due-Diligence-Prüfung in der mehr als 130-jährigen Unternehmensgeschichte durch.

    700 Gesellschaften in mehr als 60 Ländern müssen neu geordnet werden. Dabei entsteht ein hoher dreistelliger Millionenbetrag an Kosten. Den Mitarbeitern sicherte das Unternehmen eine Beschäftigungszusage bis Ende des Jahres 2029 zu. Zudem stellte der Konzern bis 2024 Investitionen von gut 35 Milliarden Euro in die deutschen Standorte in Aussicht.

    Auf der Hauptversammlung im Mai 2019 sollen die Aktionäre den Umbau endgültig beschließen. Daimler-Chef Zetsche will den Konzern mit der Holdingstruktur für autonomes Fahren, Elektromobilität, neue Kundenwünsche und den zunehmenden Wettbewerb rüsten. Die Abkehr vom mitunter recht trägen Konglomerat soll neue Kräfte entfesseln, den Aktienwert steigern und es dem Konzern erleichtern, Partnerschaften einzugehen. Allerdings wird in Stuttgart betont, dass es keinerlei Pläne bei Daimler gebe, sich von einzelnen Geschäftsbereichen zu trennen.

    Wer die Holding und die drei Geschäftseinheiten leiten wird, ist noch offen. „Die Frage der personellen Besetzung in der neuen Struktur haben wir noch nicht behandelt“, sagte Zetsche. Der Manager hofft aber auf eine breite Unterstützung für die Neugliederung. Schließlich will der 65-Jährige Schnauzbartträger damit seine mehr als zwölf Jahre währende Ära an der Spitze der Marke mit dem Stern krönen. Doch nicht alle Investoren sind vollends begeistert.

    Der Daimler-Chef will die Führungsposition von Mercedes weiter ausbauen. Quelle: AFP
    Dieter Zetsche

    Der Daimler-Chef will die Führungsposition von Mercedes weiter ausbauen.

    (Foto: AFP)

    „Wir werden uns sehr genau ansehen, ob die geplante Holding mit drei selbstständigen Gesellschaften wirklich sinnvoll ist“, sagte Winfried Mathes im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Sprecher von Deka Investment, der Fondsgesellschaft der Sparkassen, fragt sich, welchen Nutzen eigentlich die Daimler-Aktionäre, sprich die Eigentümer der Muttergesellschaft, dabei davontragen. „Aus unserer Sicht besteht die Gefahr, dass Anleger sich nur noch an den Tochterunternehmen beteiligen und damit die Holding entwerten.“

    Daimler verkündet die Neugliederung zudem just am gleichen Tag, an dem der Konzern seine Halbjahresbilanz vorlegt. Und die fällt alles andere als erfreulich aus. Im zweiten Quartal ist der Gewinn des Dax-Konzerns kräftig eingebrochen. Von April bis Juni erwirtschaftete Daimler ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von nur 2,6 Milliarden Euro. Das ist ein Minus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch unter dem Strich verdienten die Stuttgarter mit 1,8 Milliarden Euro um ein Fünftel weniger als vor Jahresfrist. In allen fünf Sparten (Pkw, Trucks, Vans, Bussen, Finanzdienstleistungen) erodiert der Betriebsgewinn. Zudem ist der Umsatz auf 40,8 Milliarden Euro leicht geschrumpft. Der Free Cash Flow im Industriegeschäft ist sogar negativ.

    Analysten gehen in der Folge mit dem Autobauer hart ins Gericht. „Daimler ist wieder zum Problemfall geworden“, sagte Jürgen Pieper dem Handelsblatt. „Der Konzern enttäuscht auf allen Ebenen“, erklärt der Autoexperte vom Bankhaus Metzler. Er sehe „keinen einzigen guten Grund mehr, sich Daimler-Aktien zu kaufen“. Bei dem Autobauer müssten jetzt fundamentale Fragen gestellt werden: Wie sei es möglich, dass nach dem Rekordjahr 2017 so schnell so viele Probleme aufpoppen konnten? „Da stellt sich schon die Frage nach der Führung“, sagt Pieper. „Die Richtung stimmt ja überhaupt nicht mehr“.

    Der Mercedes-Absatz schwächelt

    Insbesondere die Kennzahlen in der Kernsparte Mercedes-Benz Cars, die für mehr als die Hälfte des Umsatzes von Daimler steht, sind schwach. Die Marke mit dem Stern kämpft in vielen Märkten mit rückläufigen Absatzzahlen. Die Folge: Der Betriebsgewinn brach um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Dass die Tendenz bei Mercedes negativ sein würde, haben viele Finanzexperten bereits vorab eingepreist, aber dass auch die zweite Kernsparte Daimler Trucks nicht mehr wachsen kann, ist für Metzler-Analyst Pieper „ein klares Indiz dafür, dass es bei Daimler insgesamt nicht mehr rund läuft“.

    In Stuttgart verweist man dagegen auf eine ganze Reihe von Einmalbelastungen und externen Faktoren, die das Ergebnis im zweiten Quartal schmälern. Der dickste Kostenblock entfällt mit 418 Millionen Euro auf den Vergleich, den Daimler und Deutsche Telekom mit der Bundesregierung über den verzögerten Start des Autobahnmautsystems Toll Collect abgeschlossen haben. Der Konzern bekommt zudem den Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt zu spüren.

    China erhebt auf Importe von Autos und Autoteilen aus den USA seit Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli Einfuhrzölle in der Höhe von bis zu 40 Prozent. Darunter leidet Daimler. Denn in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama produzieren die Stuttgarter ihre sportlichen Geländewagen (SUV) für den Weltmarkt. Zehntausende Modelle davon werden jährlich ins Reich der Mitte verschifft. Durch die Einfuhrzölle verteuern sich die renditestarken Autos der Schwaben. Auf einem Teil der Mehrkosten bleibt Daimler sitzen, da die Kosten nicht eins zu eins an die Kunden weitergegeben werden können.

    Hinzu kommt: China hat seine Einfuhrzölle für alle anderen Importautos von 25 auf 15 Prozent gesenkt. Das klingt zwar erst einmal positiv für Daimler, weil der Konzern weniger Abgaben bezahlen muss, wenn Modelle etwa von Europa nach China exportiert werden. Aber in der Praxis brachte es Daimler in Zugzwang, da die Kunden auf günstigere Mercedes-Modelle drängten. Daimler senkte daher seine Preise, um die Absätze hochzuhalten. Jene Fahrzeuge, die sich während der Zolländerung noch im Transit in Richtung China befanden, mussten neu bewertet werden.

    Die Folge: Der vermeintlich positive Effekt der Zollsenkung verpufft zunächst im Ergebnis.

    Darüber hinaus machen Daimler Währungsschwankungen, der Rückruf von Diesel-Vans wegen mutmaßlich unzulässigen Abschalteinrichtungen bei der Abgasnachbehandlung sowie die Zertifizierung nach dem neuen, verschärften Zulassungsstandard WLTP zu schaffen. „Der Gegenwind ist enorm“, sagte Konzernchef Zetsche.

    Doch alleine mit temporären Belastungen lässt sich der Absturz des Konzerns nicht erklären. Auch operativ häufen sich die Probleme. Der große Erfolg der Schwaben in den vergangenen Jahren basiert vor allem auf dem brummenden Geschäft mit E-Klasse und sportlichen Geländewagen. Nach 63 Monaten, in denen Mercedes einen Absatzrekord nach dem anderen feierte, gingen die Verkaufszahlen im Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber erstmals zurück. Zwar wurde der Absatz der Marke mit dem Stern durch Lieferengpässe in Folge eines Brands bei einem Zulieferer in den USA negativ beeinflusst, aber die Vormachtstellung der Schwaben bröckelt auch wegen anderer Gründe.

    „Mercedes hat den Zenit im Produktzyklus überschritten, die eigene Flotte altert während BMW und Audi mit neuen Modellen angreifen“, erklärt Arndt Ellinghorst vom Investmenthaus Evercore ISI. Für ihn ist die zentrale Frage, wie Daimler seine Marge hochhalten will? Es besteht die Gefahr, dass die Stuttgarter allmählich abgehängt werden. Schon jetzt sind etwa andere Lkw-Hersteller wie Volvo deutlich profitabler. „Und wenn man Äpfel mit Äpfel vergleicht, sind vergleichbare Pkw-Hersteller im Premiumbereich renditestärker“, sagt Ellinghorst: „Denn Daimler rechnet anders als etwa Audi oder BMW sein Finanzergebnis in China in das operative Ergebnis der Pkw-Sparte mit ein“.

    Immerhin: Nachdem Daimler im Juni mit einer Gewinnwarnung seinen Ausblick senkte, lässt der Konzern seine Prognose jetzt unverändert. Die Schwaben rechnen für das Gesamtjahr 2018 mit einem leichten Anstieg von Absatz und Umsatz und einem leichten Rückgang des Betriebsergebnisses. Das ist ambitioniert, aber machbar. Ein anderes Ziel wackelt dafür gehörig.

    Die Dieselrückrufe belasten

    Daimler will 2018 einen Free Cash Flow von mehr als vier Milliarden Euro erzielen. Aktuell liegt der Konzern mit 1,8 Milliarden Euro nach der Hälfte des Weges aber unter Plan. Und es wird nicht leichter. Wegen der längeren Zertifizierung von Fahrzeugen als üblich „wird es im weiteren Jahresverlauf zu vorübergehenden Einschränkungen von Fahrzeugen kommen“, heißt es im Quartalsbericht von Daimler. Das habe zur Konsequenz, dass manche Kunden „auf margenschwächere Fahrzeuge umsteigen müssen“.

    Der Bund hatte Daimler im Mai zudem dazu verdonnert mehr als 4900 Mercedes Vito Dieselfahrzeuge wegen des des Verdachts „unzulässiger Abschalteinrichtungen“ zurückzurufen. Im Juni wurde ein weiterer Rückruf angeordnet. In diesem Fall sind europaweit mehr als 774.000 Dieselfahrzeuge betroffen. Daimler hat gegen beide Anordnungen Widerspruch eingelegt. Für bestimmte Modelle musste der Konzern aber einen vorläufigen Auslieferungsstopp verhängen. Und: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Auslieferungs- und Zulassungsstopps angeordnet werden“, schreibt Daimler im Zwischenbericht.

    Trotz dem wackligen Ausblick legte die Aktie von Daimler am Donnerstag mit teils mehr als 2,4 Prozent kräftig zu. Frank Schwope, Analyst bei Nord LB, warnt aber vor Fehlinterpretationen. Dass das Wertpapier von Daimler im Plus lag statt abzuschmieren, führt der Kapitalmarktexperte darauf zurück, dass das Damoklesschwert eines weiter eskalierenden Handelsstreits mit hohen Zöllen auf Autos zwischen den USA und der EU erst einmal vom Tisch scheint. So legten etwa die Aktien BMW oder VW zwischenzeitlich um fast vier Prozent zu.

    Für Schwope ist klar: „Die Verhinderung der Strafzölle ist die größte Hoffnung für die Daimler-Anleger“.

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    1 Kommentar zu "Nach schwacher Quartalsbilanz: Aufspalten, neu ordnen – Daimler will mit Radikal-Strategie den Gewinn steigern"

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    • Es ist absolut von Vorteil, wenn die einzelnen Sparten von Daimler sich darstellen und entwickeln können - damit sind sie auch einzeln bewertbar.
      Der Vorteil für Aktionäre liegt darin, dass mit einer einfachen Addition der einzelnen Unternehmensbereiche sofort erkannt werden kann, wie günstig Daimler insgesamt fundamental bewertet ist.

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