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Nach Shire-Übernahme Pharmariese Takeda will mit neuen Medikamenten kräftig wachsen

Ein gutes Dutzend neuer Medikamente soll das Geschäft von Takeda beflügeln. In den aktuellen Zahlen ist von einem Wachstumsschub noch wenig zu erkennen.
28.11.2019 - 03:58 Uhr Kommentieren
Der einzige Ausländer an der Spitze eines japanischen Großkonzerns. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Takeda-Chef Christophe Weber

Der einzige Ausländer an der Spitze eines japanischen Großkonzerns.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Frankfurt Deutsche und japanische Pharmakonzerne hatten in den vergangenen drei Jahrzehnten eines gemeinsam: Mangels großer Akquisitionen und Schwächen in der Forschung dümpelten sie einträchtig im Mittelfeld der Branche dahin.

Doch seit Januar dieses Jahres ist es mit diesem Gleichklang vorbei. Mit der gut 60 Milliarden Dollar teuren Übernahme des britisch-irischen Pharmaspezialisten Shire katapultierte sich der japanische Marktführer Takeda erstmals unter die Top 10 der globalen Pharmawelt.

Er folgt damit erstmals einer Strategie, die das Geschehen der Branche seit Jahrzehnten prägt: Wachstum durch Mega-Übernahmen. Allein in diesem Jahr gab es in den USA zwei weitere Großfusionen in ähnlicher Größenordnung wie Shire.

Takeda selbst war in der Vergangenheit eher mit kleineren Zukäufen aktiv. So etwa 2011 mit dem Erwerb der Firma Nycomed – in dieser Firma war zuvor die Arzneisparte des deutschen Spezialchemiekonzerns Altana aufgegangen. Im globalen Konsolidierungstrend konnten die Japaner damit aber nicht Schritt halten.

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    Die Shire-Übernahme dagegen führt den Konzern nun in eine völlig neue Dimension, mit einem fast verdoppelten Jahresumsatz von etwa 30 Milliarden Dollar und einem stark vergrößerten US-Geschäft, das künftig fast die Hälfte des Umsatzes liefert. Der Heimatmarkt Japan wird nur noch 18 Prozent beisteuern. Zudem erweitert Shire das Produktsortiment von Takeda erheblich, etwa durch Mittel gegen seltene Erbkrankheiten, Bluter-Medikamente und Arzneien auf Basis von Blutplasma.

    Konzernchef Christophe Weber sieht den Megadeal daher nicht nur unter dem Blickwinkel des Größenwachstums. Er treibt einen langfristig angelegten und tief greifenden Wandel zu einem innovationsgetriebenen und zugleich globalisierten Pharmakonzern voran. „Shire unterstützt uns darin, den Konzern neu zu komponieren“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Takeda ist heute im Grunde das globalste Unternehmen Japans.“
    Fokus auf Krebstherapie

    Den Aufstieg in die Spitzengruppe betrachtet er zugleich als Startpunkt für eine neue Wachstums-Offensive. „In den nächsten Jahren wird Takeda organisch wieder stärker vorankommen“, versichert der gebürtige Franzose. Weber, der zuvor in verschiedenen Führungspositionen beim britischen Pharmaunternehmen Glaxo-Smithkline tätig war, steht seit 2015 an der Spitze von Takeda und hat dem japanischen Traditionskonzern seither eine radikale Transformation verordnete.

    Dengue-Impfstoff ist Hoffnungsträger

    Basis für seinen Optimismus ist die Reorganisation der Forschung und deren Ausrichtung auf neue Technologien und externe Allianzen. In den kommenden fünf Jahren will der japanische Konzern 14 Neuentwicklungen mit innovativen Wirkstoffen auf den Markt bringen. Im Vergleich zu Branchenführern wie Roche und Pfizer ist das eine hohe Zahl. „Danach wird eine zweite Welle an Innovationen folgen“, verspricht Weber. „Wir sind sicher, dass wir ein Wachstumsunternehmen sein werden.“

    Zu den wichtigen Hoffnungsträgern zählt dabei ein potenzieller Impfstoff gegen das Dengue-Fieber, für dessen Produktion Takeda vor wenigen Tagen eine nagelneue, rund 130 Millionen Euro teure Fabrik in Singen am Bodensee in Betrieb genommen hat. Die Neuentwicklung könnte im Erfolgsfall 2021 zugelassen werden und für Takeda die Option eröffnen, das bisher auf Japan beschränkte Impfstoff-Geschäft zu globalisieren.

    Grafik

    Man sei sich dabei bewusst, dass die Ausgangsbasis für einen Dengue-Impfstoff schwierig sei, nachdem sich bei einem ähnlichen Produkt von Sanofi vor wenigen Jahren Sicherheitsprobleme offenbarten, räumt Weber ein. Er sei aber zuversichtlich, dass Takeda die Zulassungsbehörden und Gesundheitssysteme von der Sicherheit des eigenen Impfstoffs überzeugen könne. In einer großen Studie mit 20.000 Teilnehmern erzielte der Impfstoff laut Takeda bei gut 80 Prozent der Behandelten eine Schutzwirkung gegen Dengue, ohne dass wesentliche Sicherheitsprobleme aufgetreten wären.

    Zu den weiteren Highlights aus der Pipeline zählt der Takeda-Chef einen neuen Wirkstoff gegen eine spezielle Variante von Lungenkrebs sowie ein neuartiges Medikament gegen die Schlafkrankheit Narkolepsie. Hinzu kommen Projekte in der Therapie neurologischer Erkrankungen und eine Reihe von Neuentwicklungen aus der Forschung von Shire gegen seltene Erkrankungen.

    In der Krebsbekämpfung will der japanische Konzern mit einer Reihe von innovativen Immun-Stimulatoren und Zelltherapien Flagge zeigen. Große Hoffnungen setzen Takeda-Forscher auf genmodifizierte natürliche Killerzellen, sogenannte CAR-NKs. Bis Ende des nächsten Jahres will Takeda in Kooperation mit dem MD Anderson Krebs-Zentrum fünf solcher Zelltherapien in die klinischen Tests bringen und 2021 die erste zentrale Zulassungsstudie starten.

    In den aktuellen Zahlen indessen ist von einem neuen Wachstumsschub noch wenig zu erkennen. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres hat der Umsatz auf vergleichbarer Basis nahezu stagniert. Steigenden Erlösen bei den 14 globalen Kernprodukten, darunter das Magenmedikament Entyvio als Bestseller, stehen Umsatzverluste durch Patentabläufe beim Krebsmittel Velcade und dem Spezialmedikament Firazyr (gegen Angioödeme) sowie Einbußen durch wachsende Konkurrenz im Geschäft mit Blutermedikamenten gegenüber.

    Für das Gesamtjahr stellt der Konzern ein leichtes Wachstum in Aussicht, das sich 2020 beschleunigen soll. Alles in allem entwickle sich das Geschäft besser als erwartet, so Weber. Die Integration von Shire, die zwei Milliarden Dollar an Synergien bringen soll, komme gut voran.

    Skeptische Investoren

    Externe Experten bewerten die Perspektiven des Konzerns vorsichtig positiv. „Die jüngste F+E-Präsentation in Tokio hat einen guten Eindruck hinterlassen“, urteilte etwa Analyst Naomi Kumagai von JP Morgan jüngst in einem Kommentar zum Unternehmen. Takeda verfüge über eine solide Pipeline, um Patentabläufe im nächsten Jahrzehnt zu kompensieren.

    Die Börse dagegen zeigt sich bislang noch wenig begeistert. Seit Anfang 2018 hat die Takeda-Aktie in der Spitze mehr als ein Drittel an Wert verloren, aktuell notiert sie noch etwa 25 Prozent niedriger als vor zwei Jahren und gehört damit zu den schwächsten Performern im Pharmasektor.

    Takeda-Chef Weber ist überzeugt, dass der Kapitalmarkt die Pipeline des Konzerns letztlich noch drastisch unterbewerte. Trotzdem kann er die skeptische Reaktion auch nachvollziehen: „Wir haben gerade die größte Übernahme eines japanischen Unternehmens vollzogen und zudem als erstes japanisches Unternehmen eine solche Akquisition durch Ausgabe neuer Aktien finanziert“, sagt er. „Wenn Sie so etwas durchziehen, brauchen Sie erst mal einige Zeit, um Vertrauen zurückzugewinnen. Das ist normal. Aber wir schaffen das.“

    In der Tat ist der Um- und Ausbau, den Weber in den letzten fünf Jahren bei dem 1781 gegründeten Traditionskonzern betrieben hat, nicht nur für japanische Verhältnisse außergewöhnlich. Die Übernahme von Shire erfolgte nur zwei Jahre, nachdem der britische Konzern selbst eine große Akquisition vollzogen hatte: den Erwerb der US-Firma Baxalta, die zuvor aus dem Gesundheitskonzern Baxter ausgegliedert worden war.

    Auch der Kaufpreis war eine Herausforderung. Denn er überstieg die eigene Marktkapitalisierung von Takeda und wurde jeweils rund zur Hälfte in Cash und Aktien bestritten. Dazu musste Takeda die eigene Aktienzahl in etwa verdoppeln und zudem noch annähernd 30 Milliarden Dollar Schulden aufnehmen. Der Verschuldungsgrad in Relation zum bereinigten Ebitda ist mit 3,9 doppelt so hoch wie im Schnitt der Pharmabranche.

    Zudem hat Weber neben dem Geschäft auch das Management für japanische Verhältnisse radikal globalisiert. Der Franzose ist heute der einzige ausländische CEO an der Spitze eines japanischen Großkonzerns. Im 19-köpfigen „Executive Team“ sind nur noch vier Japaner vertreten, neben sechs US-Managern und fünf Europäern.

    Kein anderer japanischer Pharmakonzern wird so stark von ausländischen Führungskräften geprägt. Auch vor diesem Hintergrund erscheint es unwahrscheinlich, dass bald weitere Konzerne dem Beispiel Takeda folgen werden.

    Mehr: Der Boom in der Forschung gibt den Konzernen bislang nur mäßig Schub. Patentabläufe und Preisdebatten begrenzen das Wachstumspotenzial.

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