Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Nach Verhaftung Skandal um Renault-Chef Ghosn weitet sich aus

Ghosn wurde am Montag angeklagt und gleich wieder verhaftet. Jetzt rücken auch Nissan und Konzernchef Saikawa stärker in den Fokus des Skandals.
Update: 10.12.2018 - 16:09 Uhr Kommentieren
Am Montag erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Carlos Ghosn, seinen Vorstandskollegen Kelly und Nissan. Quelle: AFP
Carlos Ghosn

Am Montag erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Carlos Ghosn, seinen Vorstandskollegen Kelly und Nissan.

(Foto: AFP)

TokioWie es Carlos Ghosn geht, wissen nur sein Anwalt und seine Familie. Seit der Chef der französisch-japanischen Autoallianz am 19. November in Japan verhaftet worden war, konnte er nicht mit der Presse sprechen. Auch sein japanischer Anwalt sagt keinen Ton. Doch dieses könnte sich nun langsam ändern.

Am Montag erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ghosn, seinen Vertrauten und Vorstandskollegen bei Nissan Greg Kelly und auch gleich Nissan selbst.

Damit liegen nun die Vorwürfe gegen Ghosn und Co. offiziell auf dem Tisch. Endlich können die Anwälte beginnen, eine Verteidigungsstrategie zu entwerfen. Und dies tut dringend not. Denn Staatsanwälte drohten ihm bereits wegen des Verstoßes gegen Finanzmarktgesetze mit zehn Jahren Haft.

Konkret werfen die Ermittler dem Duo vor, Ghosns wahres Gehalt verschleiert zu haben. So hat Nissan in den fünf Jahren bis 2015 in den Geschäftsberichten insgesamt nur rund fünf Milliarden Yen (39 Millionen Euro) in Geschäftsberichten ausgewiesen, obwohl Ghosn den Ermittlern zufolge die doppelte Summe vereinbart hatte. Nur sollte die zweite Hälfte zeitlich versetzt nach seinem Ausscheiden bei Nissan als Beraterhonorare fließen.

Ghosn und Kelly beteuern zwar laut Medienberichten, dass das Konstrukt nicht illegal sei. Einige japanische Juristen stimmen ihnen sogar zu. Aber die Staatsanwälte sehen darin einen schweren Verstoß gegen Finanzmarktgesetze. Und sie nutzen ihre enorme Macht, um den Druck auf Ghosn und Kelly zu erhöhen. Nach der Anklage ließen sie das Duo nicht etwa frei, sondern verhafteten es erneut.

Dieses Mal lautet der Verdacht, dass Ghosn in den Geschäftsjahren 2015 bis 2017 weitere vier Milliarden Yen (31 Millionen Euro) verschleiert hat.

Bis zu 20 Tagen können die Ermittler Ghosn nun wieder verhören, bis sie erneut Anklage erheben müssen. Damit ist so gut wie sicher, dass Ghosn mindestens über Weihnachten in seiner fünf Quadratmeter kleinen Einzelzelle verbringen wird. Denn eine Freilassung auf Kaution ist unüblich in Japan.

Privatvergnügen aus der Firmenkasse

Die Affäre zieht weitere Kreise. Denn auch für Nissan und den Kon‧zernchef Hiroto Saikawa wird der Fall nun ungemütlich. Nissan muss sich nun ebenfalls für die falschen Angaben im Geschäftsbericht vor Gericht verantworten. Der Konzern will die vermeintlich fehlenden Summen vermutlich im laufenden Quartal noch nachbuchen.

Doch trotz Nissans Kooperation mit der Justiz ist der ehemalige Staatsanwalt Nobuo Gohara überzeugt, dass nun auch Saikawa in den Brennpunkt rücken wird. „Es wird schwierig, Saikawas Rolle zu übersehen“, sagte er Reuters.

Tatsächlich spielt der 65-jährige Japaner eine Schlüsselrolle in dem Skandal. Ghosn hatte Saikawa 2016 zu seinem Nachfolger als Konzernchef bestellt. Aber in der Not hat der Japaner seinen Gönner rasch fallen lassen.

Nicht nur verheimlichte er Ghosn die interne Untersuchung, die letztlich zu der Anklage führte. Neben dem verschleierten Gehalt geht es darum, dass Nissan für Ghosns Familie in mehreren Ländern Wohnungen kaufte und den Konzernchef mietfrei wohnen ließ, seine Schwester als Beraterin anstellte und Privatreisen aus der Firmenkasse bezahlte.

Zudem schlug er dem Verwaltungsrat umgehend vor, den Renault-Chef als Verwaltungsratschef abzulösen. Immerhin gelang es ihm, auch die zwei Renault-Vertreter von Ghosns Fehlverhalten zu überzeugen. Das Votum fiel einstimmig aus. Doch unbestritten spielt sich im Hintergrund des Skandals ein harter Machtkampf um die Führung in dem Konzern und der Allianz ab.

Nissan will mehr Einfluss auf Renault

Schon seit Monaten berichten japanische Medien von wachsenden Reibereien, die sich nun zugespitzt haben könnten.

Nach Informationen des Automagazins „Automotive News“ wollte Ghosn im November Nissans Verwaltungsrat vorschlagen, Saikawa zu feuern. Demnach sei Ghosn unzufrieden mit Nissans Ergebnissen gewesen. Denn unter Saikawa lag Nissans operative Gewinnmarge im vergangenen Quartal mit nur 3,6 Prozent weit hinter Hondas und Toyotas Profitabilität.

Doch auch in der Autoallianz wurde Saikawa immer mehr zum Gegenspieler des ehemaligen Alleinherrschers Ghosn. Der hatte nämlich von Renaults Großaktionär, der französischen Regierung, im Tausch gegen eine Vertragsverlängerung den Auftrag angenommen, neben Nissan auch Mitsubishi unter Renaults Führung bis 2022 zu fusionieren.

Nur sprach sich Saikawa offen gegen eine stärkere Integration aus. Stattdessen will er die Gunst der Stunde nutzen, um die sehr ungleichen Kräfteverhältnisse in dem Bund neu auszubalancieren.

Renault hält seit seiner Rettungsaktion von Nissan im Jahr 2000 43 Prozent der Anteile von Nissan, die Japaner wie der französische Staat nur 15 Prozent an Renault. Nur sind Nissans Anteile ohne Stimmrechte, während die französische Regierung das große Wort führt.

Dies empfinden die Japaner als unfair, schließlich ist Nissan inzwischen etwa doppelt so groß und so viel wert wie sein ehemaliger Retter – und technisch der Motor der Allianz. Das nagt am Selbstbewusstsein der Autonation, für die Nissan immer noch ein stolzes Symbol ist.

Umso mehr sorgen sich die Japaner, unter den heutigen Bedingungen von Renault und dem französischen Staat bei einer Fusion untergebuttert zu werden. Inzwischen reden sogar Japans und Frankreichs Regierung über die Allianz, weil die beiden Hersteller für beide Länder von strategischer Bedeutung sind. Wie schwierig daher die Neuausrichtung wird, zeigt Nissans Suche nach einem neuen Verwaltungsratschef.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte den Fall Nissan bereits zur Chefsache. „Es ist wichtig, stabile Beziehungen zu bewahren“, sagte er am Montag auf einer Pressekonferenz. Er erwarte konstruktive Diskussionen zwischen den Parteien für eine Stärkung der Allianz.

Vertraglich hat wohl Renault das Recht, den Verwaltungsratschef zu ernennen. Aber Saikawa widersetzte sich und wollte selbst das Amt übernehmen. Nur stimmte der Verwaltungsrat im November dem nicht zu.

Stattdessen beauftragte er drei Vorstände, bis zur nächsten Gremiensitzung im Dezember einen neuen Chef auszusuchen. Doch laut Medienberichten ging das mit Spannung erwartete erste Treffen des Triumvirats vorige Woche ohne Entscheidung zu Ende. Der Machtkampf zwischen Nissan und Renault geht damit in die nächste Runde.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Nach Verhaftung - Skandal um Renault-Chef Ghosn weitet sich aus

0 Kommentare zu "Nach Verhaftung: Skandal um Renault-Chef Ghosn weitet sich aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%